Kultur

Von Hasen und Lämmern

Die beliebtesten Bräuche zu Ostern

Erstellt am 21.03.2024

Am Osterfest kommt für gewöhnlich der Osterhase, es werden Eier gefärbt, die anschließend gesucht werden, und auf der gedeckten Kaffeetafel steht ein duftender Kuchen in Form eines Osterlamms – einige beliebte Osterbräuche dürften den meisten geläufig sein. Es gibt jedoch auch solche, die zwar weniger bekannt, dafür aber mindestens genauso traditionsbewusst sind.

Osterhase
Neben dem Ei ist er untrennbar mit dem Osterfest und der vorösterlichen Zeit verbunden: der Hase. In heidnischen Zeiten galten die Tiere mit den langen Ohren als Boten der westgermanischen Frühlingsgöttin Ostara, Namenspatin des Osterfests. Weil ein Hase als eines der ersten Tiere im Frühling Nachwuchs zur Welt bringt und generell sehr zeugungskräftig ist, wird er seit Jahrhunderten als Fruchtbarkeitssymbol angesehen. So auch in vorchristlicher Zeit, als er symbolisch für die griechische Liebesgöttin Aphrodite stand. Weil der Hase zudem keine Augenlider hat und mit offenen Augen schläft, symbolisiert dies in der byzantinisch-christlichen Tiersymbolik die Wachheit Christi am Ostermorgen. In Südwestdeutschland begann die Erfolgsgeschichte des Hasen als Eierbringer vor 300 Jahren.

Ostereier färben
Ein von Armenien über Russland und den Mittelmeerraum bis hin nach Mitteleuropa verbreiteter Brauch und echter Spaß für Groß und Klein ist das Färben und Bemalen von Eiern zu Ostern. In Deutschland werden gefärbte Eier erstmals im frühen 13. Jahrhundert erwähnt. Weil das Färben von Eierschalen älter ist als die christliche Tradition, steht nicht ganz fest, ob der Ursprung des Brauches im christlichen Glauben liegt. Die frühen Christen jedenfalls färbten Eier ausschließlich rot – als Symbol für die Auferstehung Jesu. Damit wiesen sie auf das Blut hin, das durch den Tod vergossen wurde.

Ostereier-Suche
Ha – ich hab' noch eines gesehen! Dort im hohen Gras, hinter dem Baum, ist es aufgeblitzt! Erstmals im 17. Jahrhundert schriftlich erwähnt, haben besonders Kinder auch heute noch bei der Ostereier-Suche großen Spaß – egal, ob es sich um echte oder welche aus Schokolade handelt. Weil früher der Verzehr von tierischen Produkten, also auch Eiern, während der Fastenzeit verboten war, konnte man diese durch Kochen gut haltbar machen. Am Ostersonntag kamen sie schließlich auf den Tisch – oder wurden eben im Garten versteckt. Zu Letzterem gibt's die Theorie, dass der Kirche der ursprünglich heidnische Brauch, Eier zu verschenken, derart missfiel, dass sie ihn verbot. In der Folge wurden die Eier heimlich verschenkt bzw. versteckt.

Eierwerfen
Ein nur noch selten vorkommendes Osterbrauchtum ist das Werfen bzw. Rollen der Eier, auch Boßeln genannt, welches hauptsächlich in Nord- und Ostfriesland begangen wird. Dabei müssen die Eier mit so wenig Würfen wie möglich zu einem mehrere Kilometer entfernten Ziel gebracht werden. Unter den Osterspielen mit Eiern gibt es zudem die Variante, dass die gekochten Eier in die Luft geworfen werden – wessen Ei am längsten heil bleibt, gewinnt. Apropos heiles Ei: Beim Ostereiertitschen treten zwei Spieler:innen gegeneinander an und eine:r der beiden stößt mit der Spitze des eigenen Ostereis auf das des/der Kontrahent:in. Ziel ist es, die Schale des Eis vom Gegenüber zu zerbrechen. Wer am längsten schafft, sein Ei heil zu lassen, ist Sieger:in des Spiels.

Osterkerze
Seit jeher steht die Osterkerze symbolisch für das Leben, im Altertum galt das Symbol des Feuers als etwas Heiliges. So hatten bereits die römischen Priesterinnen die Aufgabe, niemals das heilige Feuer erlöschen zu lassen. Die ältesten Wurzeln der Osterkerze reichen ins frühe Christentum zurück, wo man mit zahlreichen Kerzen die Feier des Gottesdiensts in dieser Nacht erhellte. Zudem gab es im päpstlichen Rom den Brauch, die Osternachtfeier mit zwei Meter hohen Kerzen zu erleuchten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde schließlich die Feuersymbolik des heidnischen Sonnenwendfeuers auf die Osterkerze übertragen. Aus Jerusalem stammt derweil der uralte Brauch, das Licht der Osterkerze an alle Gläubigen weiterzureichen.

