Kultur

„Ich werde gerade erst warm“

Comedian Faisal Kawusi im Lifestyle-Interview

Bühne frei für Faisal Kawusi: Am 06.12. tritt der Comedian mit seinem zweiten Solo-Liveprogramm „Anarchie“ in der Trierer Europahalle auf. Wir haben mit dem gebürtigen Frankfurter über seine Anfänge, das Thema Freiheit und seine erste Sehenswürdigkeit gesprochen.

Wann stand für dich fest: Ich mache etwas mit Comedy?
Faisal Kawusi: Ich kann mich noch dran erinnern. Das war am 19.12.2011, ein Jahr, nachdem ich meinen ersten Auftritt absolviert hatte. Ab dem Tag stand für mich fest: Dort gehöre ich hin, auf die Bühne. Das ist mein Zuhause, dort will ich leben und dort will ich auch sterben.

Wie liefen denn deine ersten Gehversuche in Sachen Comedy?
Faisal Kawusi: Mein erster Auftritt fand in einer SM-Szene-Bar in Frankfurt statt. Das waren die Einzigen, die mich damals auf die Bühne gelassen haben. (lacht) Nach zehn Minuten hatte ich Blut geleckt. Gleich danach stand der RTL Comedy Grand Prix an, was sehr aufregend war, denn meine Vorbilder Cindy aus Marzahn und Kaja Yanar saßen in der Jury. Ich kam zwar nicht weiter, aber man hat mir Talent zugesprochen. Es folgten Comedy Slams und Kleinkunstshows an Orten, wo ich im normalen Leben niemals hingekommen wäre. Ich hab’s einfach gemacht – mit Triumphen und Niederlagen und allem Drum und Dran.

Dein aktuelles Live-Programm heißt „Anarchie“. Warum hast du dich für diesen Titel entschieden?
Faisal Kawusi: Wir leben in einer Zeit, in der Freiheit sehr großgeschrieben wird und in der auch das Wort Freiheit in vielen Gesetzen verankert ist. Dennoch habe ich das Empfinden, dass gesellschaftlich nicht viel Freiheit gestattet wird. Ich wollte mit dem Namen des Programms ein Zeichen setzen: Hier herrscht absolute Freiheit. Niemand darf dir Gesetze aufzwingen und sagen: Das darfst du nicht, das ist nicht lustig. Jeder entscheidet für sich selbst, was lustig ist. Jeder hat für sich selbst seine vollkommene Freiheit. Hier geht‘s zur Sache.

Am 06.12. kommst Du mit deiner Tour auch in die Europahalle nach Trier. Was bringst Du persönlich mit Trier in Verbindung?
Faisal Kawusi: Ich mag Trier sehr gerne. Zum einen war ich dort in der zehnten Klasse auf Klassenfahrt. Die Porta Nigra war mit eine der ersten Sehenswürdigkeiten, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Zum anderen war ich dort 2011 auf meinem ersten Comedy Slam im Mergener Hof. In meiner Gruppe waren Chris Tall und Alain Frei. Heute wäre das eine Todesgruppe, bei der man als Zuschauer nicht wüsste, für wen man sich entscheiden soll. Alain Frei hat damals gewonnen. Was aus Chris Tall und mir geworden ist, steht in den Geschichtsbüchern. (lacht)

Auf was dürfen sich die Besucher bei Deinem Auftritt freuen?
Faisal Kawusi: Auf einen lustigen, individuellen Abend. Mein Humor ist recht schwarz, um es mal vorsichtig zu sagen. Es ist für jeden etwas dabei. Ich gehe auch sehr gerne auf mein Publikum ein und möchte es näher kennenlernen.

Was liegt dir bei deinen Liveshows besonders am Herzen?
Faisal Kawusi: Verglichen mit dem Fernsehen, bekommt das Publikum bei einer aufgezeichneten und geschnittenen TV-Show eine Light-Version meines Programms zu sehen. In einer Liveshow bin ich der König, der absolute Diktator, der Herrscher und kann tun und lassen, was ich will. Nichts bleibt ungesehen. Sei es ein Rülpsen, ein „böses Wort“ oder ein Am-Popo-jucken. Egal, was ich auf der Bühne mache, die Leute werden alles unzensiert und live sehen.

Wegen deiner stattlichen Erscheinung wirst du auch als „Schwergewicht der Comedy-Szene“ oder „Pfundskerl“ bezeichnet. Wie gehst du damit um?
Faisal Kawusi: Ganz entspannt. Ich habe lieber ein Alleinstellungsmerkmal als gar kein Merkmal. Ich weiß, dass ich auffalle und das ist völlig okay.

Welche spannenden Projekte dürfen wir in Zukunft von dir erwarten? Kannst du uns etwas verraten?
Faisal Kawusi: Leider darf ich noch nicht drüber sprechen, aber die Tatsache besagt ja, dass etwas geplant ist. Ich sage nur so viel: Mein Team und ich sind an verschiedenen Dingen dran. Ich betreibe jede Menge Blödsinn und werde auch in Zukunft dafür sorgen, dass den Leuten im tristen Winter ein Lächeln ins Gesicht gezaubert wird. Ich bin der Meinung, dass ich aus dem Grund auf die Welt geschickt wurde. Das ist meine Berufung, meine Leidenschaft, mein Leben. Da wird noch Einiges kommen. Ich werde gerade erst warm.