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A Game About Digging A Hole

Angraben auf die gemütliche Art.

A Game About Digging A Hole ist genau das, was der Titel verspricht – und dann doch ein bisschen mehr: ein Spiel über das Graben eines Lochs, das sich anfühlt wie eine Mischung aus Gartentherapie, Klicker-Game und leicht exzentrischer Schatzsuche im eigenen Hinterhof.

Vom Reihenhaus zum Schlund in die Hölle

Der Start ist herrlich unspektakulär: frisch gekauftes Haus, kleiner Garten, eine Schaufel, ein Akku, ein winziges Inventar – und das vage Versprechen, irgendwo tief unten einen Schatz zu finden.

In bester „Was soll schon passieren?“-Manier setzt man den ersten Spatenstich und zerstört damit innerhalb einer halben Stunde jede Chance auf eine normale Hausversicherung: Aus dem Beet wird ein Krater, aus dem Krater ein Schacht, aus dem Schacht ein Loch, in dem Cthulhu sich zu Hause fühlen würde.

Mehr „Story“ gibt es anfangs nicht. Aber das braucht das Spiel auch nicht, denn der Loop ist klar: graben, Erz finden, Erz verkaufen, Ausrüstung verbessern, noch tiefer graben – bis der Garten eher nach Tagebau als nach Eigenheim aussieht.

Klickarbeit mit Jetpack

Das eigentliche Graben ist absurd simpel. Mit Mausklick oder Controller-Trigger hebt die Spielfigur ein kleines Stück Erde aus, verbraucht dabei Akkuenergie und trägt das Material ins Inventar. Mehrfach an derselben Stelle klicken, und das Loch wächst in die Tiefe; seitlich versetzen, und der Schacht wird breiter. Anfangs kratzt man dabei eher an der Oberfläche – jeder Schlag ist eine kleine Delle, die Batterie gefühlt schon leer, bevor man „Maulwurf“ buchstabiert hat.

Dann kommen die Upgrades ins Spiel, und hier wird es unerwartet befriedigend. Im angrenzenden Garagen-Menü lassen sich die Schaufelstärke, das Inventar, die Batterie und, natürlich, das Jetpack verbessern. Ja, ein Jetpack – denn irgendwann ist die Leiter schlicht zu uncool, wenn man aus einem mehrere Dutzend Meter tiefen Loch wieder raus will. Später kann man außerdem Dynamit und Lampen kaufen, um nervige Felsbrocken zu sprengen und die stetig dunkler werdenden Tiefen zu beleuchten.

Das alles ist klassisches Aufrüst-Design, aber der Witz liegt darin, wie sichtbar der Fortschritt ist: Jeder Upgrade-Schritt macht das Loch schneller größer, die Funde wertvoller und die Tauchgänge länger. Wer Spaß an „einen Balken ein bisschen schneller füllen“ hat, wird hier ziemlich glücklich.

Zen-Garten oder Karpaltunnel-Simulator?

Der Loop „rein in die Grube, raus in die Garage, alles verkaufen, wieder rein“ kann erstaunlich meditativ sein. Man könnte es auch so beschreiben: Autopilot an, Gehirn auf Halbmast, die Hand buddelt, während der Lieblings-Podcast im Hintergrund läuft. Die stetig wachsende Höhle vor Augen, das „Klack“ der Schaufel, das Ploppen der Erze – das hat fast etwas Hypnotisches.

Die Kehrseite: Das Spiel nimmt den Titel so ernst, dass es für einfach zu einseitig ist. Vieles, was man tut, ist buchstäblich Klicken auf braune Quadrate, und nach ein, zwei Stunden meldet sich eher die Hand als das Belohnungszentrum im Hirn.

Immerhin ist das Spiel bewusst kurz gehalten: Je nach Gründlichkeit sind die meisten in drei bis fünf Stunden am „Boden der Dinge“ angekommen und haben die meisten Upgrades gesehen. Das reicht, um den Witz nicht völlig zu Tode zu reiten.

Humor, Atmosphäre und das „Mehr als nur Dreck“

A Game About Digging A Hole lebt stark von seinem trockenen und dreckigen Humor (sorry für das Wortspiel). Das Spiel warnt etwa, dass die Batterie explodiert, wenn sie leerläuft – in Wahrheit wird man nur freundlich zurück an den Gartenrand teleportiert, verliert das Erz und ein bisschen Lebensenergie. Die Nachbarschaft muss es lieben, wenn man in aller Seelenruhe Dynamit in den Vorgarten steckt, um einen besonders störrischen Fels zu entfernen.

Optisch ist alles bewusst minimalistisch gehalten: ein kleines Haus, eine Garage, ein Fleckchen Erde, darunter zunehmend dunklere, felsigere Schichten, später mit merkwürdigen Strukturen und Fundstücken, die andeuten, dass hier vielleicht nicht nur alte Münzen und Geröll vergraben sind. Übrigens: „da unten“ gibt es durchaus Geheimnisse und Überraschungen – von kuriosen Items bis zu merkwürdigen Relikten –, die den simplen Loop mit einem Hauch Mysterium würzen.

Gerade dieser Kontrast – völlig banaler Alltag oben, leichte Weirdness unten – sorgt dafür, dass man doch noch einen Trip nach „ganz unten“ machen will, selbst wenn der vierte Akku-Run eigentlich genug gewesen wäre.

Fazit: Ein Loch mit Charakter

A Game About Digging A Hole ist im besten Sinne ein One-Joke-Game – aber es spielt diesen Witz mit genug Feingefühl, dass er über seine kurze Dauer trägt. Wer beim Trailer schmunzelt und denkt „eigentlich hätte ich Lust, einfach ein Loch zu graben“, bekommt exakt das: einen reduzierten, überraschend befriedigenden Aufrüst-Loop, eine handvoll Upgrades inklusive Jetpack und Dynamit, dazu ein paar Geheimnisse im Keller der eigenen Gartengeschichte.

Wer dagegen erzählerische Tiefe, komplexe Systeme oder langfristige Motivation erwartet, wird nach dem dritten Akku-Lauf eher gähnen als lachen. Für ein, zwei Abende als entspannte, leicht absurde Grabungs-Therapie funktioniert dieses kleine Indie-Projekt aber hervorragend – und zeigt auf charmante Weise, dass man für ein unterhaltsames Spiel manchmal wirklich nur eine Schaufel, einen Garten und die Frage „Wie tief geht das hier noch?“ braucht.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: store.steampowered.com/app/3244220/A_Game_About_Digging_A_Hole/