Kultur

„Nackt sind alle gleich“

Comedian Chris Tall im Lifestyle-Interview

Erstellt am 26.09.2018

Zuerst wurde über Mutti geredet, nun gibt‘s witzige Stories über den Vater: Chris Tall tourt derzeit mit seinem zweiten Soloprogramm „Und jetzt ist Papa dran!“ durch die Lande – am 29.11.2018 ist er in der Arena Trier zu erleben. Im Interview stand uns der gebürtige Hamburger Rede und Antwort.

Wann stand für dich fest: Ich möchte Comedian werden?
Chris Tall: Ich habe damals den RTL2 Fun Club gesehen, wo der Comedian Fabian Hintzen zu Gast war, damals 18 Jahre alt. Da habe ich gedacht: Alter, wenn der das so jung schafft, kann ich das auch versuchen! Der stand schon mit 13 Jahren auf der Bühne. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es so ein schwieriger Weg ist. (lacht) Dann habe ich einfach angefangen, vor Publikum aufzutreten. Anfangs war ich aber so schlecht, dass ich dachte, das wird nie was!

Wann fand die Initialzündung statt?
Chris Tall: Am 05.03.2011 war mein erster Auftritt in … Dreimal darfst du raten.

Trier?
Chris Tall: Ja, genau! Und zwar beim Comedy Slam im Mergener Hof. Die erste Runde bin ich aber nur weitergekommen, weil die anderen aus meiner Gruppe noch schlechter waren (lacht).

Mit wem oder was kann man dich zum Lachen bringen?
Chris Tall: Mit Authentizität. Ich mag Schlagfertigkeit und wenn jemand schnell auf Situationen reagieren kann und mir einen einschenkt!

Nach deinem Erfolgsprogramm „Selfie von Mutti“ steht jetzt dein Papa im Mittelpunkt. Wieso?
Chris Tall: Vor der eigentlichen Premiere einer Show gibt‘s Vorpremieren, bei denen ich vor kleinem Publikum spiele. Als mein Vater auf der Premiere von „Selfie für Mutti“ war, kam er nach der Show beleidigt zu mir und meinte: „Warum machst du nur Witze über deine Mutter und nicht über mich? Hast du sie lieber als mich?“ Darauf habe ich geantwortet: „Papa, warte noch zwei Jahre, dann mache ich was über dich.“

Am 29.11. bist du mit „Und jetzt ist Papa dran!“ in der Arena Trier. Was verbindest du persönlich mit Trier?
Chris Tall: Am Trierer Publikum mag ich, dass es nicht lange braucht, um in Schwung zu kommen, sondern sofort „da“ ist. Die Leute wollen Party machen, das ist genau nach meinem Geschmack.

Auf was dürfen sich die Zuschauer in Trier Ende November freuen?
Chris Tall: Ich interagiere viel mehr mit dem Publikum als früher. Jeder Zuschauer soll merken, dass die Show anders und auf den jeweiligen Abend zugeschnitten ist. Das finde ich spannend. Die Leute erfahren auch Privates über mich und die Geschichten, die ich erlebe.

Welche außergewöhnlichen Geschichten sind dir bei deinen Auftritten in Erinnerung geblieben?
Chris Tall: Ich mache Witze über jeden, zum Beispiel auch über Schwarze. Ich hatte mal eine farbige Frau im Publikum, die bei den Witzen über Schwarze nicht gelacht hat. Als ich sie gefragt habe, weshalb sie nicht lache, sagte sie nur: „Die Witze sind einfach nicht gut genug.“ Später hat sie sich dann bei einem anderen Thema vor Lachen kaum eingekriegt. Ich mag es, wenn die Leute ehrlich sind. Sie sollen selbst entscheiden, wann sie lachen.

Wie oft und in welchen Situationen wirst du mit dem Spruch „Darf er das“ konfrontiert?
Chris Tall: Im Alltag ganz oft. Da heißt es einfach: „Ey, das ist doch der Darf er das?“ In dem Moment schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Wenn ich das Gefühl bekomme, nur auf eine Sache reduziert zu werden, denke ich manchmal: „Ja, ich habe auch einen Namen.“ Auf der anderen Seite denke ich wiederum: „Hm, immerhin finden sie dich interessant und du hast einen hohen Wiedererkennungswert!“ Das Gefühl überwiegt dann auch und freut mich wirklich sehr.

Was darf Chris Tall, was nicht?
Chris Tall: Im Live-Programm lote ich durchaus meine Grenzen aus, merke aber in der Regel schnell, wenn es dem Publikum auffällt oder eben die Grenze erreicht ist. Ich will niemanden verletzen, sondern gemeinsam mit allen lachen. Je nach Abend darf ich mehr und weniger, das mein Gegenüber bestimmt, was ich sehr spannend finde. Am Ende des Tages versuche ich, eine Message zu übermitteln, nämlich: Wenn wir nackt sind, sind wir alle gleich. Man sollte aufhören, Menschen oberflächlich zu beurteilen oder sofort in Schubladen zu stecken. Jeder sollte auf seine Art respektiert werden.

Du bist mit mehreren Preisen wie dem „Deutschen Comedypreis“ als „Bester Newcomer“ ausgezeichnet worden. Was bedeutet Dir das? 
Chris Tall: Sehr viel. Ob „Comedy Slam“ oder „Comedypreis“: Am Ende des Abends bekommt man ein positives Feedback, dass man gut war. Die größte Auszeichnung ist, dass die Leute in meine Shows kommen, dafür teilweise einen weiten Weg auf sich nehmen, nur um mich zu sehen.

Am 29.09. startet mit „Darf er das?“ eine eigene Chris-Tall-Show bei RTL. Wie wird diese aussehen?
Chris Tall: Ich wollte immer schon eine klassische Personality-Show machen. Es ist eine bunte Mischung: Ich lade prominente Gäste ein und flachse mit ihnen rum. Zusätzlich steht in jeder Folge ein Stand-Up-Comedian auf der Bühne, sowohl erfahrene Kollegen als auch Newcomer. Wir wollen aber auch tiefer gehen: So schlüpfe ich zum Beispiel in die Rolle eines Rollstuhlfahrers oder eines Blinden. Am Ende bleibe ich also meinen Kernthemen treu: „Generation, Integration und bodenloser Unsinn!“ Danke für das nette Interview! 

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