Erst kürzlich habe ich mir mit meiner Frau die neueste Verfilmung von Agatha Christies Mord im Orient Express angeschaut. Auch fast 90 Jahre nach dem Erscheinen des Original-Romans hat das Werk kaum an Spannung und Unterhaltung verloren. Mit diesem Spielchen wärmt Microids den Klassiker aber nicht bloß wieder auf, sondern verleiht ihm neue Zutaten, so dass auch Kenner der Geschichte überrascht sein dürfen.
Ab in die Zukunft
Anstatt in den 1930er-Jahren an Bord des Orient Express auf die Reise zu gehen, katapultiert uns Agatha Christie – Mord im Orient Express direkt in die Moderne, in den Dezember 2023. Ihr begleitet den fiktiven Meisterdetektiv Hercule Poirot von Istanbul nach Paris – so zumindest lautet der Fahrplan des Zuges. Natürlich kommt es ganz anders. Denn unterwegs lernt ihr einen Mann kennen, der unbedingt euren Schutz als Kriminologe möchte. Da dieser aber äußerst aufdringlich und nicht sonderlich sympathisch wirkt, lehnt Poirot dankend ab. Blöd nur, dass eben dieser Mann am nächsten Morgen tot aufgefunden wird. Und da der Zug sowieso gerade nicht weiterkommt, weil Geröll die Gleise blockiert, nimmt Poirot die Ermittlungen selbst auf.
In dem Third-Person-Adventure besteht eure Aufgabe nun darin, den Mord aufzuklären. Aber ihr seid damit nicht alleine. Denn anders als in der Romanvorlage, hilft euch eine junge Ermittlerin bei dem Fall. Joanna Locke ist dabei aber mindestens genauso mysteriös wie alle anderen Passagiere, auf die ihr trefft. Warum Madame Locke überhaupt an Bord des Orient Express ist, erfahrt ihr mit der Zeit. Hier hat sich Microids einen netten Kniff überlegt: In Rückblenden erlebt ihr die Geschichte von Joanna Locke und wechselt so auch immer wieder mal das Setting. Sehr nett.
Schnüffeln bis zum Schluss
Als Hercule Poirot geht ihr aber nun dem nach, was ihr am besten könnt: Leute befragen und Rückschlüsse aus ihren Aussagen machen. Dazu inspiziert ihr Tatorte und vermerkt jedes Indiz und jede gezogene Schlussfolgerung in eurem Notizbuch. Nerviges Detail an dieser Stelle: Selbst wenn ihr an einem Ort bereits wisst, was sich hier abgespielt hat, lässt euch das Spiel erst weg, wenn ihr wirklich alle Hinweise gefunden habt. Sicher ist sicher dachten wohl die Entwickler:innen.
Apropos Rätsel: Abseits der Geschichte müsst ihr immer wieder allerlei Rätsel lösen, die mit dem eigentlichen Fall nichts zu tun haben. So repariert ihr Maschinen, sucht nach Gegenständen oder beschäftigt euch sonst irgendwie in Mini-Spielchen. Ich weiß genau, warum die Entwickler:innen diese Ablenkungen eingebaut haben. Dennoch wirken sie leicht fehl am Platz. Hinzu kommt, dass der Schwierigkeitsgrad stark schwankt. Mal erledigt ihr Aufgaben mit links, um dann fast an der nächsten Herausforderung zu scheitern. Ein klein wenig mehr Balance wäre nicht schlecht gewesen.
Technik mit kleinen Schwächen
Grafisch schwankt Agatha Christie – Mord im Orient Express auch etwas. Insgesamt sieht das Spiel sehr gut aus. Einige Details könnten allerdings eine kleine Politur vertragen. Insbesondere die Animationen sehen teilweise sehr holprig und unmenschlich aus. Das fällt dann sehr stark auf, wenn ihr mit anderen Passagieren im Gespräch seid. Ich kann das jedoch leicht verkraften. Denn sonst passt die Atmosphäre für mich. Kommen wir also zum Schluss.
Fazit
Microids hat es geschafft, dem alten Klassiker neues Leben einzuhauchen. Agatha Christie – Mord im Orient Express verfrachtet die berühmte Story in die Gegenwart und ergänzt sie um spannende Aspekte, wie neue Wendungen und eine zusätzliche Ermittlerin an der Seite von Hercule Poirot. Selbst Kenner der Geschichte werden da überrascht sein. Spielerisch habt ihr es mit einem soliden, über rund zwölf Stunden unterhaltsam Third-Person-Abenteuer zu tun. Bis auf den Schwierigkeitsgrad und die teils holprigen Animationen kann ich nichts Negatives über das Spiel sagen. Ein schöner Krimi zum Nachspielen, für alle, die auf ein paar gemütliche Abende Lust haben.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS, Switch
Website: microids.com/game-agatha-christie-murder-on-the-orient-express