Bist du schon in Frühlingslaune? Steht der Frühjahrsputz in den Startlöchern? Was müsste bei dir ausgemistet werden?
Paul Panzer: Eigentlich mein ganzes Leben. (lacht) Ich bin jemand, der auf einer gewissen Ebene immer Ordnung braucht. Das unterscheidet mich von meiner Frau: Sie räumt alles nur in die Schränke, damit es oberflächlich sauber ist. Mir hingegen ist es wichtig, dass die Dinge nicht nur oberflächlich, sondern auch darunter eine Ordnung haben. So gesehen ist für mich das ganze Jahr Frühjahrsputz.
Du bist aktuell mit dem Live-Programm "APAULKALYPSE" auf Tour. Wie kam es zu diesem Titel? Was kann man unter einer "APAULKALYPSE" verstehen?
Paul Panzer: Mich haben schon immer die großen Themen interessiert: die Menschheit an sich, woher kommen wir, wohin gehen wir? Die Welt ist im Umbruch und es passiert gerade viel – natürlich auch viele Tragödien –, doch wie man weiß, liegen Tragödie und Komödie dicht beieinander. Von daher kann ich dieses Mal aus dem Vollen schöpfen und ein bisschen über den Wahnsinn erzählen, den wir Menschen jeden Tag leben. Auch wenn es im ersten Moment für Comedy echt dystopisch erscheint: Ich sehe, dass es funktioniert und die Leute großen Spaß am Weltuntergang haben. Ich sage immer: Wenn schon untergehen, dann mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
Der Untertitel der Tour lautet "Jede Reise geht einmal zu Ende". Müssen sich deine Fans etwa auf einen Abschied von der Bühne einstellen?
Paul Panzer: Der Untertitel ist auf den Menschen als solches bezogen, auf unsere Evolution. Tatsächlich wurde ich von vielen angesprochen, ob es meine letzte Tour sei. Da wurde mir erst bewusst, dass man den Untertitel auch auf mich als Paul Panzer beziehen kann. So war es aber nicht gemeint, obwohl ich den Gedanken dann plötzlich doch ganz reizvoll fand. (lacht) Ewig kann ich es nicht weitermachen, doch nun gibt es dann doch noch ein paar Dinge zu sagen.
Was würdest du denn tun, wenn morgen tatsächlich die Welt unterginge?
Paul Panzer: Die Frage ist, wie sie untergeht. Geht sie für uns Menschen unter oder geht sie im Ganzen unter? Bei Letzterem haben wir noch ein paar Milliarden Jahre Zeit, bis die Energie der Sonne aufgebraucht ist. Ich glaube nicht, dass die Welt an einem einzigen Tag zusammenbricht oder uns morgen ein Meteorit trifft – wir sorgen schon jetzt sukzessive für unseren Untergang. Das ist ja das Fatale: Lange Prozesse tun nicht so weh, man merkt es nicht, da es langsam vorangeht. Echt traurig, dass wir das nicht merken, weil wir währenddessen trotzdem ein gutes Leben führen. Um auf die Frage nach dem Weltuntergang zurückzukommen: Wenn morgen wirklich Schluss wäre, wäre die Zeit so knapp bemessen, dass ich mich aufs Sofa legen und eine Doku angucken würde.
Wie hat sich deiner Meinung nach die Comedy-Landschaft in den letzten Jahren verändert? Wie passt du dich diesen Veränderungen an?
Paul Panzer: Das ist eine gute Frage, da ich es immer wieder erlebe, wenn ich spiele. Als ich in meinen Anfängen war und die ersten Live-Auftritte hatte, lagen kleine Flyer aus, die zwei, drei andere Comedy-Kolleg:innen bewarben. Mittlerweile sind das ganze Kataloge, wo 50, 60 Leute drinstehen, die mit eigenen Programmen unterwegs sind. Mir persönlich – das liegt wahrscheinlich an meinem Alter – ist es einfach zu viel, mich in alles reinzulesen. Da bin ich lieber ganz bei mir und gucke wenig nach rechts und links. Spannend ist es aber schon, zu sehen, was sich entwickelt hat.
Stichwort ganz bei dir: Wie viel von der Figur Paul Panzer steckt im Künstler Dieter Tappert? Wie entstehen die Geschichten und Pointen?
Paul Panzer: Das Bewusstsein für Themen und das Interesse an Themen ist bei beiden gleich, immerhin teilen wir uns ein Gehirn. Es ist mehr die Art der Präsentation: Dieter ist eher schüchtern, zurückhaltend und höflich, während Paul das Herz auf der Zunge trägt, bevor er was mit seinen schrägen Gedanken interpretierend raushaut, und das nicht immer politisch korrekt. Die Grenzen zwischen uns sind manchmal fließend und es ist eine leicht schizophrene Situation, doch wir haben uns ganz gut arrangiert. Paul ist der, der die Arbeit macht und der Dieter der, der auf dem Sofa liegt. (lacht)
Wie entwickelst du die Figur Paul Panzer weiter, um sowohl langjährige Fans als auch neues Publikum anzusprechen?
