Das kleine Studio Punch Punk Games aus Polen hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Sie wollen den Spielern ein klassisches Adventure bieten, das sich von anderen Genre-Vertretern deutlich abhebt. Willkommen in der apokalyptischen Welt von Harry. Das Leid über den Protagonisten fällt mit dem Untergang eines Sternes über ihn herein: Nachdem seine Freundin Zula die Sternschnuppe entdeckt hat, macht sie sich auf die Suche nach ihr – und verlässt Harry dafür. Als wäre das nicht schockierend genug, macht Harry die Erfahrung, dass seine Freundin von nun an zu einer gesuchten Hexe ernannt wurde, die Unheil und Verderben über die Dörfer bringt, die sie durchwandert. Alles Themen, die hervorragend zum Setting des im Mittelalter angesiedelten Titels gesellen. Doch es sind nicht nur die düsteren Themen, die das Spiel auszeichnen, sondern an erster Stelle die Optik. Laut Entwickler orientieren die Grafik an Holzschnitten aus dem 15. und 16. Jahrhundert von Holbein, Wolgemut und Albrecht Dürer. Das macht schon einiges daher, muss ich sagen – auch wenn sich die Animationen in Grenzen halten.
Simpel, aber fordernd
Inhaltlich beschreitet das Spiel den Fad eines vereinfachten Adventures, das sich von Szene zu Szene hangelt. Euer Inventar wird also nie sonderlich voll werden, da ihr immer nur mit den vorhandenen Materialien hantieren werdet. In jedem Level befindet ihr euch auf einem dieser Holzschnitte, die manchmal in mehrere Abschnitte unterteilt sind. Dort gilt es zunächst einmal herauszufinden, mit welchen Objekten ihr interagieren könnt. Anschließend ist euer Verstand gefragt: Welche Dinge könnte man miteinander kombinieren? Was gibt Aufschluss über den zu knackenden Code? Warum liegt da Stroh? Ach nein, das war was anderes … Die meisten dieser Rätsel sind nicht sonderlich schwer zu lösen, verlangen aber dennoch oft genug eure Kombinationsgabe gepaart mit etwas Aufmerksamkeit beim Studieren der Szenerie. Zur kleinen Erfrischung sind dann ab und an Geschick gefragt, wenn es darum geht Kanonenkugeln auszuweichen oder einen Kraken zu erledigen. Zum Glück waren diese Stellen aber eher die Seltenheit der fast 30 Abschnitte, die ihr in rund vier oder fünf Stunden hinter euch gebracht haben solltet.
Mystische Klänge
Zwischen fast jedem Abschnitt spinnt ein Erzähler die Story weiter – während der Levels wird übrigens nie gesprochen. Als Erzähler haben sich die polnischen Entwickler die raue Stimme von Adam Darski an Bord geholt. Einigen Metal-Fans sollte er als Nergal besser bekannt sein: Seine Band „Behemoth“ liefert übrigens dann auch den entsprechenden Soundtrack ab, der euch fast vier Stunden lang begleiten wird. Aber im Gegensatz zu den üblichen Tönen wird hier viel auf „sanfte“ orchestrale Musik gesetzt. Auch wenn ich die Band vorher nicht kannte, hat mir das Ergebnis ganz gut gefallen.
Fazit
Das Ende – keine Sorge, ich werde hier nichts spoilern – ließ mich jedoch etwas ernüchternd zurück, weil die Art und Weise, wie ihr darauf Einfluss nehmen könnt, etwas merkwürdig, wenn nicht sogar unverschämt ist. Doch im Großen und Ganzen hat mich das Adventure durch seine schlichte, aber dennoch fordernde Spielmechanik und die einmalige Optik vollkommen überzeugen können. Das Werk von Punch Punk Games mag zwar noch den ein oder anderen Feinschliff vertragen, kann sich insgesamt aber sehen und hören lassen. Für einen kleinen Adventure-Leckerbissen zwischendurch gebe ich hier meine Empfehlung raus.
Erhältlich für: PC
Website: punch-punk.com