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A Dream About Parking Lots

Therapie, Taumel und das bittersüße Piepen.

Schon der Titel von „A Dream About Parking Lots“ verrät es: Hier bekommt ihr kein klassisches Videospiel, sondern ein surreales, kleines Abenteuer, das irgendwo zwischen Spaziergang, Albtraum und Therapiesitzung oszilliert. Wer noch nie im realen Leben ratlos in einer zugestellten Parkhaus-Etage sein Auto gesucht hat, darf sich freuen – denn dieses Game macht daraus ein zutiefst persönliches, aber erstaunlich meditatives Spielerlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

Der Sinn des Pieptons – und das Labyrinth im Kopf

Das Spiel wirft euch in die Rolle eines namenlosen Protagonisten, der träumt – und zwar wieder und wieder von Parkplätzen, Parkhäusern, ja sogar skurrilen Campingplätzen. Das Ziel: Findet euer Auto. Ein Piepen mit dem Autoschlüssel weckt irgendwo in der Ferne das gesuchte Vehikel, manchmal nur ein leises Hupen, manchmal ein kurzes Headlight-Blinken, und sofort beginnt das labyrinthische Gekurve zwischen blockierten Wegen und willkürlich geparkten Karosserien. Ja, das hier ist ein ungewöhnliches Spielchen.

Die Navigation bleibt minimalistisch: Ihr bewegt euch zu Fuß, könnt per Tastendruck den Piepton auslösen und – wenn ihr euch endlich zum eigenen Gefährt durchgehangelt habt – dort einsteigen, um den Traum (und das Level) zu beenden. Viel Interaktion gibt es nicht, und genau darin liegt paradoxerweise der Reiz.

Zwei Welten mit Kopf und Seele

Während ihr wahrnehmt, was euch auf der Parkfläche vorgeworfen wird, entspinnt sich in Textform eine Therapiesitzung. Am unteren Bildschirmrand diskutiert ihr mit eurer Therapeutin darüber, was diese wiederkehrende Parkplatzsuche bedeuten könnte, und diese Gespräche entwickeln rasch eine überraschende Tiefe: Mal philosophisch, mal ironisch, dann fast schon existenziell oder sogar ein wenig meta, wenn das Spiel plötzlich beginnt, sich und euch als Spieler*innen augenzwinkernd zu beobachten. Ihr könnt in den Dialogen verschiedene Antworten wählen, wobei der Dialogfluss insgesamt linear bleibt – aber stets zum Nachdenken anregt.

Minimalismus, Mazes und Musik

Optisch bleibt „A Dream About Parking Lots“ im Dunstkreis zwischen minimalistischem Charme und bewusstem Low-Fi-Design. Flächen bleiben oft flach, Schatten weichgezeichnet, und spätestens in den seltsam entrückten Levelnummern – die sprunghaft von #2 auf #7 oder gar #26 wechseln – spürt man: Hier geht es um Träume, nicht um Logik. Hinter dem scheinbar nüchternen Maze-Design verstecken sich immer wieder kleine Details und surreale Effekte, so dass aus dem simplen Setting nach und nach eine echte Traumlandschaft erwächst.

Untermalt wird das Ganze von einer hypnotisch-melancholischen Klaviermusik, die – inspiriert vom Komponisten Erik Satie – das Tragen zwischen Wachzustand und Traum perfekt einfängt. Es gibt keine Sprecher*innen, aber auch keine Momente, in denen man sie vermisst. Die Stimmung schwankt zwischen entspannter Sinnsuche und unterschwelliger Verlorenheit – passend zur eigentlichen Prämisse, sich im Kopf (und auf dem Parkplatz) zu verlaufen.

Wie lang ist ein Traum?

Lange bleibt das Erlebnis nicht: Nach einer guten halben Stunde ist in der Regel Schluss, wobei die Level im Verlauf immer komplexer und verwinkelter werden. Mal steigt ihr Treppen, mal lauft ihr durch abgesperrte Bereiche, mal verwandelt sich das Areal regelrecht in ein surreales Albtraum-Labyrinth. Trotz immer gleicher Grundmechanik bleibt der Ansatz überraschend spannend, weil sich die Frage stets stellt: Was will mir dieser Traum – was will mir das Spiel – eigentlich wirklich sagen?

Ein cleverer Clou ist, dass die Level keinen echten Handlungsbogen folgen. Sprünge in der „Traumnummerierung“ spiegeln ganz wunderbar wider, wie Träume sich anfühlen: verlieren, abschweifen, irgendwo andocken, ohne dass man es bemerkt. Auch die Designs der Fahrzeuge verändern sich – hier ein Kleinwagen, dort ein Minivan –, was kleinen Komfort und Abwechslung zwischen piependen Autoschlüsseln bringt.

Fazit: Albtraum für Autofinder, Geschenk für Sinnsucher

„A Dream About Parking Lots“ ist ein verblüffend persönlicher, manchmal leicht verstörender und oft auch tröstender Trip durch die Tiefgaragen des Unterbewusstseins – und eine der charmantesten Therapiesitzungen, die ihr je an der Konsole hattet. Manche mögen das Spiel nach 40 Minuten mit einem Schulterzucken beenden, andere denken noch lange über das nach, was sie gesehen (und gesucht) haben.

Der spielerische Anspruch bleibt rudimentär, der Kunstanspruch dagegen überraschend hoch: Wer sich einlässt, wird belohnt – sei es durch Selbstreflexion, den ironischen Humor der Dialoge oder die minimalistische Schönheit, mit der ein banales Alltagsproblem zur Bühne für große Fragen wird. Ein Albtraum für vergessliche Autofinder – aber ein kleines Geschenk für Sinnsucher und Träumerinnen.

Erhältlich für: PS, Xbox, Switch, PC 
Webseite: store.steampowered.com/app/3500340/A_Dream_About_Parking_Lots