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Aragami: Shadow Edition

Schleich Dich!

Was gibt es menschlicheres als ein Rachegefühl?! Das dachte sich wohl auch diese junge Dame im asiatischen Mittelalter, die kurzerhand einen Rachegeist beschworen hat: Dieser „Aragami“ soll sich nun um ihre Peiniger kümmern und zudem noch die Unschuldigen befreien – in echter Ninja-Manier. Das Resultat: Die Entwickler von Lince Works haben mit ihrem Titel ein lupenreines Schleichspiel kreiert.

Sei ein Schatten!

Denn Aragami ist kein übernatürlich starker Ninja, der es mit dutzenden Gegnern aufnehmen könnte. Um ehrlich zu sein: Im direkten Kampf stinkt der geisterhafte Killer ziemlich böse ab. Viel besser bewegt ihr euch im Schatten und schaltet die Feinde verdeckt aus. Oder noch besser: Ihr schaltet sie gar nicht aus und schleicht euch ans Levelende, ohne dass jemand gemerkt hat, dass ihr überhaupt da wart. Genau darin liegt die hohe Kunst dieses faszinierenden Spielchens.

Damit dies auch flüssig über die Bühne geht, hat Aragami einige Tricks auf Lager: So kann er sich von einem Schatten zum nächsten in Windeseile teleportieren. Dafür braucht er lediglich etwas magische Energie, die sich im Dunkeln immer wieder automatisch auflädt. Cooles Detail: Die Entwickler bei Lince Works haben komplett auf Bildschirmanzeigen verzichtet.

Alles, was ihr wissen müsst, seht ihr anhand des Umhangs, den Aragami trägt. Die Farbe zeigt an, ob ihr euch komplett im Dunkeln befindet oder wieviel Energie euch zur Verfügung steht. Sehr clever gelöst. Dadurch könnt ihr euch gleich viel besser darauf konzentrieren, was wichtig ist – nämlich das Geschehen um euch herum.

Auf leisen Sohlen

Bei Aragami bringt allzu schnelles und übereiltes Vorgehen meist nichts: Das Spiel belohnt euch sogar, wenn ihr mit Bedacht und Vorsicht handelt. Beispielsweise habe ich zu Beginn immer wieder versucht alle Wachen auszuschalten, indem ich mich von hinten angeschlichen und sie getötet habe. Nur allzu oft bin ich dabei von einem anderen Gegner entdeckt worden, der mir mit einem Hieb den Garaus gemacht hat. Danach hieß es: Erneut vom Checkpoint starten – und der lag ein ganzes Stückchen weit zurück …

Was viel besser funktionierte: Mich durch die Levels zu schleichen und selbst zum Schatten zu werden. Getötet habe ich dann nur, wenn es unbedingt sein musste. So fühlt sich wohl ein echter Ninja – hervorragend! Damit der eigene Spielstil noch besser funktioniert, sammelt Aragami Erfahrungspunkte und versteckte Schriftrollen in den Levels, mit denen er neue Fähigkeiten erlernen kann.

Dadurch darf er beispielsweise Feinde später auf Entfernung töten, Fallen legen oder für kurze Zeit Schatten entstehen lassen, mit deren Hilfe er sich blitzschnell von A nach B teleportieren darf. Je mehr ich auf die Fähigkeiten der heimlichen Fortbewegung zurückgreife, desto mehr fasziniert mich das Spiel. Bis auf die paar Bosskämpfe kann das Spiel sogar beendet werden, ohne dass ihr auch nur einen Feind tötet – was ich aber nicht geschafft habe. Doch die Herausforderung hat mich gereizt.

Intensive Erfahrung

Nüchtern betrachtet müsst ihr im Verlauf der Kampagne zwar immer wieder das gleiche tun – bis auf einige Ausnahmen mit den Lichtschranken, die ihr ausschalten müsst. Aber wirklich gestört hat mich das Ganze nie – zumal ihr stets weitere Fähigkeiten im Verlauf der Kampagne erhaltet. Wollt ihr dennoch mehr Abwechslung, dann ladet einen Freund auf gemeinsame Schleichzüge ein: Im Team geht die Unterhaltungskurve nochmals ein gutes Stück nach oben, was ich mir kaum vorstellen konnte.

Aragami ist bereits seit fast zwei Jahren für die PS4 und den PC zu haben, mit der „Shadow Edition“ feiert der coole Ninja aber nun auch sein Debüt auf der Xbox One. Diese Sammlung beinhaltet übrigens noch die Nightmare-Kapitel, die euch zusätzlich Arbeit verschaffen (diesmal in der Rolle einer Dame) und eine neue Geschichte erzählen. Insgesamt schätze ich mal, dass ihr damit nochmals fünf bis sechs Stunden verbringen könnt.

Grafisch hat mich der Comic-Look ebenfalls direkt angesprochen, da die Animationen sitzen und der Wechsel von Licht und Schatten harmonisch eingefangen wurde. Gleiches gilt übrigens für die Steuerung, die schnell ins Blut übergeht und mich schon bald waghalsige Manöver perfekt ausführen lässt.

Fazit

Als Fan von Schleichspielen hat mich Aragami direkt im Griff gehabt, aber auch Freunde von mir, die dem Genre eigentlich abgeneigt sind, konnten sich an dem hervorragenden Gameplay erfreuen. In seiner Ruhe liegt die Kraft: Zu keinem Zeitpunkt fühlte ich mich beim Spielen gehetzt oder gestresst und ertappte mich manchmal dabei, wie ich sogar beim nächtlichen Spaziergang mit meinem Hund draußen (in der echten Welt) nach geeigneten Verstecken Ausschau hielt.

Obwohl Aragami mehrere Varianten zum Lösen der Missionen anbietet, empfehle ich die schleichende Art: Habt ihr die Bewegungsabläufe und Tricks des wendigen Ninjas einmal verinnerlicht, erwartet euch ein unterhaltsamer Trip durch ein bemerkenswertes Schattendasein, das mit einem Kumpel an euerer Seite noch intensiver wird. Gut gemacht, Lince Works!

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: aragami-game.com