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„Zwei Stunden Therapie“

Im Interview: Kabarettist Dieter Nuhr

Erstellt am 25.01.2018

„Nuhr hier, nur heute“: So lautet der Name des aktuellen Live-Programms vom tiefenentspanntesten Comedian Deutschlands, Dieter Nuhr. Vor seinem Auftritt in der Arena Trier am 11. März sprachen wir mit ihm über gute Vorsätze, das Lachen und eine Umbenennung von Triers Wahrzeichen.

2018 ist gerade erst gestartet, aber gute Vorsätze hat so ziemlich jeder. Was sind deine geplanten fürs neue Jahr?
Dieter Nuhr: Vorsätze sind da, um gebrochen zu werden. Das ist unschön. Ich habe mir deshalb vorgenommen, dieses Jahr nicht zu rauchen. Das ist ein Vorsatz, den ich vermutlich schon deshalb einhalten kann, weil ich Nichtraucher bin.

Welchen Wortwitz mit deinem Nachnamen fandest du bislang am besten und welchen kannst du dafür nicht mehr hören?
Dieter Nuhr: Ich habe damals angefangen, meinen Namen in den Programmtiteln unterzubringen, weil ich wollte, dass in den Programmzeitschriften klar wird, wer auftritt, selbst wenn nur der Titel genannt wird. Das war am Anfang der Karriere ein schlauer Schachzug, dann hat sich das Ganze verselbstständigt. Ich habe mich daran gewöhnt, dass die Leute in meinem Beisein irgendeinen Satz mit „nur“ bilden und dann loslachen. Auch wenn ich das Ganze indessen für verzichtbar halte …

Worauf können sich die Zuschauer bei deinem aktuellen Live-Programm „Nuhr hier, nur heute“ freuen?
Dieter Nuhr: Auf gute zwei Stunden Therapie. Wir leben in einer mediengetriebenen Panikgesellschaft, und ich werde am Abend nicht nur zur Gelassenheit ausrufen, sondern auch erklären, warum es keinen Grund gibt, sich am nächsten Balken aufzuhängen. Vielleicht wird dann der eine oder andere Zuschauer genau darauf verzichten, das wäre doch ein schöner Erfolg. Wenn man bei uns sagt, dass die Welt besser ist als ihr Ruf, läuft man ja immer Gefahr, in die nächste Heilanstalt eingeliefert zu werden, aber Fakt ist: Die Welt war noch nie besser als heute. Am Abend wird dementsprechend viel gelacht. Schon das hat heilende Wirkung. Mein Ziel ist, dass die Hälfte des Publikums nach dem Abend die Psychopharmaka absetzen kann. Wenn ich das erreiche, ist alles gut. 

Am 11.03. kommst du in die Arena Trier. Was bringst du persönlich mit der ältesten Stadt Deutschlands in Verbindung?
Dieter Nuhr: Heißt die Porta Nigra eigentlich immer noch Porta Nigra? In Zeiten allseits korrekter Formulierung ist über eine Umbenennung doch sicher schon diskutiert worden, oder? Porta tenebris? Porta africaniensis? Ansonsten verbinde ich mit Trier selbstverständlich die alte Römerzeit. Leider sind ja die meisten Menschen von damals tot. Schade. Aber es haben sich ja Gott sei Dank neue Menschen gefunden, die gerne in Trier wohnen. Das ist gut, denn sonst würde die Stadt ja leer stehen. Und auch zu meinem Gastspiel kämen wahrscheinlich erheblich weniger Leute.

Der Satz „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten“ geht auf dich zurück. Wem würdest du in der heutigen Zeit gerne den Mund verbieten?
Dieter Nuhr: Ich sehe den Satz heute kritisch. Wenn man wirklich nur noch über das reden würde, wovon man wirklich etwas versteht, dann würde über diesem Land eine melancholische und etwas gruselige Stille schweben. Wir reden ständig über Dinge, von denen wir keine Ahnung haben. Das lässt sich nicht vermeiden.

Wie oder durch was bringt man dich am besten zum Lachen?
Dieter Nuhr: Keine Ahnung. Ich lache einfach, wenn mir danach ist. Lachen ist ja ein Reflex. Deswegen ist es auch so schwierig, Komiker zu kritisieren, weil Lachen eben eine sehr subjektive Emotion ist. Es ist da oder eben nicht. Ich kann gar nicht genau sagen: Ich lache über Hüte und Schuhe, aber niemals über Jacken und Hosen. Da müsste ich erst mal Buch führen. Das wäre mir zu mühsam.

Wie kannst du nach einer Tour am besten abschalten und zur Ruhe kommen?
Dieter Nuhr: Schlafen ist gut. Ich bin aber auch noch sexuell aktiv und schaue gerne Fußball. Außerdem habe ich in der Schule lesen gelernt und wende diese Fähigkeit auch an.

Was können deine Fans in Zukunft von dir erwarten?
Dieter Nuhr: Ich werde weitermachen. Und für alle, die meine Arbeit nicht so sehr schätzen: Das soll keine Drohung sein!

Was möchtest du in deinem Leben noch erreichen?
Dieter Nuhr: Überleben. Das ist im Grunde die wichtigste Voraussetzung für alles, was ich noch machen möchte. 

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