Vor drei Jahren staunte ich nicht schlecht, als ich A Plague Tale: Innocence testen durfte. Das im 14 Jahrhunderte angesiedelte Abenteuer überzeugte mich durch seine dichte Atmosphäre und die teils unverschämt gute Grafik. Nun haben sich die Mitarbeitenden bei den Asobo Studios an eine Fortsetzung gewagt. Ob sie die Messlatte höher legen konnten?
Auf keinen Fall verpassen!
Wer Teil 1 noch nie gespielt hat, sollte das vielleicht nachholen. Aber keine Sorge: Ihr könnt A Pla-gue Tale: Requiem auch so genießen, da ihr zu Beginn einen kleinen Rückblick bekommt. Ihr befindet euch immer noch im Frankreich des 14. Jahrhunderts. Ich versuche hier nichts zu spoilern. Erneut schlüpft ihr in die Haut von Amicia de Rune, die im ersten Teil mit ihrem Bruder Hugo durch die Lande zog – auf der Flucht vor mörderischen Soldaten und der Pest. Letztere zeigt ihre böse Fratze in Form von gigantischen Rattenschwärmen, die euch immer wieder verfolgten oder den Weg abschnitten.
Insbesondere diese Rattenschwärme blieben mir bestens im Gedächtnis, da sie eine Menge Unbehagen bei mir auslösten. Nur mit Flammen konnte ich diese wabernde Masse hier und da trennen, um hindurch zu schlüpfen. Die Asobo Studios schafften es damals bis zu 5.000 Nager gleich-zeitig mit ihrer Grafikengine darzustellen. In A Plague Tale: Requiem haben sie an dieser Zahl erheblich geschraubt: Nun sollen bis zu 300.000 Ratten gleichzeitig simuliert werden – eine unglaubliche Zahl. Und was soll ich sagen: Diese Rattenschwärme rauben mir immer wieder den Atem – im Guten, wie im Schlechten. Auf der einen Seite sehen sich unendlich mächtig und gewaltig aus – grafisch eine Wucht. Auf der andere Seite handelt es sich hier um eine tödliche Masse aus tausend kleiner, spitzen Zähne.
Ein Traum für die Augen
Aber kommen wir zu den hübscheren Seiten: Denn neben den Rattenschwärmen hat A Plague Tale: Requiem auch sonst jede Menge Augenzucker zu bieten. Wenn Amicia durch die Provence streift, verbreitet sich Fernweh – wäre das nicht die scheußliche Pest, von der viele Einwohner:innen befallen sind. Aber eins muss ich sagen: A Plague Tale: Requiem sieht unverschämt gut aus. Selbst nach den rund 20 Stunden Story konnte ich mich kaum sattsehen an dieser Farbenpracht. Ein dickes Lob an dieser Stelle.
Das sollte ich vielleicht noch erwähnen: A Plague Tale: Requiem richtet sich ausschließlich an Solo-Player. Bei mir rennt das Spiel damit offene Türen ein. Gerne lasse ich mich in die fantastische und teil beängstigende Geschichte entführen, schaue mir schick gescribtete Cutscenes an oder folge den relativ linearen Pfaden der einzelnen Kapitel.
Mehr Möglichkeiten für mehr Abwechslung
Auf dem Weg durch die Geschichte zeigten die Asobo Studios, dass sie aus dem Vorgänger gelernt haben. Denn die Bandbreite an Abwechslung ist deutlich zu spüren. Mit Amicia und ihrem Bruder Hugo schleicht ihr zwar immer noch den Großteil des Spiels durch die Gegend. Aber die beiden wissen sich zu wehren. Das wird oftmals recht blutig, was aber im Kontext immer wieder erklärt und relativiert wird. Das macht die Story sogar glaubwürdiger als es sich jetzt auf dem Papier anhören mag.
Die Areale sind nun auch großräumiger, was spielerisch mehr Freiheiten gewährt. Wie ihr an ein bestimmtes Ziel kommt, ist nun teilweise euch überlassen. Wählt ihr den direkten Weg mit möglichen Konfrontationen oder schleicht ihr euch geschickt an sämtlichen Feinden vorbei. Amicias Schleuder ist natürlich wieder mit von der Partie. Außerdem hat Hugo interessante Tricks gelernt. So kann er beispielsweise an einigen Stellen die Seuchenratten kontrollieren. Es ist schon ein mächtiges Gefühl, wenn ihr mit einer Welle Ratten über Gegner herfallt – mehr verrate ich euch aber an dieser Stelle nicht.
Das Ende?
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Die Asobo Studios haben bereits angekündigt, dass A Plague Tale: Requiem der vorerst letzte Teil der Reihe sein wird. Man richte die Konzentration derzeit auf andere Projekte – ich bin gespannt. Aber wenn A Plague Tale: Requiem den Erfolg bekommt, den es verdient hat, würden die Entwickler:innen sicher noch einmal mit sich reden lassen, was eine Fortsetzung angeht.
Fazit
Traumhaft schön und schauerlich echt: A Plague Tale: Requiem ist ein kleines Meisterwerk, das jeder spielen sollte, der auf spannende Geschichten steht. Die Detailverliebtheit der Entwickler:innen ließ mich immer wieder staunend zurück. Grafisch ist das hier ganz großes Kino mit einem hohen Unterhaltungswert. Vielleicht haben wir hier ja auch ein neues Naughty Dog – den Namen Asobo Studios solltet ihr euch jedenfalls gut merken.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS, Switch
Website: focus-entmt.com/en/games/a-plague-tale-requiem