Osterfeuer
Der Brauch des Osterfeuers geht sowohl auf das Christen- als auch das Heidentum zurück. Während das Osterfeuer nach christlichem Glauben für die Auferstehung Jesu steht, wird nach heidnischem Brauch mit diesem der Winter vertrieben und die Asche des Feuers über die Felder gestreut. Somit kann das Osterfeuer auch als Fruchtbarkeitsritual gesehen werden. Je nach Region wird das Osterfeuer am Karsamstag, am Ostersonntag oder gar erst am Ostermontag entzündet. In manchen Teilen Deutschlands gehört zusätzlich das Osterrad zur Tradition des Osterfeuers. Sobald das Feuer abgebrannt ist, entzündet man an den Glutnestern mit Stroh umwickelte Wagenräder und rollt diese anschließend durch die Ortschaft. Auch sie sollen den Winter vertreiben, wobei das brennende Osterrad die Sonne symbolisiert.

Osterlachen
Zu den sehr alten Traditionen zum Osterfest zählt das Osterlachen, auch Ostergelächter genannt. Dabei erzählt der Priester in der Predigt im Ostergottesdient lustige Geschichten und Anekdoten, um die Gläubigen zum Lachen zu bringen. Scherze oder überraschende Witze in der Osterpredigt gehörten bis ins 17. Jahrhundert fast überall zur Predigt der Osternachtliturgie. In einigen Regionen − vor allem in Bayern − war es vom 14. bis 19. Jahrhundert sogar ein fester Bestandteil des christlichen Brauchtums. Der Hintergrund ist eher ernster Natur, sollte mit dem Osterlachen doch die Freude zum Ausdruck gebracht werden, dass Christus den Tod überwunden hat.

Osterwasser
Der Brauch des Osterwassers stammt aus heidnischer Zeit, in der man glaubte, dass das Wasser besondere Kräfte besäße sowie Fruchtbarkeit und Schönheit bringe. Nach dem Volksbrauch muss das Osterwasser in der Osternacht, sprich von Karsamstag auf Ostersonntag, zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang aus einem Bach oder Brunnen geschöpft und schweigend nach Hause getragen werden. Dem Glauben nach soll dieses Wasser ein ganzes Jahr lang halten, nicht faulen sowie Jugend bewahren, Krankheiten heilen und Unglück abhalten. Überwiegend junge, unverheiratete Frauen gingen daher am Morgen des Ostersonntags an einen Bach, um Wasser zu holen oder darin zu baden. Auch das gesegnete Taufwasser in der Osternacht wird als Osterwasser bezeichnet.

Osterreiten
Das Osterreiten, auch Osterritt genannt, kommt hauptsächlich in der Oberlausitz, Bayern und Franken sowie Oberschlesien, Nordböhmen und Mähren vor. Dieser Osterbrauch in Form einer Prozession bzw. eines feierlichen Umzugs, der am Ostersonntag stattfindet, geht auf eine christlich-sorbische Tradition zurück und hat die Aufgabe, der Welt die Auferstehung Jesu Christi in Form von traditionellen Kirchenliedern und Gebeten zu verkünden. Sowohl die festlich gekleideten Reiter als auch die geschmückten Pferde werden zunächst gesegnet, bevor der Ostergottesdienst gefeiert wird und sie sich auf den Weg machen.

Osterspaziergang
Beim Osterspaziergang handelt es sich um einen Brauch, der entweder am Ostersonntag oder Ostermontag praktiziert wird. Viele Menschen planen einen Ausflug in die Natur, um die besinnliche Zeit zu genießen, zur Ruhe zu kommen und den Frühling mitsamt der blühenden Natur willkommen zu heißen. Auch wenn Johann Wolfgang von Goethe den ausgedehnten Osterspaziergang in seinem Werk "Faust" erwähnt, so hat der Gang im Freien tatsächlich einen religiösen Hintergrund und wird auch Emmausgang genannt. Er erinnert an den im Lukasevangelium erwähnten Marsch zweier Jünger Jesu Christi in die Stadt Emmaus, bei dem sich der Auferstandene zu ihnen gesellt, sie ihn jedoch erst beim Brechen des Brotes erkennen.

Osterlamm
Das Osterlamm hat im christlichen Glauben eine lange Tradition und steht aufgrund seines weißen Fells als Symbol für Unschuld, Reinheit und Frieden. Es soll die Menschen dazu aufrufen, ein friedliches Leben zu führen. Zu Jesu Zeiten und bereits davor waren Lämmer die üblichen Opfertiere. Die christliche Tradition, an Ostern Lammfleisch zu essen, geht auf Jesus Christus zurück, der sich im Christentum stellvertretend für die Menschen opferte und sie erlöste. Wenn heute die Rede vom Osterlamm ist, meint man in der Regel den in einer Lammform gebackenen Kuchen auf der Kaffeetafel an den Osterfeiertagen.

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