Als ich die ersten Bilder zu Atlas Fallen gesehen habe, war ich begeistert und skeptisch zur gleichen Zeit. Denn das Werk von Deck13 und Focus Interactive sieht spannend aus und spricht mich als Fan von actionreichen Abenteuern direkt an. Aber rein an der Optik ist es natürlich schwer zu entscheiden, wie sich das Ganze am Ende spielt. Also schauen wir uns das mal genauer an.
Göttlicher Zusammenhalt
Atlas Fallen entführt uns in ein Fantasy-Reich, das seit Jahrhunderten von einem Gott beherrscht wird. Dieser Gott heißt Thelos und ist ziemlich streng, wenn es um Gehorsam geht – so scheint es jedenfalls. Als Namenloser wollen wir allerdings aus der Knechschaft entkommen und rufen zur Rebellion auf. Denn auf der Erde wird Thelos von herrschsüchtigen Menschen vertreten, die in seinem Namen handeln. Das alles riecht schwer nach Sklaverei und Unterdrückung.
Atlas Fallen beginnt mit einer Art Traum-Sequenz, in der es recht actionreich zur Sache geht. Aus der Third-Person-Ansicht hüpfen, laufen und kämpfen wir uns über schwebende Plattformen. Unsere Gegner: Sogenannte Phantome, die wie eine Art bullige Löwen wirken. Mit zwei verschiedenen Nahkampfwaffen heizen wir den Feinden ein, weichen aus und kontern geschickt. Das Prinzip fühlt sich schon mal an, als könnte es Laune machen. Kurze Zeit später finden wir uns aber in der Haut eines Sklaven oder Sklavin wieder. Alles nur ein Traum oder was? Das finden wir bald heraus.
Gefährlicher Start
Die ersten Schritte führen uns durch ein Lager, das umringt ist von gefährlichen Phantomen. Ein Sandsturm verhindert das Weiterkommen und die Stimmung bei den Soldaten könnte kaum schlechter sein. Als "Freiwilliger" werden wir auserwählt einen Auftrag für den Anführer der Soldaten auszuführen. Wir sollen uns auf die Suche nach einem Dieb außerhalb des Lagers machen – das Abenteuer beginnt.
Alleine hätten wir gegen ein Phantom keinerlei Chance. Doch durch einen Zufall – oder ist es Schicksal – finden wir einen magischen Handschuh. Dieser birgt die Kraft, gegen die Phantom zu bestehen. Ab hier nimmer Atlas Fallen richtig Fahrt auf. Zu Beginn sind wir mit dem Handschuh noch etwas eingeschränkt in unseren Funktionen. Doch der Geist, der ihm innewohnt, hilft uns bei unserer Aufgabe. Gemeinsam wollen wir gegen Thelos antreten.
Viel zu entdecken
Bereits nach der ersten Stunde einlässt euch Atlas Fallen in eine offene Welt, in der ihr euch größtenteils frei bewegen dürft – und diese Bewegung fühlt sich einfach gut an. Ihr surft auf dem Wüstensand, macht gewaltige Doppelsprünge und gleitet dabei noch durch die Luft. Allein deswegen mag ich das Gameplay bereits. Es macht schlichtweg Spaß hier durch die Gegend zu flitzen. Und mit der Zeit erlernt ihr weitere coole Moves.
Zudem haben die Entwickler die Welt von Atlas Fallen mit etlichen Secrets verfeinert. Überall könnt ihr geheime Schätze entdecken, was mich immer wieder ermutigt hat, mal abseits der Hauptquest die Gegend zu durchsuchen. Wenn ihr dabei dann neue Fähigkeiten oder Ausrüstungsgegenstände findet, fühlt sich das sehr belohnend an. Der Fokus von Atlas Fallen liegt allerdings stark auf den Kämpfen mit den Phantomen - und auch hier macht das Spiel einen sehr guten Eindruck.
Butterweiches Gameplay
Stellt euch ein schickes Hack'n Slay wie Devil May Cry oder Bayonetta vor: Bei Atlas Fallen müsst ihr nicht nur austeilen, sondern auch gut reagieren. Denn die Kämpfe sind ganz schön fordernd, wenn ihr nicht auf eure Gegner achtet. Ihr habt stets zwei Waffen ausgerüstet, zwischen denen ihr fließend wechselt. Je öfters ihr eure Feinde trefft, desto mehr Macht sammelt ihr.
Diese Macht könnt ihr dann für Spezialangriffe einsetzen: Werft einen Hammer, beschwört Wirbelstürme oder gigantische Sensen, die eure Gegner zerteilen. Neben den Fähigkeiten dürft ihr auch Essenzen einsetzen, die euch passive Boni bescheren. Damit baut ihr schneller Macht auf, habt eine bessere Verteidigung oder könnt Kräfte manchmal ohne Kosten einsetzen. Mit dieser Kombination aus Fähigkeiten und Essenzen könnt ihr euren eigenen Spielstil unterstreichen.
Das Kontern oder Ausweichen spielt bei Atlas Fallen ebenfalls eine große Rolle. Blockt ihr zur richtigen Zeit, friert euer Gegner kurz ein. Dann habt ihr die Chance auf ein paar schmerzhafte Gegenangriffe. Ein System, das nicht leicht umzusetzen ist, sich aber so gut anfühlt, wenn ihr es gemeistert habt. Das Spiel gibt euch genügend Hinweise, wann ihr blocken oder ausweichen solltet. Es handelt sich hier nicht um ein Souls-Like, aber fordernd sind viele Kämpfe gegen dicke End- oder Zwischen-Bosse allemal. Und das Gefühl, wenn ihr gesiegt habt, macht das Spiel ebenfalls zu einem besonderen Erlebnis.
Ein Vergleich, der ehrt
In vielerlei Hinsicht erinnert mich Atlas Fallem an Darksiders, was ich geliebt habe. Sei es bei den Animationen, wenn ihr einen Schatz öffnet bis hin zu den Kämpfen und der Fortbewegungsweise. Seht das als dickes Kompliment für den Titel. Grafisch geht Atlas Fallen etwas andere Wege, auch wenn hier ein leichter Comic-Stil durchscheint. Mir persönlich gefällt dieser Stil äußerst gut.
Normalerweise rede ich in meinen Tests selten über die Synchronisation. Doch hier muss ich es einfach machen. Denn Atlas Fallen hat einige hervorragende Synchronsprecher mit an Bord. Euer Geist beispielsweise klingt wie Edward Norton und der reisende Händler hat Ben Stillers Stimme abbekommen. Alles fühlt sich dadurch noch hochwertiger an. Großartig.
Fazit
Atlas Fallen erfindet das Genre der Action-Abenteuer nicht neu, vermischt dafür bekannte Elemente zu einem rundum spaßigen Erlebnis. Als Fan von Darksiders, Zelda: Breath of the Wild oder Souls-lite-Spielen finde ich Atlas Fallen einen äußerst gelungenen Zeitvertreib. Die Story, das Gameplay und die Welt, in der die Geschichte spielt, ergeben ein sehr stimmiges Gesamtbild, das euch sehr schnell in seinen Bann ziehen kann. Für mich ist Atlas Fallen damit eine riesengroße Überraschung in diesem Jahr und wird bestimmt in den Top 5 meiner Highlights für 2023 landen.
Erhältlich für: Xbox, PC, PS
Website: focus-entmt.com/en/games/atlas-fallen