Konzert

Mittelalter-Rock in lauer Sommernacht

Im Interview: In-Extremo Sänger Michael Rhein

In Extremo, Deutschlands kommerziell erfolgreichste Mittelalter-Rockband, tritt am 26.07. im Trierer Amphitheater auf. Wir sprachen mit Michael Rhein, dem Sänger der Band, über seinen außergewöhnlichen Spitznamen, das Besondere bei Open Airs und das nächste Album.

Du bist Gründer und Sänger von In Extremo. Seit wann bist du persönlich Fan des Mittelalters bzw. des mittelalterlichen Gesangs?
Michael Rhein: Ein paar Jahre vor der Bandgründung hat die Begeisterung angefangen. Ich bin schon 1990 auf Mittelaltermärkten aufgetreten. Irgendwann habe ich mir gedacht, dass man die Lieder verrocken muss.

Die Bandmitglieder besitzen Künstlernamen wie „Flex der Biegsame“ oder „Dr. Pymonte“. Wie kamt ihr auf die Idee und warum bist du „das letzte Einhorn“?
Michael Rhein: Das sind Spitznamen, die wir uns früh gegenseitig gegeben haben. Als ich damals auf Mittelaltermärkten unterwegs war, kannten die wenigsten meinen richtigen Namen. Ich trug zu der Zeit T-Shirts mit einem Konterfei von Klaus Kinski und dem Schriftzug „Das letzte Einhorn“. So ist mein Name entstanden, eigentlich total bekloppt. (lacht)

Aktuell seid ihr mit der „Carpe Noctem Burgentour“ in Deutschland unterwegs. Inwiefern würdet ihr euch als nachtaktiv bezeichnen?
Michael Rhein: Unsere Konzerte beginnen erst, wenn es dunkel ist. Das Publikum geht meistens nicht direkt nach Hause, sondern bleibt und feiert ein bisschen bis in die Nacht. Carpe Noctem passt da ganz gut, „genieße die Nacht“. Was gibt es Schöneres als eine laue Sommernacht? Das ist perfekt.

Was ist das Besondere an Freiluftkonzerten?
Michael Rhein: Open Airs sind immer schön. Zwar hat man Angst, dass es regnen könnte, doch es hat Flair. Die Hallenkonzerte sind aber genauso gut, denn die Abwechslung macht‘s.

Am 26.07. seid ihr im Rahmen des Amphitheater Open Airs in Trier zu erleben. Was mögt ihr an der ältesten Stadt Deutschlands und der besonderen Konzert-Location?
Michael Rhein: Trier ist einfach eine schöne, schnuckelige Stadt. Die Katakomben des Amphitheaters haben etwas Besonderes an sich – wie eine Arena, was sie ja ursprünglich auch mal war. Was dort alles passiert ist, will ich gar nicht wissen. Wir tragen positive Energien und Lieder in die Arena, was einen guten Gegensatz darstellt.

Eure Live-Shows gelten als spektakulär. Was dürfen die Fans in Trier erwarten?
Michael Rhein: Einen großen Zauber. Auf alle Fälle wird es eine wechselnde Setlist geben, damit es spannend bleibt. Wir werden auch die ein oder anderen alten Lieder spielen, die wir schon ewig nicht mehr performed haben. Das gehört zu einer Burgen-Tour dazu. Ansonsten sollen sich die Fans einfach überraschen lassen.

Ihr spielt auch auf typisch mittelalterlichen Instrumenten wie der Marktsackpfeife, dem Hackbrett oder der Schalmei. Wie kommt man an solche Raritäten?
Michael Rhein: Das sind alles selbst hergestellte Unikate. Vor 25 Jahren waren solche Instrumente Heiligtümer, denn man hatte nur das eine. Mittlerweile gibt es zwar auch Sackpfeifenbauer, doch die selbstgebauten klingen anders.

Was muss man beim Spielen beachten?
Michael Rhein: Dass man sich nicht verspielt. (lacht) Es sind Holzinstrumente, die man hegen und pflegen muss. Manchmal verstimmen sie sich durch Luftfeuchtigkeit oder Sonneneinstrahlung. Dann wird halt während eines Konzerts nachgestimmt.

Wie sind bei euch die Aufgaben verteilt? Wer schreibt die Songs, wie kommt ihr auf die Ideen?
Michael Rhein: Wir machen das meistens zusammen. Das ist aber von Platte zu Platte verschieden. Gerade sind wir an neuen Song-Ideen dran, da hört der eine diese, der andere jene Melodie. Zum Schluss werfen wir alles in einen Topf, es wird umgerührt und was bei rauskommt, ist In Extremo.

Das letzte Album „Quid pro Quo“ erschien 2016. Wann dürfen die Fans mit einer neuen Platte rechnen?
Michael Rhein: Wir haben im Frühjahr angefangen, an neuen Songs zu arbeiten. Durch die Sommer-Open-Airs geht’s diesbezüglich wieder im September weiter. Wir haben vor, 2020 ein neues Album rauszubringen, denn im nächsten Jahr feiern wir 25 Jahre In Extremo.