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Age Of Wonders: Planetfall

Ein Ausflug in fremde Welten, der Taktiker zu Freudensprüngen animieren wird.

Eigentlich zeichnete sich die „Age of Wonders“-Reihe immer durch seine Fantasy-Welten aus, in denen sich mittelalterliche Sagenfiguren wie Drachen, Orks und Ritter tummelten. Und eigentlich wäre dieses „Age of Wonder“ Teil 4 der Reihe und nicht etwa „Planetfall“. Eigentlich. Ich wollte es nur gesagt haben. Doch im neusten Teil der Reihe weht ein frischer Wind, der ein paar Regeln der Serie auflockert. Ich finde es jedenfalls ziemlich gut.

Bunte Genre-Mischung

Anzusiedeln ist „Age of Wonders: Planetfall” im taktischen 4X-Genre, also dort, wo sich auch Genre-Kollegen wie „Civilization“ eingenistet haben. Allerdings mischt „Age of Wonders: Planetfall” noch ein paar Zutaten eines „X-COM“ dem Spielgeschehen bei, was das strategische Vergnügen zu etwas Besonderem macht. Aber dazu später mehr.

Die Geschichte, um die sich hier alles dreht, brauche ich erst gar nicht zu erwähnen, da sie lediglich ein schmückendes, wenig spannendes Beiwerk darstellt. Was ihr jedoch wissen solltet: Ihr habt diesmal die Wahl zwischen sechs Alienvölker, die sich allesamt sehr individuell spielen.

Im Kampagnen-Modus schickt ihr eine der Rassen durch insgesamt 14 Missionen. Persönlich kann ich das nur empfehlen, weil euch die Kampagne sachte in alle Spielmechaniken einführt. Wer danach noch nicht genug hat, steigt ins freie Spiel ein. Also über mangelnde Inhalte braucht sich hier niemand zu beschweren.

Neu, aber vertraut

Grundsätzlich spielt sich „Age of Wonders: Planetfall” wie die alten Teile. Sprich: Ihr sucht euch ein Volk aus und führt dieses zum siegreichen Feldzug über die restlichen Völker. In meinem Fall habe ich mich für die Amazonen entschieden, weil sie nicht nur schlagkräftig erscheinen, sondern auch Dino-Einheiten haben – ich mag Dinos einfach.

Ihr habt aber auch die Wahl, euch für ein Insektenvolk zu entscheiden oder eine Art körperteil-sammelnde Cyborgs, die Reste der Gegner für ihre Einheiten verwursten. Kurz gesagt: Die verschiedenen Rassen sind den Entwicklern von Paradox ziemlich gut gelungen. Die Wahl fiel mir nicht leicht – daher werde ich wohl mehrere Anläufe machen müssen.

Auf der Übersichtskarte startet dann mein persönlicher Feldzug. Runde für Runde schiebe ich meine Einheiten über die Hexfelder, sammle Ressourcen ein, baue meinen Einfluss aus und schlage Feinde in die Flucht. Ganz so, wie es für das Genre eben typisch ist. Ehrlich gesagt haben mich die Optionen anfangs jedoch etwas erschlagen, aber mit der Zeit kommt man schnell ins Geschehen. Vom Spielfluss erinnert mich das Ganze plötzlich an „King’s Bounty“ oder „Heroes of Might & Magic“ – äußerst sympathisch.

Florierender Aufstieg

Der wirtschaftliche Teil sieht zu Beginn ebenfalls nach mehr aus als er eigentlich ist: Ihr habt dutzende Optionen, könnt eure Hauptbasis um einige Gebäude erweitern und diese auch noch mit Zusatzfunktionen upgraden. Klingt viel, ist es bei genauerer Betrachtung aber nicht. Denn eigentlich handelt es sich bei den meisten Fortschritten um verbesserte Versionen eurer bereits vorhandenen Gebäude.

