Die Erde ist so ein schöner Ort: Hirsche am Bachufer, Hasen hoppeln durchs Gras, Elefanten nahen herbei und Wale schwimmen durch den Himmel - Moment mal! Der Einstieg in After Us stellt Piccolo Studio als idealisierte Version der Natur dar, die bestens ohne Menschen auskommt. Inmitten des Geschehens steckt Gaia. Doch dieser Friede währt nicht lange.
Verpuffte Träume
Denn schon bald lösen sich die Tiere in Luft auf. Alles scheint zu verschwinden. Gaia und die Mutter Arche verlieren ihre Kraft. Nur Gaia kann den Lebensfunken wieder zurück in diese trostlose Welt bringen. Dazu muss sie die Seelengefäße der Tiere finden. Und diese sind in der zerstörten Welt der Menschen bzw. Verschlinger versteckt.
After Us hält uns auf künstlerische Weise den Spiegel vor: Gaia wird in die trostlose Welt der Menschen geschickt, um wieder Leben zu erschaffen. Die Menschheit ist längst ausgelöscht und lediglich ihre Zerstörung ist geblieben. So schickt euch After Us in zerstörte Städte, Wälder, Meere oder Himmelsreiche - alles in einer sehr abstrakten Darstellung. Das mal zur Story und zur Vorgeschichte. Kommen wir zum eigentlichen Spiel.
Weniger Action, mehr Gemütlichkeit
Ich hatte eine leicht falsche Vorstellung vor meiner ersten Session bei After Us. Ja, es handelt sich um ein Jump&Run im dreidimensionalen Raum. Aber nein, es wird nicht sonderlich actionreich. After Us schlägt hier einen gemütlichen Pfad ein und fokussiert sich aufs Entdecken und Erkunden. Wenn ihr das im Hinterkopf behaltet, seid ihr gut aufgestellt für die anstehende Reise.
Von der friedvollen Welt Gaias landet ihr in einer dystopischen Version einer Stadt. Dunkles Licht und abstrakte Formen sowie Schrott und Schutt warten hier auf uns. In den ersten Minuten erlernt ihr die grundlegenden Manöver, über die Gaia verfügt. So könnt ihr einen Doppelsprung machen, sprinten, in der Luft ausweichen und Licht ins Dunkel bringen.
Damit meine ich, dass Gaia ihr Energie-Herz dazu nutzt, um dieser Welt Leben zu schenken. Lädt sie ihr Herz auf, kann sie es explodieren lassen und erschafft in einer Kugel um sich herum das blühende Leben in Form grasgrüner Wiese und Blümchen – eine charmante Idee samt Darstellung.
Gierig, aber auch schön
Wenn wir schon bei Darstellung sind: After Us sieht sehr hübsch aus – auch in den bedrohlichen Momenten. Immerhin frisst das Spiel auch satte 30 GB auf meiner Festplatte. Ein kleines Detail hat mir aber besonders gut gefallen: Wenn Gaia durch die Gegend stapft, erblühen bei jeder Berührung unter ihren Füßen ein bisschen Gras und Blumen auf. So hinterlässt sie einen grünen Streifen Leben auf ihrem Weg durch die Ödnis. Aber kommen wir wieder zu Spiel selbst.
Ihr müsst in den einzelnen Levels immer einen Weg finden, um weiterzukommen. Dabei solltet ihr eure Fähigkeiten nutzen und ein wenig Geschick am Controller beweisen. Unterwegs kann Gaia aber noch einige Seelen von Tieren entdecken. Hat sie diese mit ihrem Herz eingesammelt, erscheinen jene Tiere im Level an jeder Ecke. Durch Singen kann sie sie begrüßen oder sie sogar streicheln. Das bringt spielerisch nichts, atmosphärisch jedoch schon. Man füllt die Gebiete dadurch kontinuierlich mit Lebewesen, die allerdings nur als eine Art Illusion dargestellt werden.
Die dunkle Seite des Lebens
Aber Gaia muss aufpassen: Überall wartet das Dunkel, das sie verzehren möchte. Einige Gegner kann sie mit ihrer Herz-Explosion vernichten oder zumindest zeitweise aufhalten. Etwas nervig können die Gegner aber schon werden, wenn zu viele auf einmal kommen. Denn die Aufladung braucht immer eine Weile. So müsst ihr öfters ungewollt weglaufen oder ihr sterbt. Zum Glück ist After Us aber sehr gnädig, wenn ihr mal ins Gras beißt. Die Speicherpunkte sind sehr dicht aneinander. Frust entsteht dabei so gut wie nie.
Das kann ich wiederum nicht über die Kamera und manche Bewegungen von Gaia sagen. Oftmals sorgte die Kamera dafür, dass ich bei Sprüngen im Abgrund landete. Das lag an der Entfernung der Kamera, aber auch am Sprungverhalten von Gaia. Ihre Gleit-Funktion ist eher ein kurzes Schweben in der Luft als ein wirkliches Gleiten. Dadurch schwebte ich ein paar Sekunden über dem Abgrund, bevor ich in ihn stürzte. Ja, man gewöhnt sich nach einer Weile daran, aber wirklich nett fand ich das nicht.
Erkundungsmantra
Spielerisch kehrt bei After Us leider etwas schnell Routine bzw Monotonie ein. Immer wieder sucht ihr Seelen und den richtigen Weg. Das ist auf der einen Seite sehr beruhigend, aber eben auch manchmal langweilig. Auch wenn ihr in bereits besuchte Areale immer wieder zurückkehren könnt, lohnt sich das meist nie - außer ihr wollt wirklich jedes Secret finden. Dafür trägt After Us durch seine musikalische Untermalung oder seine Präsentation immer wieder zur Beruhigung nach einem harten Tag bei.
Fazit
After Us ist ein gemütlicher Plattformer in melancholischem Endzeit-Gewand und ruhiger Erkundungsmechanik. Wer Lust auf ein 3D-Jump&Run hat, bei dem es weniger um Action, sondern mehr ums Entdecken geht, der ist hier goldrichtig. Damit bietet euch After Us ein entspanntes Erlebnis, das nebenher aufzeigt, was wir Menschen mit unserem Lebensstil anrichten.
Erhältlich für: PS5, Xbox, PC
Website: store.privatedivision.com/de/game/after-us