Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht, dass ich den Test zu Avatar: The Last Airbender: Quest for Balance schreibe. Denn im Gegensatz zu ein, zwei meiner Kollegen bin ich in dieser Hinsicht recht unbefleckt. Ich habe die Serie nie gesehen und erst einmal Kontakt mit Avatar Aang, als mich ein Kumpel damals mit ins Kino in die Realverfilmung geschleppt hat. Viel hängen geblieben ist davon jedenfalls nicht. Also schaue ich mir das Third-Person-Actionspiel mal genauer an. Denn kurz nach der Veröffentlichung gab es einen Shitstorm, dem sich das Spiel aussetzen musste. Haben die Hardcore-Fans hier etwa zu hohe Ansprüche?
Ganz ohne Vorkenntnisse
Ohne Fan-Brille weiß ich allerdings auch nicht, ob die Story zum Aufregen ist oder nicht. Aus meiner Perspektive wirkt die Geschichte um den jungen Helden, der vier Nationen vereinen musste, irgendwie verwirrend. Teilweise verstehe ich nur Bahnhof und kann mir auch nicht erklären, warum manche Typen so aggressiv mir gegenüber sind. Scheinbar will hier jeder dem jungen Helden an den Kragen. Aber gut, damit kann ich leben.
Womit ich weniger leben kann, ist das grafische Gewand von Avatar: The Last Airbender: Quest for Balance. Irgendwie scheint sich hier seit der Xbox 360 nicht mehr viel getan zu haben. Die Animationen sowie die Umgebung und Kamera sind unter dem Durchschnitt. Doch auch hier macht es mir nichts aus, wenn ich dafür ein gutes Spiel abgeliefert bekomme – womit wir beim Konzept wären.
Action, die sich nicht abhebt
Spielerisch habt ihr es mit einem recht generischen Action-Titel zu tun, bei dem ihr regelmäßig gegen andere Ninja oder Element-Beherrscher kämpft. Diese Auseinandersetzen verlangen entweder einen Knopfdruck zur richtigen Zeit oder einfach wahlloses Button Mashing. Alles ganz okay. Nur nach einer Weile kommt hier bereits Routine auf.
Im Laufe der Story findet ihr übrigens immer mal wieder Schatztruhen und bekommt Erfahrungspunkte. Diese steckt ihr in einen von drei Skill-Trees. Aber einen großen Unterschied macht das am Ende nicht. Die Verbesserungen sind so marginal, dass sie mir persönlich fast nicht aufgefallen sind. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass es keine Verbesserung braucht, um das Spiel zu beenden. Hier hat Bamtang Games Potenzial liegen lassen. Schade.
Abwechslung? Nur bedingt
Dafür finde ich es schön, dass ich nicht nur Aang, sondern auch seine Freunde spielen darf. Aber auch hier sind die Unterschiede zwischen den Figuren nur minimal, sodass sich der Wechsel nicht sonderlich lohnt. Dafür hinterlassen die englischen Sprecher aber einem sehr guten Eindruck. Dabei handelt es sich übrigens um die englischen Original-Sprecher, wie ich herausgefunden habe. Weitere Tonspuren gibt es aber nicht. Bei der deutschen Version müsst ihr euch mit deutschen Untertiteln begnügen. Das habt ihr aber bei vielen Titeln aus Fernost. Macht mir also nichts aus.
Solltet ihr acht bis zehn Stunden Motivation mitbringen, dann könnt ihr das Spiel beenden. Wenn es nach meinem Patenkind geht, lohnt sich diese Zeit absolut. Aus Sicht eines Achtjährigen ist Avatar: The Last Airbender: Quest for Balance damit ein solides Action-Werk. Ich persönlich langweile mich nach den ersten beiden Stunden etwas. Das liegt nicht nur an den monotonen Kämpfen, sondern auch den an sehr laschen Rätseleinlagen. Hier müsst ihr entweder eure Mitstreiter richtig positionieren oder Blöcke richtig schieben. Ja, es gibt spannendere Aufgaben.
Fazit
Um auf die Frage aus dem Intro einzugehen: Nein, den Shitstorm hat Avatar: The Last Airbender: Quest for Balance in dieser Form nicht verdient. Das soll aber nicht heißen, dass es sich um ein gutes Spiel handelt. Mir kommt es so vor als würde ich mal wieder einen x-beliebigen Action-Titel spielen, bei dem sich ein kleineres Studio herangewagt hat. Dass es sich bei dem Versuch um eine so beliebte Marke handelt, ist natürlich summ gelaufen für die Entwickler. Jedenfalls kann ich das Spiel nicht wirklich empfehlen. Als Spielchen, das man nur nebenher daddelt, mag es vielleicht taugen, doch dann würde ich auf die nächste Preissenkung warten. Als Spiel für Fans der Serie taugt es sogar aus meiner Brille eher wenig. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, wie viel Potenzial hier schlummert.
Erhältlich für: Switch, PC, Xbox, PS
Website: bamtang.com/home