Paul Panzer: Wenn man sich den Paul Panzer vor 20 Jahren und dessen Anfänge im Radio anschaut, war alles sehr überzogen, schrill und bunt. Im Laufe der Jahre hat er eine Entwicklung gemacht, die ihn reifer werden ließ. Auch wenn es immer wieder welche gab, die meinten, es genauso beizubehalten, da man sonst Publikum verlieren könnte, habe ich die Erfahrung gemacht, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Die Leute wollen eine Veränderung. Wenn man immer das Gleiche präsentiert, wird’s nicht nur für mich langweilig, sondern auch für das Publikum. Von daher ist für mich eine solche Entwicklung – sowohl inhaltlich und optisch als auch in der Art der Präsentation – extrem wichtig. Paul ist ernster geworden, die Themen sind ernster geworden. Das Einzige, was als roter Faden geblieben ist, ist mein Wunsch, dass die Leute sich kaputtlachen, wenn ich sie live besuche.
Wenn du auf deine bisherige Karriere zurückblickst: Würdest Du alles genauso machen? Gibt’s etwas, das du anders machen würdest?
Paul Panzer: Ich habe immer das Leben geführt, das ich leben wollte. Das kommt auch daher, weil ich mich als Person nicht so ernst nehme. Wenn sich plötzlich keiner mehr für Paul interessieren würde, ginge mein Leben trotzdem weiter, weil ich nicht den kompletten Fokus auf meine Bekanntheit gelegt habe. Ich war immer recht geerdet und bodenständig, was dabei helfen kann, Rückschläge im Leben zu umschiffen. Ich sag mal so: Ich habe genau den gleichen Scheiß am Hals wie alle anderen auch – und das ist auch gut so.
Am 09. März kommst du mit deiner Show nach Trier. Auf was dürfen sich die Besucher:innen freuen – oder auch gefasst machen?
Paul Panzer: Es wird sehr lustig werden, wir werden sehr viel Spaß haben und es wird eine tolle Show geben. In den vergangenen Jahren ist es mir immer wichtiger geworden, dass meine Bühnenbilder, die ich in meiner Werkstatt selbst baue, groß und opulent sind. Ich zeige nicht den klassischen Stand-up – ein Mann, ein Mikro –, sondern versuche, das Ganze als Gesamterlebnis zu verkaufen. Als eine große Show mit Licht und Bühnenbild, fast wie ein Theaterstück. Ich möchte, dass die Leute ihren Alltag für zwei Stunden hinter sich lassen und mit einem Grinsen nach Hause gehen.
Wie wichtig ist es für dich, während der Liveshow eine Verbindung zu den Zuschauer:innen herzustellen? Wie erreichst du das?
Paul Panzer: Eine solche Verbindung ist elementar, die Bühne ist immer meine große Liebe. Klar mache ich auch Fernsehen und Radio, doch es gibt nichts Schöneres, als rauszugehen und da sind zwei-, dreitausend Menschen und alles ist energiegeladen. Wenn die Leute lachen, fühle ich mich noch mehr angespornt. Dann sage ich: Diesen Status müssen wir jetzt halten, dieses Feeling muss jetzt bleiben. Das kostet zwar wahnsinnig viel Energie, doch die Energie ist ja nicht weg, sondern bleibt in diesem Abend.
Was möchtest du, dass das Publikum von dem Abend mitnimmt? Gibt es eine zentrale Botschaft oder ein Gefühl, das du vermitteln möchtest?
Paul Panzer: Das überlasse ich jedem selbst. Mein Hauptantrieb ist, durch den Spaß, durch die Freude, durch die Sorglosigkeit den Akku ein bisschen aufzuladen – auch wenn das meistens nur ein paar Tage hält, weil einen der Alltag wieder einholt. Wenn jemand zusätzlich eine Botschaft mitnimmt oder sich verbrüdert fühlt und sagt: Das klingt vielleicht hart und ist nicht ganz politisch korrekt, was der da sagt, doch ich sehe es genauso, dann ist das natürlich doppelt schön. Ich komme aber nicht nach Trier als Moralapostel, sondern bin auf Augenhöhe und fühle mich mit den Menschen verbunden. Ich habe ein sehr gemischtes Publikum. Früher stand auf den Brettspielen immer "von 9 bis 99 Jahre", so fühle ich das auch bei meinen Zuschauer:innen. Das ist etwas Besonderes.
Welche Projekte sind in Zukunft angedacht? Sehen wir dich demnächst noch mal in einer Film- oder Fernsehrolle?
Paul Panzer: In jungen Jahren fand ich Film und Kino und Schauspieler zu sein toll. Das habe ich dann mal ausprobiert. Ganz im philosophischen Sinne „Erkenne dich selbst“ musste ich aber feststellen, dass das Endprodukt zwar gut war, doch Herstellung selbst überhaupt nicht meins ist. Stundenlanges Rumstehen, stundenlang in der Maske, zwei Minuten was sagen, dann wieder drei Stunden Umbau. Das passt nicht zu mir, denn ich bin einer der ungeduldigsten Menschen, die es gibt. Es war aber eine tolle Erfahrung, mal zu sehen, wie sehr man daneben liegen kann. Oft wünscht man sich Dinge und wenn sie dann da sind, denkt man: So habe ich es mir nicht vorgestellt. Da fällt mir der Spruch ein: "Das Leben ist das, was passiert, während wir dabei sind, andere Pläne zu machen". Wenn alles so bleibt, wie es ist, bin ich zufrieden. Wachstum um jeden Preis ist nicht immer gut. Manchmal genügt es einfach, das, was man hat, zu erhalten.