Habt ihr das erkannt, wirkt alles nicht mehr ganz so riesig und aufgeblasen. Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit den unterschiedlichen Einheiten: Auf den ersten Blick sind diese wunderschön gestaltet, nehmen aber in jeder Fraktion ähnliche Funktionen ein. Daher spielen sich die sechs Völker gar nicht mal so unterschiedlich, wie anfangs vermutet – ganz im Gegenteil.

Als ich mir dann mal die Insekten-Rasse etwas näher angeschaut habe, entdeckte ich, dass einige Gebäude fast identisch sind. Kurzum: Der Schein trügt, was den Umfang angeht. Jedes Volk hat im Grunde nur eine herausragende Fähigkeit, die sie von den anderen unterscheidet. Spannend finde ich es, wenn Kämpfe mit anderen Parteien oder neutralen Monstern auf den Planeten anstehen.

Wahlweise kann ich die Schlachten automatisch auswürfeln lassen – wobei diese immer sehr fair berechnet wurden – oder ich übernehme selbst die Kontrolle. Dann wechselt das Geschehen in eine Art „X-COM-Light“-Modus. In rundenbasierten Kämpfen stehe ich meinem Kontrahenten gegenüber und ziehe meine Figuren Stück für Stück in die Schlacht. Dabei hat jede Einheit drei Aktionspunkte für Bewegung, Angriff und Spezialattacke – kennt man auch aus anderen Spielen, passt sich jedoch bei „Planetfall“ wunderbar ins Geschehen ein.

Duck dich!

Neu ist bei den Kämpfen die Tatsache, dass man nun auf dem Schlachtfeld Deckung suchen kann – zumindest ein wenig. Das einzige Problem ist dabei die Beschaffenheit der Hexfelder: Wie der Name schon sagt, bestehen diese aus sechs Seiten. Warum das ein Problem ist? Ganz einfach: Bei der Deckung ist man nur von einer Seite aus geschützt.

Spiele wie „X-COM“ decken damit eine von vier Seiten ab. Bei „Age of Wonders: Planetfall” hat man lediglich eine von sechs Seiten geschützt. Ihr merkt schon, worauf ich hinaus möchte. Dafür darf ich aber auch meine ganz dicken Brocken dazu nutzen, um mich in Deckung zu begeben. Wie gesagt: Spielerisch mal was Neues und ganz gut in den restlichen Spielablauf integriert.

Wer allerdings das Kämpfen etwas in den Hintergrund schieben möchte, kann es auch gerne mit Diplomatie versuchen. Doch damit habe ich nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht. Manche meiner verbündeten Parteien sind mir urplötzlich in den Rücken gefallen, nur um dann wieder mehrere Runden nichts zu machen.

Natürlich habe ich mir das nicht gefallen lassen und habe mich kontinuierlich in ihr Territorium vorgeschoben, bis es keinen Ausweg mehr für sie gab. Mag vielleicht auch daran liegen, dass man mit Amazonen eben nicht scherzt. Kommen wir zum Abschluss noch zur grafischen Darstellung: Je länger ich mich bei „Age of Wonders: Planetfall” auf den fremden Planeten aufhalte, desto mehr weiß ich die kleinen Details zu schätzen.

Die Alien-Fauna und -Flora zu beobachten ist ein Genuss. Zumal kann ich mit einem Blick erkennen, welche Ressource ich auf dem entsprechenden Feld vorfinden werde, was wirklich praktisch ist. An dieser Stelle an dickes Lob an die Entwickler von Paradox.

Fazit

Mit „Age of Wonders: Planetfall” geht die “Age-of-Wonders”-Reihe in eine leicht neue Richtung, die mir gut gefällt. Die sechs Rassen und die etlichen Möglichkeiten machen das Strategiespiel zu einem Zeitfresser, in den man sich leicht vertiefen kann. Besonders die grafische Präsentation und das angenehm fordernde Gameplay werden mich sicher noch einige Monate beschäftigen. Genre-Fans sollten zugreifen.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: aow-planetfall.com