Ein Neuanfang in feudalem Japan: Mit Assassin's Creed: Shadows wagt Ubisoft den lang ersehnten Schritt ins feudale Japan. Nach Jahren der Kontroversen und kreativer Stagnation setzt der Entwickler große Hoffnungen in diesen Titel. Doch kann das Spiel die hohen Erwartungen erfüllen und Ubisoft wieder auf Kurs bringen? Wir haben uns durch die Welt der Samurai und Shinobi gekämpft, um herauszufinden, ob Shadows tatsächlich der erhoffte Befreiungsschlag ist.
Die Vorgeschichte: Ubisoft's turbulente Jahre
Bevor wir uns dem Spiel selbst widmen, lohnt sich ein Blick auf die jüngere Geschichte von Ubisoft. Das Unternehmen sah sich in den letzten Jahren mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Hier mal ein paar der Tiefpunkte, die Unisoft zu schaffen machten:
2020: Vorwürfe sexueller Belästigung erschütterten das Unternehmen und führten zur Entlassung hochrangiger Mitarbeiter.
2021: Der NFT-Debakel mit Ghost Recon Breakpoint sorgte für massiven Gegenwind aus der Community.
Kreative Stagnation: Viele Spieler kritisierten die zunehmende Formelhaftigkeit der Ubisoft-Titel.
Diese Ereignisse führten zu einem spürbaren Vertrauensverlust bei Spielern und Investoren gleichermaßen. Die Ankündigung von Assassin's Creed: Shadows wurde daher mit einer Mischung aus Vorfreude und Skepsis aufgenommen.
Entwicklungstrouble und Verschiebung
Und es ging weiter: Die Entwicklung von Shadows verlief nicht ohne Hindernisse. Berichte über interne Konflikte bei Ubisoft Quebec und Bedenken bezüglich der historischen Genauigkeit führten zu einer mehrmonatigen Verschiebung des Spiels. Diese Verzögerung nährte Befürchtungen, dass Shadows die Probleme früherer Titel wiederholen könnte. Auch ich war skeptisch, wenn ich ehrlich bin. Aber schauen wir doch mal rein ins Spiel.
Eine Reise ins feudale Japan
Assassin's Creed: Shadows entführt Spieler in das feudale Japan des späten 16. Jahrhunderts, einer Zeit geprägt von Bürgerkriegen, politischen Intrigen und kultureller Blüte. Ubisoft hat sich mit diesem Setting einen lang gehegten Wunsch der Fans erfüllt und präsentiert eine Welt, die sowohl visuell als auch spielerisch beeindruckt.
Die Protagonisten: Yasuke und Naoe
Das Spiel bietet zwei spielbare Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Perspektiven:
Yasuke, ein afrikanischer Samurai im Dienste von Oda Nobunaga, bringt Stärke und Präzision in den Nahkampf. Seine Geschichte ist tief in die historischen Ereignisse eingebettet und bietet spannende Einblicke in die Samurai-Kultur.
Naoe, eine Shinobi, setzt auf Stealth, Geschwindigkeit und List. Ihre Missionen sind geprägt von Schatten, leisen Bewegungen und tödlichen Überraschungen.
Die Dualität dieser Figuren sorgt für Abwechslung im Gameplay und erlaubt es Spielern, unterschiedliche Spielstile auszuprobieren. Während Yasuke mit schweren Angriffen und Blockbrechern glänzt, schleicht Naoe durch feindliche Lager, nutzt ihre Shuriken oder versteckt sich in Schatten.
Gameplay: Rückkehr zu den Wurzeln
Ubisoft hat bei Shadows bewusst auf die Kritik an früheren Teilen gehört und viele klassische Elemente der Serie zurückgebracht, während neue Mechaniken eingeführt wurden:
Stealth-Fokus: Das Spiel legt großen Wert auf leises Vorgehen. Schatten spielen eine zentrale Rolle – bei Nacht oder in dunklen Innenräumen können Spieler nahezu unsichtbar agieren. Durch das Zerstören von Lichtquellen wie Laternen lassen sich neue Verstecke schaffen.
Eagle Vision & Observe: Naoe nutzt die klassische Eagle Vision, um Gegner durch Wände zu sehen und Geräusche zu orten. Ergänzt wird dies durch das neue „Observe“-Feature, mit dem Spieler Ziele markieren oder Umgebungsdetails analysieren können.
