Unterhaltung Games

Attack On Titan 2

Blutiger Klingentanz in luftiger Höhe – und immer schön in Bewegung bleiben, um nicht gefressen zu werden.

Für mich kam der erste Teil von „Attack on Titan“ aus heiterem Himmel: Vor dem ersten Anspielen wusste ich nicht einmal, dass es dazu eine Anime-Serie, etliche Bücher und einen (oder mehrere) Kinofilm(e) gab. Doch je mehr ich mich mit dem Spiel beschäftigt habe, desto interessierter wurde ich auch an den anderen Werken. Solltet ihr euch in einer ähnlichen Situation befinden, wie ich es vor zwei Jahren war, müsst ihr euch keine Sorgen machen: Der zweite Teil der Reihe baut zwar leicht auf dem ersten Teil auf, erzählt euch aber brav im Vorspann, was bisher passiert ist beziehungsweise, was ihr wissen solltet. Viele Ereignisse überschneiden sich in den beiden Teilen. Wollt ihr grob erfahren, um was es geht, dann lest den nächsten Abschnitt. Wenn ihr euch komplett überraschen wollt, überspringt die kommenden Zeilen einfach.

Gefräßiges Pack

Im Zentrum der Handlung steht euer anfangs namen- und geschlechtsloser Held: Nachdem ihr diesem im Editor ein wenig gestaltet habt, geht die Reise los. Inmitten eines japanischen Fantasy-Reiches herrschte Jahrhunderte lang Frieden. Doch plötzlich tauchten aus dem Nichts riesige Titanen auf, die Menschen zu ihrer Leibspeise erkoren. Da diese Titanen anscheinend nicht getötet werden konnten, errichteten die Menschen drei große Mauern, um sich dahinter zu verschanzen und weiter ein sorgenfreies Leben zu genießen. Zudem entwickelten sie Apparate, mit deren Hilfe sich Soldaten schnell durch die Lüfte bewegen und durch den Einsatz von scharfen Klingen die Riesen ausgeschaltet konnten – sofern man ihnen den Kopf von den Schultern trennt.

Besagte Angriffe nennen die Menschen 3D-Manöver. Alles verlief bis dahin recht geplant – bis plötzlich ein gigantischer Titan auftauchte und die erste der drei Mauern zerstörte. Genau da setzt die Geschichte ein. Als neuer Rekrut in den Reihen der Soldaten erlernt ihr die Grundlagen über die Kampftechnik, die ihr fortan als 3D-Manöver bezeichnen werdet. Die Steuerung fühlt sich anfangs etwas ungewohnt an, wird aber nach ein paar Versuchen schnell ins Blut übergehen. Wenn ihr euch mit den Enterhaken durch die Städte und die Wälder bewegt, dann könnte selbst Spiderman neidisch werden – ein klasse Gefühl, das bereits in Teil eins hervorragend umgesetzt wurde.

Den Kampf gegen die riesigen Herausforderer lernt ihr ebenso schnell: Während eurer Luftakrobatik visiert ihr einen Körperteil eines Gegners an, drückt den Angriffsknopf, um mit Wucht darauf zuzuschnellen und drückt erneut, wenn ihr kurz vor dem Kontakt seid. Das braucht ebenfalls etwas Übung, ist aber später ziemlich befriedigend, wenn es problemlos funktioniert. Im Grunde ist das schon alles, was ihr als Kämpfer wissen müsst. Im ersten Teil lief es fast ganz genauso ab. Aber es gibt natürlich auch ein paar Neuerungen.

Innovationen? Klein, aber fein!

Während der Gefechte werden eure Waffen nach jedem Einsatz immer stumpfer. Auch der Treibstoff in eurer 3D-Manöver-Ausrüstung schwindet langsam dahin. Daher haben die Entwickler an manchen Stellen auf dem Schlachtfeld bestimmte Punkte eingerichtet, an denen ihr eine kleine Basis hinbeordern dürft. Dort erhaltet ihr Nachschub an Klingen und Treibstoff – nette Idee, die ein wenig Abwechslung ins Geschehen bringt. Außerdem kämpft ihr fast nie alleine. An eurer Seite habt ihr stets ein paar KI-gesteuerte Teammitglieder, denen ihr Befehle erteilen dürft. Dadurch kämpf es sich wesentlich effektiver als im Vorgänger.

Einen Titanen zu fällen, indem zwei Teammitglieder die Beine abtrennen und ihr den entscheidenden Hauptschlag am Hals ansetzt, hat schon was für sich. Aus diesem Grund ist das Spielchen auch übrigens nichts für allzu junge Zocker. Ebenfalls nett sind die Gespräche zwischen den Missionen mit den anderen Rekruten, zu denen ihr durch die richtige Auswahl an Gesprächsoptionen immer mehr Vertrauen aufbaut. Das ist zwar nie sonderlich tiefgreifend, geht als willkommene Abwechslung aber durch. Zudem dürft ihr in der Basis auch eure Ausrüstung aufpeppen, wenn ihr entsprechende Münzen zur Verfügung habt. Streng genommen ändert das recht wenig am eigentlichen Spielverlauf, aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

Funktioniert leider nur im Comic

Das größte Problem des Spielchens ist jedoch, wie bereits im Vorgänger, die Abwechslung: Die Missionen laufen fast alle nach dem gleichen Schema ab, auch wenn ihr manchmal selbst in die Haut eines Titanen schlüpfen dürft. Immer wieder haushohe Titanen zu zerlegen mag auf der Leinwand oder im Comic-Heft cool aussehen, spielt sich aber etwas monoton. Daher finde ich es jedoch zielführend, dass die Entwickler dieses Konzept nicht bis auf unerträgliche Längen gestreckt haben, sondern sich auf knapp acht Missionen beschränken. Mehr hätte aus meiner Sicht auch keinen Sinn ergeben – gut so. Selbst damit habt ihr locker eure fünfzehn bis zwanzig Stunden Spaß. Wer alle Nebenziele erfüllen will, kann nochmal eine Handvoll Stunden draufpacken. Optisch hat sich übrigens kaum etwas zum Vorgänger getan: Das Spiel sieht schick aus in der Bewegung, erreicht aber nie die grafischen Ausmaße eines „Ni No Kuni“ oder „Assassin’s Creed“ – was jetzt keine große Überraschung ist.

Fazit

Am Ende zählt doch allein das Gameplay und den Spaß, den ihr mit einem Titel habt – und beides stimmt bei „Attack on Titan 2“. Der Beginn – gerade für Neulinge – mag sich zwar etwas zäh gestalten, geht dann aber in ein unterhaltsames Schnetzelabenteuer über, das fast die gesamte Kampagne lang bestens bei Laune hält. Wer den Vorgänger gemocht hat, sollte auch hier keine Probleme haben. Allen anderen kann ich nur empfehlen, dass sie sich das Spiel anschauen und sich selbst davon fesseln lassen. Vielleicht schlummert ja ein „A.o.T.“-Fan in euch, von dem ihr selbst noch nichts wusstet…

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: koeitecmoamerica.com/attackontitan2