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A Plague Tale: Innocence

Kennt ihr das Entwicklerstudio Asobo? Nein? Das wird sich bald ändern. Denn was die Programmierer hier abliefern, ist ganz große Erzählkunst.

In erster Linie geht es in „A Plague Tale: Innocence“ lediglich um die fiktive Geschichte zweier entfremdeter Geschwister. Der Rest des Spiels ist nur Beiwerk – wozu auch die Spielmechaniken zählen, mit denen ihr euch beschäftigen werdet.

Das will ich mal als kleine „Warnung“ vorausschicken, bevor sich hier jemand über die allzu leichten und durchsichtigen Rätsel beschwert. Alles dient dazu, die beiden Hauptakteure ins rechte Licht zu rücken und ihre Geschichte auf sehr emotionale Weise zu erzählen.

Verseuchte Verhältnisse

Wir schreiben die Mitte des 14. Jahrhunderts: In weiten Teilen Europas hat der schwarze Tod die Kontrolle über die Bevölkerung genommen. Ganze Dörfer wurden durch die Pest ausgerottet und übrig geblieben sind nur noch leere Häuser und jede Menge Ratten. Die Nager spielen übrigens auch in Asobos Werk eine prominente Rolle.

Und dann wäre da natürlich noch die Inquisition, die Jagd auf Gegner der Kirche macht und Schuldige für den schwarzen Tod sucht. Inmitten dieser hoffnungslos erscheinenden Entwicklung wachsen Amicia und Hugo auf. Amicia, die ältere der beiden Geschwister, ist ein lebhaftes Mädchen, das mit ihrem betuchten Vater gerne auf die Jagd geht.

Mit der Schleuder ist sie schon fast Experte im Erlegen von Tieren und dem Treffen von Gegenständen. Ihren Bruder Hugo bekommt sie fast nie zu Gesicht, weil dieser an einer mysteriösen Krankheit leidet und von der Mutter in einem stillen Kämmerlein großgezogen wird.

Die Idylle des wohlhabenden Familienlebens wird durch einen Besuch von Rittern der Inquisition getrübt: Schnell bricht das Chaos aus, Amicia und Hugo flüchten, ihre Eltern bleiben zurück – mehr wird über die Geschichte an dieser Stelle nicht erzählt, da sie das Kernelement von „A Plague Tale: Innocence“ ist.

Packend von Anfang an

Das Entwicklerteam von Asobo versteht es, Spannung zu schaffen und meine Neugierde zu wecken. Ich will unbedingt wissen, wie die Odyssee der beiden Geschwister endet. In einer tödlichen Umgebung finden die beiden Stück für Stück zusammen und wachsen an ihren Aufgaben.

Grundsätzlich handelt es sich bei „A Plague Tale: Innocence“ um ein Schleich-Spiel mit gelegentlichen Action-Einlagen. Die meiste Zeit müssen die beiden Geschwister jedoch schauen, wie sie an Wachen vorbeikommen oder sich Wege freischaufeln.

Im späteren Verlauf kommen dann noch die Schwärme an Ratten hinzu, die übrigens furchtbar gut animiert sind. Die Nager-Massen verzehren alles, was ihnen im Weg ist – sofern man nicht zufällig eine Lichtquelle mit sich führt.

Daraus ergeben sich dann auch die meisten Rätsel von „A Plague Tale: Innocence“. Diese sind inhaltlich nie sonderlich anspruchsvoll, erhöhen aber leicht die Spannung – wenn man mal nicht wieder durch eine Unachtsamkeit ins Gras beißt. Wie gesagt: Der eigentliche Fokus liegt auf der Story und nicht auf dem Gameplay.

Zwischen Tod und Neuanfang

Hin und wieder muss sich Amicia mit ihrer Schleuder nicht nur Rätseln, sondern auch offen ihren Verfolgern stellen. In solchen Situationen geht es um Leben und Tod. Besonders bei den kleinen Bosskämpfen steht Geschick und etwas Beobachtungsgabe im Vordergrund. „A Plague Tale: Innocence“ wäre zwar auch wunderbar ohne solche Herausforderungen ausgekommen, aber der Abwechslung tun sie gut.

Persönlich haben mich nur das Trefferfeedback und die ständigen Wiederholungen nach dem Scheitern genervt. Grafisch spielt „A Plague Tale: Innocence“ übrigens ganz oben mit: Was die Asobo hier aus dem Hut zaubert, ist beeindruckend. Die Rattenmassen wuseln, die Gebäude bröckeln und die Außenareale laden zum Entdecken ein.

Es kommt mir fast so vor als würde jedes Gebäude oder Szene seine eigene Geschichte erzählen. Selten wird dem Spieler der Story-Verlauf platt ins Gesicht gedrückt, sondern auf natürliche Art erzählt. Ein kleines Beispiel ohne Spoiler: Amicia und Hugo landen bei einer alten Dame, die ihnen neue Kleider anbietet. Sie erzählt nebenher, dass diese ihren Enkeln gehörten. Mehr muss sie nicht sagen, um zu wissen, was mit den Enkeln geschehen ist. Solche Momente sind ganz hohe Erzählkunst.

Fazit

Wie gesagt: Spielerisch solltet ihr von „A Plague Tale: Innocence“ nicht allzu viel erwarten. Kleine, schnell durchschaute Rätsel paaren sich mit Schleich- und kurzen Kampfeinlagen. Der eigentliche Star ist die fiktive Geschichte der beiden Geschwister, die sich nachvollziehbar entwickeln. Ich hatte meinen Spaß während der zwölf Kapitel und warte schon gespannt auf das nächste Werk des Studios Asobo. Von denen wird man in Zukunft sicherlich noch mehr hören. Hut ab!

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: aplaguetale.com