Von Beginn an findet sich das Publikum am Rande eines Kampfplatzes wieder: Die Sitzplätze für die Zuschauenden reihen sich an zwei gegenüberliegenden Seiten um eine dicke Matte, die gleichzeitig als vielfältig einsetzbare Spielfläche sowie als boxringähnlicher Austragungsort für handfeste Streitigkeiten dient (Ausstattung: Katharina Müller). Viel Platz für mächtig „Beef“ also!
Und davon gibt es jede Menge, denn im Zentrum der Dramödie stehen die beiden konfrontationsfreudigen Protagonist*innen Jana (Lina Zimmer) und Timo (Stephan Wriecz), die beim ungeplanten Wiedersehen in Nullkommanix in die alten, aggressionsgeladenen Muster ihrer Kindheit und Jugend zurückfallen. Richtig peinlich ist das, denn eigentlich wollten sie im heutige Gewaltpräventionstraining dem jugendlichen Klientel deeskalierende Konfliktlösungen beibringen. Eigentlich.
Doch nun sitzen die beiden in zerrissenen Klamotten und mit blau geschlagenen Gesichtern da und müssen sich erklären. Keine*r von ihnen triumphiert oder fühlt sich gut. Verstört fragen sie sich, wie sie als erwachsene Menschen nur so die Kontrolle verlieren konnten. Zögernd und grundsätzlich immer anderer Meinung gehen sie auf eine konfrontative Spurensuche, um zu ergründen, was die Gewalt überhaupt ausgelöst hat und warum sie von ihr immer wieder eingeholt werden.
Chawwerusch ist das professionelle Theaterkollektiv der Südpfalz mit eigener Spielstätte, das Geschichte und Geschichten erlebbar macht. Die meist selbst entwickelten Stücke eignen sich für unterschiedliche Spielorte. Zudem produziert das Chawwerusch Theater Großprojekte mit Amateuren auf hohem künstlerischem Niveau. Die Expedition Chawwerusch ist die junge Sparte des Theaters. Neben den Produktionen für Jugendliche und junge Erwachsene hat sie ein breites theaterpädagogisches Angebot.