Von Manga-Meisterwerk zur VR-Adaption: „Attack on Titan“ (japanisch: „Shingeki no Kyojin“) ist eine der einflussreichsten Manga- und Anime-Serien des letzten Jahrzehnts. Geschrieben und illustriert von Hajime Isayama, begann die Serie 2009 und zog mit ihrer düsteren Atmosphäre, tiefgründigen Charakteren und schockierenden Wendungen Millionen Fans weltweit in ihren Bann.
Die Geschichte spielt in einer Welt, in der die Menschheit hinter riesigen Mauern lebt, um sich vor den bedrohlichen Titanen zu schützen – gigantischen humanoiden Kreaturen, die alles verschlingen, was ihnen in den Weg kommt. Mit 34 Manga-Bänden, einer gefeierten Anime-Adaption und unzähligen Spin-offs hat „Attack on Titan“ Kultstatus erreicht.
Nun wagt sich Entwickler UNIVRS mit „Attack on Titan VR: Unbreakable“ an die erste offizielle VR-Adaption der Serie. Das Spiel verspricht, Spieler in die Rolle eines Mitglieds des Aufklärungstrupps zu versetzen, um hautnah gegen die furchterregenden Titanen zu kämpfen. Doch kann das Spiel dieser ikonischen Vorlage gerecht werden? Wir haben es auf der Meta Quest 3 getestet.
Minimalistische Erzählung in einer titanischen Welt
In Attack on Titan VR: Unbreakable schlüpft ihr in die Rolle eines namenlosen Rekruten des Aufklärungstrupps. Die Handlung ist eher rudimentär gehalten und dient hauptsächlich als Rahmen für die actiongeladenen Missionen. Statt einer tiefgreifenden Story wie im Manga oder Anime liegt der Fokus auf dem Kampf gegen die Titanen. Ihr werdet durch verschiedene Areale geschickt, um Titanen zu eliminieren und so die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren. Schnallt euch besser an!
Während Fans der Vorlage möglicherweise eine epische Erzählung erwarten, beschränkt sich das Spiel auf kleinere narrative Elemente wie Funksprüche oder Missionsbriefe. Dies mag für einige enttäuschend sein, bietet jedoch Raum für zukünftige Updates oder Erweiterungen. Zudem macht es Lust auf die richtige Story, falls ihr diese noch nicht kennt.
Fliegende Klingen und titanische Kämpfe
Das Herzstück von Unbreakable ist zweifellos das Gameplay, das die ikonische 3D-Manöverausrüstung (ODM) der Serie ins Zentrum rückt. Mit dieser Ausrüstung schwingt ihr euch durch Städte oder Wälder und nehmt es mit den gigantischen Titanen auf. Die Steuerung ist intuitiv gestaltet: Ihr nutzt eure Controller, um euch an Gebäuden oder Bäumen festzuhaken und mit beeindruckender Geschwindigkeit durch die Luft zu gleiten. Das Gefühl von Freiheit und Geschwindigkeit ist dabei hervorragend umgesetzt – selten fühlt sich ein VR-Spiel so dynamisch an.
An dieser Stelle aber eine kleine Warnung: Wenn ihr neu bei VR-Spielen seid, dann könnte euch leicht schwindelig werden, wenn ihr so durch die Lüfte gleitet. Das Gefühl ist anfangs schon merkwürdig und man muss sich definitiv daran gewöhnen. Daher empfehle ich das Spiel nicht für absolute Frischlinge im VR-Universum. Das mal nebenbei.
Gigantische Fights
Die Kämpfe gegen die Titanen sind intensiv und erfordern Präzision sowie Timing. Ihr müsst ihre Schwachstellen – meist im Nacken – treffen, während ihr ihren Angriffen ausweicht. Besonders spannend wird es, wenn ihr abnormale Titanen bekämpft, die unvorhersehbare Bewegungsmuster haben.
Allerdings zeigt sich hier auch eine Schwäche: Das Missionsdesign ist repetitiv. Die meisten Aufgaben drehen sich ausschließlich um das Töten von Titanen, was nach einigen Stunden monoton wirken kann. Eine größere Vielfalt an Zielen oder interaktiven Elementen hätte dem Gameplay gutgetan.
Immersion trifft auf Limitierungen
Grafisch präsentiert sich Attack on Titan VR: Unbreakable solide, aber nicht überragend. Die Umgebungen sind recht karg gestaltet, mit sich wiederholenden Texturen bei Gebäuden und Landschaften. Während dies im hektischen Kampfgeschehen weniger auffällt, wünscht man sich dennoch mehr visuelle Abwechslung.
Die Animationen der Titanen hingegen sind beeindruckend: Ihre Bewegungen wirken bedrohlich und authentisch, was den Kämpfen eine zusätzliche Dramatik verleiht. Besonders fesselnd ist es, wenn ihr mit gefühlten 200 km/h zwischen ihnen hindurchschwingt und sie stilvoll erledigt.
Der Soundtrack greift bekannte Melodien aus dem Anime auf und verstärkt die epische Atmosphäre der Kämpfe. Auch die Soundeffekte – vom Zischen der ODM-Ausrüstung bis zum donnernden Brüllen der Titanen – tragen zur Immersion bei.
Gemeinsam gegen die Giganten
Ein besonderes Highlight ist der Zwei-Spieler-Koop-Modus. Hier könnt ihr gemeinsam mit einem Freund gegen die Titanen antreten und eure Manöver koordinieren. Der Koop-Modus funktioniert reibungslos und erhöht den Spaßfaktor erheblich – besonders wenn ihr euch gegenseitig bei riskanten Angriffen unterstützt oder Strategien entwickelt.
Zum Zeitpunkt des Tests bietet Unbreakable zwei Kapitel mit jeweils 2–3 Stunden Spielzeit. Während dies für einen ersten Eindruck ausreicht, bleibt abzuwarten, wie viel Inhalt zukünftige Updates hinzufügen werden. Der Wiederspielwert ergibt sich vor allem aus der Jagd nach besseren Zeiten oder dem Experimentieren mit verschiedenen Taktiken im Koop-Modus.
Fazit: Ein vielversprechender Start mit Luft nach oben
Attack on Titan VR: Unbreakable liefert ein intensives und immersives Erlebnis für Fans der Serie sowie Liebhaber actiongeladener VR-Spiele. Das Gefühl, mit der 3D-Manöverausrüstung durch Städte zu fliegen und Titanen zu bekämpfen, wird hervorragend eingefangen und macht jede Begegnung zu einem Nervenkitzel. Allerdings zeigt das Spiel auch Schwächen: Die karge Umgebungsgestaltung und das repetitive Missionsdesign trüben den Gesamteindruck etwas.
Zudem fehlt eine tiefere Story, um das volle Potenzial der Vorlage auszuschöpfen. Für Fans von „Attack on Titan“ ist „Unbreakable“ dennoch ein Muss – allein schon wegen des einzigartigen Gefühls, selbst Teil des Aufklärungstrupps zu sein. Mit weiteren Updates könnte das Spiel zu einem echten Klassiker unter den VR-Titeln werden. Bis dahin bleibt es ein spannendes Abenteuer mit kleineren Schwächen – aber definitiv ein Schritt in die richtige Richtung für VR-Adaptionen großer Anime-Franchises!
Erhältlich für: Meta Quest
Webseite: aotvrub.com