Ich weiß nicht genau, ob die USK damals schon irgendeinen Einfluss auf meine Eltern hatte oder ob der Umgang mit Medien ein anderer war. Jedenfalls war ich im Jahr 1992 noch im zarten Teenager-Alter und bei Weitem nicht bereit für gruselige Spiele. Meinen deutlich älteren Cousin hat dies aber nicht davon abgehalten, seinem jungen Besucher ein modernes Computerspiel zu zeigen. Meine erste Begegnung mit Alone in the Dark war ein prägendes Erlebnis für mich. Nun, etwa 30 Jahre später, kehre ich zurück nach Decento. Kommt mit auf eine besondere Reise.
Das Erste seiner Art
Damals legte Alone in the Dark den Grundstein für ein ganzes Genre. Noch vor Resident Evil oder Silent Hill war hier der Survival Horror geboren. Mit Privat-Ernittler Edward Carnby solltet ihr in einer abgelegenen Villa im amerikanischen Hinterland einem Geheimnis auf die Spur kommen. Wahlweise konntet ihr auch mit seiner Auftraggeberin spielen, was allerdings keinen Unterschied in der Story ausmachte. Gruselig und faszinierend war es für damalige Verhältnisse allemal.
Die Animationen, die starren und interessanten Kameraperspektiven samt der Rätsel und genialen Atmosphäre. Verwunderlich, dass heutzutage kaum jemand dieses Spielchen von damals kennt. Aber genug mit der Zeitreise. Blicken wir auf das Hier und Jetzt.
Damals zeichnete sich Infogrames für das Spiel verantwortlich. Heute übernimmt THQ Nordic die Rolle des Publishers. Für die Umsetzung sorgte derweil das Studio Pieces Interactive. Und ich muss gleich zu Beginn sagen: Es ist genau die Fortsetzung, auf die ich seit über 30 Jahren gewartet habe. Wobei das Wort „Fortsetzung“ hier falsch verstanden werden kann.
Denn Alone in the Dark ist keine Fortsetzung. Es spielt am gleichen Ort und auch mit gleichen oder ähnlichen Charakteren. Ist es also ein Remaster? Nein, auch nicht. Ebenso wenig ist es ein Remake, da es eine eigene Story erzählt. Vielmehr könnte man von einer Hommage an das Original sprechen. Und das macht diesen Titel zu einem echten Juwel.
So viel schöne Nostalgie
Ihr braucht rein gar nichts über das Original zu wissen, um Alone in the Dark spielen zu können. Solltet ihr dennoch das Original kennen, werdet ihr viele Anspielungen und Easter Eggs entdecken. Darunter die Intro-Sequenz oder die Möglichkeit, dass ihr als Skin die Texturen von 1992 auswählen dürft. Gerade für Spieler wie mich bietet das einen wunderschönen Fan-Service mit einer extra Portion Nostalgie. Danke an das Entwicklungsteam.
Um was geht es? Ohne zu spoilern, gebe ich euch eine minimale Einführung. Privat-Ermittler Edward Carnby wird von Emily gebeten, ihren Onkel zu finden. Dieser scheint wahnsinnig geworden zu sein. Also machen sich die beiden ins sumpfige Hinterland auf, um ihn in seiner Villa zu besuchen. Dort angekommen, passieren mysteriöse Dinge. Immer wieder vermischen sich Realität und Wahnvorstellung. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht.
Tolle Balance
Was Alone in the Dark aber sehr gut hinbekommt, ist der Spagat zwischen Story, Rätsel, Erkundung und Action. Was ich dem Spiel hoch anrechne: Über die gesamte Spielzeit von rund zehn Stunden hält Alone in the Dark die anfängliche Atmosphäre hoch, ohne dabei Abnutzungserscheinungen zu zeigen. Hut ab. Auch diese Länge finde ich enorm angenehm, da hier nicht künstlich gestreckt wird.
Wie bereits im Original werdet ihr zu Beginn vor die Wahl gestellt, welchen Charakter ihr spielen wollt. Carnby oder Emily? Anders als vor 30 Jahren macht die Wahl hier einen Unterschied: Schon sehr schnell trennen sich die Wege der beiden. Immer mal wieder treffen sie während der Story aufeinander. Wer den Titel also zweimal durchspielt, bekommt das gesamte Bild geliefert. Sehr spannend.
Einfach gruseln ohne Hindernisse
Die Geschichte selbst ist sehr linear. Ihr erkundet das Anwesen Stück für Stück und stoßt auf immer mehr Geheimnisse. Sehr lobenswert an dieser Stelle: Alone in the Dark zeigt euch auf der Karte, wo Rätsel sind und ob ihr sie mit eurer aktuellen Ausrüstung schon lösen könnt. Das erspart viel Frust. Wer das nicht möchte, kann diese Hilfe aber abschalten. Ich fand es ein angenehmes Feature.
Wenn ihr mal nicht passende Schlüssel suchen und Rätsel lösen müsst, trefft ihr öfters auf dämonische Wesen. Mit euren Waffen im Anschlag könnt ihr die Viecher plattmachen. Allerdings zeigt sich hier eine Schwäche des Titels: Das Zielen fühlt sich manchmal hackelig an. Zum Glück habt ihr es nie mit mehr als einem Fiesling zu tun. Spannend sind die Begegnungen immer.
Der Ton macht die Musik
Ein anderes Highlight sind die Cut-Scenes, in denen ich gerne den Geschehen folge. Die Synchronisation ist den Macher:innen hervorragend gelungen. Mit viel Liebe zum Detail hauchen sie den virtuellen Figuren Leben ein. Großartig!
Alone in the Dark ist keineswegs perfekt. Technisch gibt es hier und da ein paar Mängel wie holzige Animationen, kleine Clipping-Fehler oder die störrische Kamera. Aber das lässt sich angesichts des Rests sehr gut ertragen. Es kommt damit nie an die Qualität eines Resident Evil 4 ran, aber ist nicht weit weg davon - und das soll was heißen. Kommen wir also zum …
Fazit
Alone in the Dark hebt das fast vergessene Urgestein aus dem Schlummerschlaf. Ohne viel Pommpomm zaubern THQ Nordic und Pieces Interactive ein wunderbares und höchst atmosphärisches Grusel-Abenteuer aus der Schublade. Genau so eine Hommage hat das Original aus dem Jahr 1992 verdient. Vielleicht ist es ja der Auftakt zu neuem Glanz einer Reihe, die sich etwas verlaufen hatte in den letzten Jahren. Das Potenzial ist da. Also gebt diesem Titel eine Chance, wenn ihr auf das Genre steht. Ich würde es Alone in the Dark redlich wünschen, dass sich hier ein neuer Stern am Zocker-Firmament auftut.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: aloneinthedark.thqnordic.com