Ich gebe ehrlich zu, dass ich anfangs sichtlich verwirrt war, als ich Alisa zum ersten Mal angespielt habe. Ist das hier ein altes Spiel, das die Top Hat Studios hier aus der Schublade gezogen haben? Oder ist es eine Indie Perle, die ein eigenes Ziel verfolgt. Nach kurzer Recherche kann ich sagen: Alisa Director's Cut ist eine Hommage an das goldene Zeitalter der Horror-Spiele. Seid ihr bereit für ein paar nostalgische Gefühle, die ihr vielleicht nie hattet?
Neu und doch alt
Zunächst einmal: Alisa Director's Cut ist tatsächlich ein neues Spiel. Allerdings will es die Ästhetik der ersten 3D-Horror-Spiele einfangen – was ihm hervorragend gelingt. Das mag allerdings nicht jedem schmecken. So viel als kleine Vorwarnung. Allerdings habt ihr hier die Chance, den Flair von früher aufzusaugen – mit allen positiven und negativen Aspekten, die die Spiele früher mitbrachten. Kommen wir aber zunächst zur Story.
Alisa Director's Cut wirft euch in die Rolle von Alisa, einer königlichen Agentin. Sie soll einen Verbrecher dingfest machen. Schnell laufen die Ermittlungen etwas anders als gedacht. Denn nach einer heißen Spur wacht Alisa plötzlich in einer viktorianischen Villa auf, ohne Erinnerung, wie sie dort hingekommen ist. Zusätzlich trägt sie nun Kleidung, die stark an Alice im Wunderland erinnert. Und wunderlich wird es nun allemal.
Ich hasse Puppen!
Die Villa hat ein Eigenleben entwickelt: Überall laufen zum Leben erweckte Puppen in allen möglichen Größen und Formen durch die Gegend. Und natürlich wollen sie euch töten. Es ist an euch, die Geheimnisse aufzudecken, die euch hierher führten.
Spannend dabei ist, das ich trotz der schnuddeligen Grafik schnell gepackt werde – keine Ahnung, ob es mit der Nostalgie zusammenhängt. Optisch ist Alisa Director's Cut jedenfalls manchmal schwer zu ertragen. Auch an die Steuerung und die Kamera muss man sich gewöhnen. Die Kameraperspektive ist nämlich fest vorgegeben und nicht dynamisch. Das kenne ich noch von früher. Die Steuerung, liebevoll Panzer-Steuerung genannt, verdient ebenfalls das Prädikat gewöhnungsbedürftig. Hier dürft ihr aber auch auf eine moderne Steuerung umschalten. Aber ich empfehle euch, die Panzer-Variante auszuprobieren.
Ganz wie früher
Ein ebenfalls altes Laster ist die Menüführung bzw das Inventar. Hier müsst ihr euch teilweise mühselig durchklicken. Aber ja, so war das früher teilweise. Von der Atmosphäre her erinnert mich Alisa Director's Cut immer wieder an Alone in the Dark oder den ersten Teil von Resident Evil. Auch was die Action angeht. Denn sehr oft sollt ihr euch mit einer Knarre wehren. Das Zielen ist dabei etwas, nun ja, gewöhnungsbedürftig. Aber auch das klappt nach einer Weile.
Mich persönlich haben zwei Dinge nach einer Weile gestört: Die Art, wie Alisa über den Boden schwegt (schweben samt gehen), macht mich wahnsinnig. Und dann wären da noch die kleineren Gegner, die über den Boden krabbeln. Warum müssen die nur so schnell sein? Das macht einen irre.
Glasklares Stimmen-Problem
Zusätzlich gibt es noch eine merkwürdige Design-Entscheidung, die zwar gut gemacht ist, aber dennoch wie eine Fremdkörper wirkt. Die Rede ist von der Vertonung der Dialoge. Die Stimmen sind viel zu klar und professionell vertont. Dieses moderne Element passt nicht so recht zum Rest. Dabei klingt die Frau des Entwicklers, die Alisa spricht, wirklich gut. Nur hätte man etwas Rauschen beimischen können, um die Authentizität zu unterstreichen. Aber das ist nur eine persönliche Meinung.
Fazit
Alisa Director's Cut ist aus der Zeit gefallen. Das Spiel bietet klassischen Horror in modernem Gewand. Wenn ihr euch darauf einlasst, kann euch das Spiel schnell packen – zumal der Spuk eh nach fünf bis sechs Stunden vorbei ist. Doch als Hommage auf die goldene Ära der ersten 3D-Horror-Spiele kann ich Alisa Director's Cut durchaus empfehlen. Interessant, dass einen solche Spiele eher packen als neue AAAA-Titel. Gut gemacht, Top Hat Studios.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: tophat.studio/games_alisa.html