Bereit für den wahren Horror im Ersten Weltkrieg? Ad Infinitum, das neueste Horrorspiel des Developer Studios Hekate und Nacon als Publisher, nutzt eine Handlungszeit, die bereits dem früher in diesem Jahr veröffentlichten „Amnesia: The Bunker“ als Kulisse diente: die Schützengräben des Ersten Weltkrieges.
Eine gut erzählte Geschichte
Horrorspiele können auf mehrere Arten gut sein. Sie können visuell ansprechen und dadurch ihren Angstfaktor erhalten. Oder sie können auf Jumpscares setzen, was nicht viel Erklärung braucht und auch etwas faul ist, da es nach einiger Zeit sehr repetitiv wird. Die besten Horrorspiele sind jedoch die, die eine gute Geschichte erzählen und diese auch stark vermitteln können. Beispiele dafür sind Spiele wie Silent Hill 2 oder die älteren Resident-Evil-Teile, welche trotz Grafiken, die nach heutigem Standard nicht großartig sind, immer noch zu den beliebtesten und best bewertetsten Spielen des Horrorgenres gehören.
Ad Infinitum hat einige gute Aspekte, jedoch nur einen großartigen. Dieser ist die Story, die sehr gut vermittelt wird und durch optionale Expositionen, welche in der Welt verteilt sind, weiter vertieft, was jedoch rein dem Spieler überlassen wird.
Ohne die Story zu sehr zu spoilern, wird hier nur auf die groben Themen des Spiels eingegangen. Die Story handelt von einem Soldaten, der im Ersten Weltkrieg stirbt und daraufhin seine persönliche, scheinbar endlose Hölle durchlebt. Diese scheinbare Endlosigkeit ist auch der Grund für den Namen des Spiels: Ad Infinitum bedeutet wörtlich übersetzt „zur Unendlichkeit“. Übersetzt man es freier, ist die Bedeutung eher als Beschreibung von etwas Endlosem zu verstehen. In dieser endlosen Hölle wird er mit den Problemen seiner Familie konfrontiert, aber auch mit dem Trauma, welches er als Soldat des Ersten Weltkrieges erlitt.
Ein Spiel wie ein langer Gang
Das Gameplay von Ad Infinitum hat einige berechtigte Kritikpunkte, die das gesamte Spielerlebnis ein wenig runterziehen! Eine dieser Kritiken ist, dass das Spiel sehr linear ist und wenig Freiraum für erneutes Durchspielen lässt. Es ist zu erwarten, dass ein Spiel, welches auf seine Story setzt, ein wenig linear sein wird, da es die Story in der richtigen Reihenfolge und direkt erzählen will. Aber in diesem Fall kommt das Spiel wie ein langer Gang mit Hindernissen herüber, was das Erlebnis etwas monoton erscheinen lassen kann.
Eine weitere Kritik und eines der genannten Hindernisse ist die sehr häufige Nutzung der fast identischen Art von Hindernissen. Diese sind immer nach dem gleichen Muster aufgebaut: Gegner, die auf Ton reagieren, und Hindernisse, die Ton machen. Nachdem man in den ersten zwei Stunden dieses Model durch häufige Exposition gut kennt, wird es danach nur störend und man sieht es für etwas, was es ist: Eine Streckung des Spieles.
Natürlich gibt es auch Lobenswertes, vor allem in Bezug auf das Gameplay! So sind das Spiel und die Steuerung sehr intuitiv und die Stimmung wird das Spiel über gut erhalten – dem thematisch gewählten Soundtrack sei Dank. Auch die Einteilung des Spieles in die verschiedenen Kapitel ist dem Studio bestens gelungen.
Einige einfache Puzzle
Wie viele andere Horrorspiele hat auch Ad Infinitum Puzzles, die man lösen muss, um die Hauptstory weiterzuführen. Diese sind nicht sehr schwer und verlangen meist nur, dass der Spieler einige Objekte sammelt, die aufgrund des linearen Aufbaus des Spieles ebenfalls nicht sehr schwer zu finden sind.
Potenzial mit Mangel an Feinschliff
Ein weiterer Aspekt des Spieles sind die Grafiken und das Menü, welche beide gute Ansätze zeigen, jedoch ein wenig Feinschliff verdienen. Das Hauptmenü des Spieles ist übersichtlich aufgebaut und hat die Einstellungen und Optionen, die ein Spiel haben sollte. Zwei Dinge fehlen jedoch, die das Spiel verbessern würden. Das sind eine Kapitel-Auswahl und eine Option, die Schwierigkeit zu ändern. Diese Optionen würden dem Spiel eine neue Dimension geben, da sie zu einem die Option zum erneuten Spielen eröffnen, auf einer höheren Schwierigkeit, als auch das erneute Spielen der Lieblingsabschnitte des Spieles, was bisher ein erneutes Durchspielen bis zum gewünschten Zeitpunkt erfordert.
Zu den Grafiken gibt es viel Positives zu sagen, da das Spiel, welches auf Unreal Engine 5 basiert, auch auf niedrigeren Einstellungen gut aussieht und auch eine gute Performance bringt. Die Anzahl an Bugs war minimal und selten bemerkbar, außer man schaut nach Fehlern. Diese guten Grafiken sind auch ein Teil der Gründe, warum das Spiel ein Mindestalter von 18 Jahren hat, da es einige Momente mit gut gerenderter Gewalt und deren Folgen gibt.
An der Optik ist noch zu erwähnen, dass nicht alle Animationen ganz flüssig verlaufen und manchmal ein wenig abgehackt erscheinen. Aber bei dem geringen Budget ist das leicht zu verschmerzen. Also kommen wir zum Abschluss.
Fazit
Ad Infinitum bietet einen Interessanten Ansatz für ein Horrorspiel mit Setting im Ersten Weltkrieg, da es die Themen wie Traumata der Soldaten, Klaustrophobie und familiäre Probleme in ein Spiel einbettet. Diese werden zwar nur primär oberflächlich beleuchtet, doch eine viel tiefere Einsicht würde dem Spiel in dieser Form nicht helfen, um den Aufwand zu rechtfertigen. Wie gesagt ist das Gameplay alles in allem ein Kritikpunkt, da es einige Macken aufweist. Dies wird jedoch durch die sehr gute Geschichte und deren Erzählart ausbalanciert. Alles in allem fällt das Spiel dem Wunsch nach langer Spielzeit zum Opfer, da die gleichen sich wiederholenden Hindernisse, unnötig langen Märsche und fast zu einfache Puzzles, die Spielzeit strecken, ohne Spielfülle zu haben. Trotz aller Probleme ist Ad Infinitum ein sehr angenehmer Titel, der sich durch eine hervorragende Story, düstere Grafiken und einen guten Soundtrack auszeichnet.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: ad-infinitum-game.de