Ein Spiel, das sofort Eindruck macht: Neon, Pixelkunst, ein sarkastischer Schwert-Vogel und ein Soundtrack, der nach Synthwave und Nervenkrieg gleichzeitig klingt. Kann euch dieses Roguelite verzaubern?
Feder, Feuer, Fragmentierung
Die Grundidee klingt herrlich schräg und zugleich vielversprechend. Ihr spielt Hidalgo, einen letzten freien Bladewing, der mit seiner teils beleidigenden, teils hilfreichen Klinge durch die Welt von Judanest zieht, um seine korrumpierten Freunde zu retten und Omega Wing zu stoppen. Monster Theater setzt dabei auf ein farbiges Cyber-Neon-Setting mit handgezeichneter Pixeloptik, flotten Bewegungen, Waffenwechseln und einem spürbaren Arcade-Charme.
Gerade das macht Atomic Owl anfangs interessant. Das Spiel wirft euch nicht lange mit Ausrüstung oder Grundlagen zu, sondern vertraut euch sehr früh das komplette Arsenal an und erwartet, dass ihr selbst herausfindet, was wofür taugt. Das ist mutig, aber auch ein bisschen unhöflich, weil Atomic Owl genau in dem Moment, in dem es am coolsten wirkt, schon beginnt, seine eigene Komplexität eher zu behaupten als sauber zu erklären.
Das gute Huhn
Am überzeugendsten ist Atomic Owl dort, wo es schnell, direkt und beweglich wird. Hidalgo ist flott, reagiert präzise und kann mit Dashes, Sprüngen, Wandklettern und späteren Bewegungsoptionen angenehm dynamisch durch die Levels fliegen. Auch das Waffenarsenal hat Charme: Hammer, Klinge, Peitsche und andere Werkzeuge geben den Kämpfen zumindest auf dem Papier echte Flexibilität.
Das Kampfsystem selbst kann man durchaus loben, auch wenn es selten wirklich schwer wird. Genau das ist der Knackpunkt: Atomic Owl macht oft Spaß, aber eher, weil man sich agil und mächtig fühlt, nicht weil die Gegner oder Bosse euch zu tiefem Taktikdenken zwingen. Wenn das Spiel gut läuft, ist es ein flotter, cooler Action-Plattformer mit starkem Stil und schönen Eingaben.
Wenn Roguelite zu Roguelike wird
Deutlich kritischer wird es bei der Struktur. Die Roguelite-Elemente wirken eher aufgesetzt, weil Levels, Gegner und Bossabfolgen zu wenig variieren und Runs dadurch schnell repetitiv werden. Das klingt besonders enttäuschend, weil Atomic Owl eigentlich genau jene Überraschung braucht, die ein gutes Roguelite ausmacht.
Statt echter Variation gibt es oft Wiederholung mit hübscher Beleuchtung. Wenn ihr einmal gelernt habt, wie ein Abschnitt funktioniert, erlebt ihr ihn beim nächsten Anlauf oft sehr ähnlich — und genau das bremst den Sog ordentlich aus. Dass das Spiel später sogar einen No-Roguelite-Modus nachgeliefert bekam, spricht Bände: Es zeigt, dass die ursprüngliche Struktur offenbar nicht für alle die beste Lösung war.
Design mit Stolpersteinen
Auch die Bosskämpfe und das Leveldesign bekommen nicht überall Applaus von mir. Während einige Kämpfe gegen Ende spannender werden, sehe ich auf der anderen Seite vor allem glatte, wenig einprägsame Arenen, unspektakuläre Muster und gelegentliche Frustmomente durch unübersichtliche Kamera oder schwer lesbare Projektile. Besonders auffällig: Die große Optik hilft nicht immer, weil sie den Bildschirm teilweise eher überlädt als klar strukturiert.
Hinzu kommen technische Probleme, die den Gesamteindruck deutlich verschlechtern. Von Glitches über hängende Bosssequenzen bis zu Abstürzen auf dem Steam Deck ist die Liste der Macken lang genug, um das Spiel immer wieder aus dem Flow zu reißen. Genau da verliert Atomic Owl oft die Geduld seiner Spieler: nicht, weil es zu schwer wäre, sondern weil es sich selbst im Weg steht.
Klang, Humor und Herz
Trotzdem wäre es unfair, Atomic Owl nur auf seine Probleme zu reduzieren. Die Musik ist nämlich klasse: die Mischung aus Synthwave und JRPG-Anklängen sorgt für einen guten Puls, und das Spiel hat durchaus Humor, wenn auch eher über seine scharfzüngige Klinge und den leicht überdrehten Ton als über platte Gags. Auch die Idee, eine ernste Rettungsmission mit einem unverschämten Schwert und einem Haufen vogeliger Krieger zu verbinden, bleibt sympathisch schräg.
Fazit
Am Ende wirkt Atomic Owl deshalb wie ein Spiel mit echtem Charakter, aber zu vielen offenen Baustellen. Es ist hübsch, schnell und stellenweise richtig spaßig — aber auch repetitiv, teils technisch kratzig und spielerisch nicht immer so ausgefeilt, wie das starke Art Design hoffen lässt.
Wer nur durch die ersten Stunden gleitet, kann sich schnell in der neonfarbenen Vogelwelt verlieren; wer bis zum Ende dranbleibt, merkt eher, dass Atomic Owl zwar fliegen will, aber nicht immer sauber landet. Unterm Strich bleibt für mich ein charmantes, aber unfertiges Action-Roguelite mit Herz und Schnabel.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: eastasiasoft.com/games/Atomic-Owl