Parkour: Die Rückkehr des präzisen Parkour-Systems aus früheren Teilen ermöglicht flüssige Bewegungen über Dächer, Mauern und Bäume.
Die Kämpfe sind ebenfalls dynamisch und belohnen taktisches Vorgehen. Neben leichten und schweren Angriffen gibt es „Posture-Angriffe“, die Wachen aus der Deckung brechen können. Perfekte Ausweichmanöver eröffnen zudem Gelegenheiten für verheerende Konterangriffe.
Alles in allem macht das hier einen ziemlich guten Eindruck. Nachdem ich die letzten Teile zwar gerne gespielt hatte, wuchs nun erneut die Begeisterung in mir.
Eine lebendige Welt
Die offene Welt von Shadows ist ein Highlight des Spiels. Von schneebedeckten Bergen bis hin zu geschäftigen Dörfern bietet jede Region einzigartige Herausforderungen und Sehenswürdigkeiten. Das dynamische Wetter- und Jahreszeitensystem beeinflusst nicht nur die Atmosphäre, sondern auch das Gameplay – Schneestürme erschweren die Sicht, während Regen Geräusche dämpft und Stealth erleichtert.
Besonders beeindruckend ist die Detailverliebtheit: Schreine am Wegesrand laden zum Erkunden ein, NPCs reagieren authentisch auf die Umgebung, und traditionelle japanische Architektur wurde mit viel Sorgfalt nachgebildet. Manchmal möchte man einfach stehenbleiben und staunen.
Große Grafik-Muskeln
Optisch setzt Shadows neue Maßstäbe für die Serie. Die Beleuchtung ist atemberaubend – besonders in HDR –, während Ray-Tracing-Effekte auf leistungsstarken Konsolen wie der PS5 Pro für realistische Reflexionen sorgen. Der „Ausgeglichene Modus“ (40 FPS) bietet eine ideale Balance zwischen Grafikqualität und flüssigem Gameplay.
Dennoch gibt es kleinere technische Schwächen: Einige Spieler berichten von gelegentlichen Framedrops im Performance-Modus sowie einem Sound-Bug, der jedoch mit einem Patch behoben werden kann. Persönlich ist mir aber nichts davon aufgefallen.
Kritikpunkte
Trotz vieler Stärken bleibt Shadows nicht frei von Schwächen. Daher liste ich hier mal drei meiner persönlichen Punkte auf:
1. Die Missionen wiederholen sich im späteren Verlauf etwas stark. Hier hatte ich leichte Ermüdungserscheinungen.
2. Die Steuerung beim Parkour erfordert hohe Präzision; kleinere Ungenauigkeiten können frustrierend sein. Das ist mir dann in der Hektik doch ein paar Mal passiert.
3. Der Wechsel zwischen Yasuke und Naoe fühlt sich manchmal unausgewogen an – besonders Yasukes Kämpfe wirken im Vergleich zu Naoes Stealth-Missionen weniger innovativ.
Aber das ist Meckern auf hohem Niveau – und zeigt, dass Ubisoft wieder einiges richtig gemacht hat.
Fazit: Ubisoft findet zurück zur Form
Mit Assassin's Creed: Shadows gelingt Ubisoft ein beeindruckendes Comeback. Das Spiel kombiniert klassische Elemente der Serie mit frischen Ideen und einem faszinierenden Setting. Die Dualität der Protagonisten sowie die Rückbesinnung auf Stealth machen es zu einem der stärksten Teile der Reihe seit Jahren.
Trotz kleinerer Schwächen zeigt Ubisoft mit Shadows, dass sie aus vergangenen Fehlern gelernt haben. Es ist nicht nur ein Liebesbrief an Fans der Serie, sondern auch ein Beweis dafür, dass das Studio noch immer in der Lage ist, hochwertige Spiele abzuliefern. Für Fans von Assassin's Creed und Liebhaber des feudalen Japans ist Shadows ein Muss – ein Spiel, das alte Stärken neu definiert! Wie gut das Spiel allerdings im Vergleich zu Yokei abschneiden wird, steht auf einem anderen Blatt. Wir warten mal gespannt ab.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Webseite: ubisoft.com/en-gb/game/assassins-creed/shadows