Absolum ist so ein Spiel, bei dem ihr sofort wisst, ob ihr zur Zielgruppe gehört: Seitlich scrollende Prügelei im Stil von Streets of Rage oder Dragon’s Crown, dazu ein Roguelite-Rahmen mit Runs, Meta-Progression und einem Hauch Hades in der Struktur. Wenn euch bei dieser Kombination eher die Augen leuchten als rollen, steht die Chance gut, dass ihr hier einen neuen „Nur noch ein Run“-Kandidaten findet. So ging es mir jedenfalls.
Beat 'em up mit Tiefgang
Das Herzstück ist ganz klar das Kampfsystem – und das ist stark. Ihr wählt eine der Außenseiter-Held:innen von Talamh, zum Beispiel Galandra mit ihrem riesigen Schwert oder den Froschmagier Brome, und prügelt euch durch 2D-Arenen, die eher wie eine stilisierte Fantasy-Comicseite aussehen als wie typische Pixel-Gassen.
Absolum fühlt sich weniger nach stumpfem Button-Mashing an und mehr wie ein Hybrid aus Brawler und Fighting Game: Normale Kombos, Launchers, Air Juggles, situative Konter und sogar „Counterhits“, wenn ihr Gegner in ihrer Recovery erwischt. Wer ein bisschen Zeit investiert, kann Gegner in die Luft jonglieren, mit Spezialangriffen nachsetzen und dann einen Zauber hinterherschicken, der alles stilvoll abrundet. Das macht gerade im Koop Spaß, wenn ihr Angriffe miteinander verketten könnt – sowohl lokal als auch online.
Das Kampffeedback ist knackig: Treffer sitzen satt, Gegner reagieren glaubwürdig, und die Mischung aus Nahkampfschlägen und Elementzaubern fühlt sich schnell sehr natürlich an. Wichtig ist, dass sich euer Erfolg primär nach Skill anfühlt: Selbst ohne große Upgrades könnt ihr mit gutem Timing und geschickter Positionierung erstaunlich weit kommen, was viele, die normalerweise bei „Roguelite“ gefrustet sind, positiv überrascht.
Durchdacht, aber Geschmackssache
Rund um dieses Kampfsystem wickelt Absolum seinen Run-Loop. Ihr arbeitet euch in jedem Versuch durch handgebaute Levels mit Abzweigungen, Geheimwegen und optionalen Bereichen, sammelt neue Zauber, Ausrüstungs-Upgrades und seltene Relikte, bevor ihr früher oder später an einem Boss scheitert – oder den Sun King tatsächlich zu Gesicht bekommt.
Spannend ist, dass die Levels nicht prozedural zusammengewürfelt sind, sondern bewusst komponiert wirken, nur mit variierenden Gegnergruppen, Events und Verzweigungen. Ein einäugiges Kaninchen im Hintergrund etwa markiert oft geheime Bereiche; wer neugierig ist, wird mit zusätzlicher Magie oder Items belohnt. Dieses Design sorgt dafür, dass Runs zwar vertraut, aber selten identisch sind – man lernt Wege und setzt sich gleichzeitig jedes Mal etwas andere Ziele.
Immer besser und besser
Zwischen den Runs schaltet ihr permanente Verbesserungen frei: neue Zauber im generellen Pool, stärkere Startwerte, zusätzliche Held:innen, alternative Routen. Diese Meta-Progression ist spürbar, aber nicht so dominant, dass sich frühe Stunden wie Grinden anfühlen müssten. Der volle Reiz entfaltet sich erst, wenn ihr ein paar Schlüssel-Upgrades habt – insgesamt trifft das Balancing aber einen guten Mittelweg.
Ob euch die Roguelite-Schicht gefällt, ist der Knackpunkt. Wenn ihr reine Arcade-Brawler liebt, bei denen ihr euch durch eine feste Kampagne kloppt, kann euch das Run-Format mit Rücksetzpunkten und Meta-Menü nach dem Tod nerven. Seid ihr hingegen offen für das „Noch eine Runde, diesmal probiere ich einen anderen Build“-Gefühl, dann unterstützt die Struktur das, was das Kampfsystem ohnehin gut kann: experimentieren.
Fantasy-Comic mit Wumms
Visuell ist Absolum ein Träumchen. Die Welt Talamh wirkt wie eine lebendige Fantasy-Comicserie: detaillierte Hintergründe, starke Silhouetten bei Gegnern, flüssige Animationen und Effekte, die klar lesbar bleiben, auch wenn der Bildschirm voll mit Gegnern, Zaubern und Partikeln ist. Die Helden sind klassische Archetypen mit Twist – der Froschzauberer, die nekromantische Schwertkämpferin u.a. – und bringen jeweils genug Eigenheiten mit, damit sich Runs mit verschiedenen Figuren tatsächlich anders anfühlen.
Musikalisch fährt das Spiel groß auf: Gitarren, schwere Drums und orchestrale Akzente tragen die Kämpfe, ohne euch zuzudröhnen, und im Zusammenspiel mit den Effekten entsteht dieses rare „Flow“-Gefühl, bei dem ihr irgendwann nur noch intuitiv reagiert und Angriffe im Takt der Musik setzt.
Die Welt selbst – Sun King Azra, Rebellion, Magie als unterdrückte Ressource – ist solide genug, um euch einen Rahmen zu geben, auch wenn das alles hier nicht wirklich neu ist. Aber ihr seid hier vor allem wegen der Action, nicht wegen epischer Storytwists.
Fazit: Brawler-Tipp mit Roguelite-Kante
Absolum ist eines der seltenen Spiele, bei denen sich Beat ’em up und Roguelite nicht gegenseitig im Weg stehen, sondern sich sinnvoll ergänzen. Das Kampfsystem allein wäre schon ein starkes Gerüst für einen klassischen Prügler; die Run-Struktur mit handgebauten Levels, Abzweigungen und Meta-Progression macht daraus ein Spiel, in das ihr euch für viele Abende verbissen reinknien könnt, wenn euch das Genre liegt.
Nicht alles ist für alle: Wer Roguelites grundsätzlich nichts abgewinnen kann, wird auch hier irgendwann an den „Zurück zum Start, neu probieren“-Momenten hängen bleiben. Wenn ihr aber ein Faible für Brawler habt, gerne Builds austestet und euch von einem Spiel fordern lasst, ohne dass es unfair wirkt, ist Absolum eine klare Empfehlung – stilvoll, spielmechanisch durchdacht und mit genug Eigenheiten, um mehr zu sein als nur ein weiterer Retro-Tribut. Ich liebe den Titel und kann ihn euch wärmstens empfehlen.
Erhältlich für: PS, PC, Switch
Webseite: playabsolum.com