Lange wollte ich einen Extraction Shooter ausprobieren, aber Titel wie Tarkov oder Hunt: Showdown wirkten immer wie ein fortgeschrittenes Survival-Seminar mit „Waffenexpertenschein“. Zudem bedeutete jede Runde ein Zeitinvestment wie ein kleines Fernstudium. Das konnte ich nebenher einfach nicht leisten - auch wenn diese Titel echt tolle Wertungen haben.
Als dann das Motto „ARC Raiders – der Extraction Shooter für Berufstätige“ durch die Gaming-Foren wehte, war mein Interesse geweckt. Was dann folgte, war tatsächlich eine der größten Überraschungen meines Multiplayer-Jahres.
Ein leichter Einstieg – ohne seichten Inhalt
ARC Raiders nimmt viele Hürden des Genres und macht das Erlebnis erstaunlich zugänglich: Die Menüs sind übersichtlich, das Lootsystem erklärt sich quasi selbst, und das Aufräumen im Inventar dauert keine Ewigkeiten.
Besonders lobenswert: Die Item-Tooltips sind hilfreich, das „Quick-Unload“-Feature nach jedem Run spart wertvolle Zeit. Statt stundenlangem Management kann man einfach spielen, looten, extrahieren – und direkt wieder loslegen. Dabei bleibt die spaßige Grundspannung von Extraction Shootern stets erhalten – nur die Komplexitäts-Kurve ist jetzt auch für Nicht-Vollzeit-Raidende angenehm.
Die Welt im Abgrund
Bevor ich weitermache mit dem Spielprinzip, komme ich schnell zur Story: In Arc Raiders wurde die Welt von feindlichen Robotern plattgemacht. Wieder einmal ist die Menschheit kurz vor dem Aussterben. Die restlichen Überlebenden haben sich in den Untergrund zurückgezogen. Dort startet ihr eure Läufe immer: denn ihr seid einer der todesmutigen Raiders, die sich an die Oberfläche trauen, um Ressourcen zu sammeln.
Die Story gewinnt jetzt keinen Oscar, ist aber sehr atmosphärisch dargestellt. Was mir aber richtig gut gefällt: das Setting vermischt italienisches Flair mit modernen Komponenten. Das hat seinen ganz eigenen Charme, der mich direkt überzeugt hat. So viel zum Hintergrund. Ab an die Oberfläche!
Dynamisch, spannend, freundlich – und unfassbar stylish
Das typische Spielprinzip eines Extraction Shooters bleibt: Ihr kommt mit bescheidener Ausrüstung auf die Karte, kämpft gegen KI-gesteuerte ARC-Roboter, sammelt wertvolle Beute und versucht, euch per Extraction samt Loot wieder heile herauszumogeln. Ihr habt es geschafft, wenn euch der gigantische Fahrstuhl mit nach unten nimmt.
Dabei bietet ARC Raiders knackige PvE-Gefechte, in denen vor allem die hervorstechende KI der ARC-Gegner beeindruckt. Besonders die Drohnen, die nach einem Treffer taumeln und versuchen, sich mit fauchenden Triebwerken wieder zu stabilisieren, sorgen für grandiose kleine Actionmomente – das sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch befriedigend an.
Maschinen wirken nicht wie Kanonenfutter, sondern wie echte Gegner mit kleineren Fehlern und steinigen Spontanreaktionen. Auch die riesigen Spinnenroboter sehen fantastisch aus und bewegen sich fast schon bemitleidenswert, wenn ihr sie zu oft trefft. Einfach toll!
Ein motivierendes System
Die Balance stimmt dabei: Hochwertige Waffen bieten Vorteile gegen Roboter, aber im PvP gibt es ein ausgeklügeltes „Fairness-System“ – Standard-Gear kann gegen Mitspieler:innen trotzdem mithalten. Es gibt schnell zugängliche Free-Loadouts und die besten Items lassen sich ohne ständiges Nachforschen, sondern einfach beim Spielen finden. Das macht aus den Raids keine Materialschlacht für Statistik-Fans, sondern flotte, planbare Sessions, die selbst an stressigen Abenden „mal eben“ Spaß machen.
Und was auch cool ist: Arc Raiders gibt euch immer wieder Rätsel, ohne euch mit der Nase darauf zu schubsen. Zum Beispiel entdeckt ihr auf einer der vier Karten eine verschlossene Tür. Wie sie sich öffnet, müsst ihr selbst herausfinden. Das hat mich unglaublich motiviert.
Bitte recht freundlich!
Dazu überrascht eine ausgesprochen freundliche Community: Anders als in manch toxischem Shooter fühlten sich Begegnungen mit anderen Raiders nicht gleich wie der ultimative Feindkontakt an – mehrere Runs ergaben tatsächlich kleine, fast schon kooperative Momente und überraschende Unterstützung, während jeder eigentlich seine eigene Beute retten wollte.
Das hätte ich tatsächlich nicht so erwartet. Ja, es gab aber auch Momente, an denen ich geflucht habe, weil ich am Fahrstuhl erschossen wurde. Hier lauerte ein blöder Troll, dem der Frust der anderen sichtlich Spaß gemacht hat. Aber wie gesagt: das war die absolute Ausnahme. Ich hoffe, dass das so bleibt.
Sci-Fi-Spektakel mit Suchtfaktor
Grafisch macht ARC Raiders einiges her – gerade zum Launch sieht das Spiel fantastisch aus, mit satten Beleuchtungseffekten und minimalistisch-modernen Interface-Elementen. Die Maps sind abwechslungsreich, die Drohnen und Roboter sind stimmungsvoll animiert, und die Effekte lassen große Gefechte wie Blockbuster wirken.
Akustisch sorgt eine dichte Geräuschkulisse für Dramatik: Jeder Schuss, jedes Sirren der ARC-Bots und das brodelnde Extraktions-Countdown erhöhen das Adrenalin. Aber es gibt auch die ruhigen Momente, in denen ihr gemütlich looten könnt. Eine schöne Mischung.
Fazit: Extraction Shooter für Busy Bees, Einsteiger und "Nur-mal-zwischendurch"
ARC Raiders schafft tatsächlich das Kunststück, einen Extraction Shooter für Einsteiger:innen und Zeitknappe zu bauen, ohne das Wesentliche aufzuweichen: Jede Session bringt Spannung, schöne Action- und Staun-Momente, überraschend faire Begegnungen und clevere Zugänglichkeit. Wer wie ich bisher vor dem Genre zurückschreckte, bekommt hier einen perfekten Einstieg – mit genug Tiefgang, um auch nach Wochen begeistert zu bleiben. Und das Gefühl, wenn eine Drohne nach einem Treffer taumelt und der nächste plötzliche Raider zur Abwechslung mal die Hand reicht, lässt einen nicht so schnell wieder los. Kurz gesagt: ARC Raiders hat bei mir den Funken gezündet – und die Extraktion aus dem stressigen Gamer-Alltag endlich möglich gemacht. Danke dafür!
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Webseite: arcraiders.com/en