Platinum Games hatte es mit dem Release nie leicht: Ausgerechnet Spiele wie Dying Light 2, Elex 2 oder Elden Ring schienen fast zeitgleich mit Babylon’s Fall. Bei so viel Blockbuster Power ist es schwer aufzufallen. Doch mit Square Enix als Publisher hat man großes Gewicht. Das dachte der Publisher bei Outriders im letzten Jahr übrigens auch … Werfen wir einen Blick auf Babylon’s Fall.
Spannendes Setting
Es war das vielleicht größte, aber auch anmaßendste Unterfangen der Menschheit: Der Turmbau von Babylon. Bevor die Menschen damit fortschreiten konnte, griff Gott persönlich ein und beendete das Vorhaben durch Verwirrung samt der Erfindung fremder Sprachen. Grob, aber auch nur ganz grob, baut das Spiel von Platinum Games auf diese Legende auf. Jedenfalls landet ihr vor dem großen Turm und müsst ihm seine Geheimnisse entlocken.
Die Ausgangslage klingt äußerst interessant. Mich haben die vielen Trailer im Vorfeld bereits wirklich angemacht. Auf der Playstation 5 geht für mich das Abenteuer los. Doch der erste Schreck lässt nicht lange auf sich warten: Bei der Grafik dachte ich anfangs, dass es an der Pre-Release-Version läge. Doch nein, das ist gewollt. Sämtliche Oberflächen wirken verwaschen und polygonarm. Es sieht äußerst merkwürdig aus – auf der PS3 hätte ich es sicherlich als ganz okay empfunden. Auf der PS5 kann ich nur die Augenbrauen kräuseln.
Amateurhafte Umsetzung
Dabei weiß ich, was sich die Entwickler von Babylon’s Fall dabei gedacht haben. Zumindest glaube ich es zu wissen. Das Spiel erzählt seine Geschichte nämlich in Form von verschiedenen Gemälden. Die Cutscenes sind also aneinandergereihte Standbilder – davon war ich nie ein Fan. Aber sei’s drum. Jedenfalls wollen die Entwickler mit der Grafik wohl eine Art Gemälde imitieren. Ihr spielt eine Art lebendig gewordenes Aquarell. Nur dass dieses Aquarell nicht von einem Künstler, sondern einer Horde Kindergartenkinder gemalt wurde.
Als gequälte Seele reist ihr nur zu diesem Turm. Dabei wurdet ihr verzaubert und bekommt eine merkwürdige Apparatur in euer Rückenmark implantiert. Diese ermöglicht euch das Tragen von magischen Waffen – was eine coole Idee ist. In Babylon’s Fall gibt es fünf verschiedene Waffen, von denen ihr bei jedem Run vier mitnehmen dürft. Gleich mehr dazu. Kommen wir zuerst auf das allgemeine Genre bzw. Gameplay.
Klappe, Action!
Babylon’s Fall ist ein Action-Adventure aus der Third-Person-Perspektive. Optisch erinnert es mich direkt an Dark Souls Ableger, was schon mal ein dicker Pluspunkt ist. Spielerisch kommt Babylon’s Fall aber längst nicht an sein Vorbild heran. Immer wieder bemerke ich andere Parallelen zu ähnlich gelagerten Spielchen: Da wäre zum Beispiel auch Monster Hunter, wenn ihr in der Basis herumlauf und euch auf die nächste Mission vorbereitet. Aber auch ein wenig Outriders steckt hier drin, wenn ihr euer Loot begutachtet und das beste mitnehmt.
Es gibt natürlich ein „aber“ bei der Sache: Die Inspirationsquellen sind gut zu erkennen, werden aber nie dazu genutzt, um etwas besser zu machen als im Vorbild – ganz im Gegenteil: manche Mechaniken verwässern das Gameplay sogar. Dabei ist das Kampfsystem im Grunde wirklich clever designt. Ihr habt, wie gesagt, vier Waffen mit dabei.
Zwei führt ihr mit euren Händen, die anderen auf magische Weise. Die handgeführten Waffen lassen euch schnelle und schwere Angriffe ausführen. Die magischen Waffen verursachen deutlich mehr Schaden. Allerdings verbrauchen sie Ausdauer. Diese füllt ihr mit normalen Angriffen wieder auf. Ein nettes System.
Die Kämpfe spielen sich daher von Anfang an actionlastig und befriedigend. Das war es zum größten Teil aber auch. Denn es fehlt am Fortschritt. Ihr könnt die Waffen zwar immer wieder neu kombinieren, aber mehr Abwechslung bieten die Kämpfe auf Dauer nicht. Auch die Levels werfen euch immer und immer wieder in schlauchartige Abschnitte, die ihr durchlauft. Dort kämpft ihr, meistert ein paar Hüpfpassagen und kämpft anschließend wieder. Das alles, bis ihr irgendwann vor einem dicken Boss steht. Diesen bekämpft ihr dann auch einfach.
Wo bleibt die Motivation?
Ihr sammelt auch immer wieder neue Waffen ein. Wobei neu das falsche Wort ist. Es sind jeweils bessere Versionen der fünf verschiedenen Waffen. Damit levelt ihr euren Charakter auf, um schwerere Missionen zu meistern. Nur leider habe ich mich immer wieder gefragt, warum ich das machen sollte. Es fehlt der motivierende Faktor.
Im Multiplayer sieht die Welt von Babylon’s Fall auch nicht sonderlich anders aus. Mit bis zu vier Personen gleichzeitig könnt ihr hier auf die Jagd gehen. Taktisch wird es aber nie: Denn Babylon’s Fall bietet keine Klassen im eigentlichen Sinne an. Ihr wählt lediglich die Waffen, die ihr mitführt und fertig. Der Multiplayer artet daher als ein etwas chaotisches Schnetzelfest aus. Jeder stürmt hier blindlings auf die Feinde und schlägt zu. Das macht das Spiel insgesamt zwar einfacher, aber nicht besser.
Fazit
Ich mache es kurz: Babylon’s Fall hat mich ziemlich enttäuscht. Meine Traumvorstellung, die ich nach den ersten Trailern hatte, ist kläglich am Boden zerschellt. Und dabei schlummert hier so viel Potenzial. Nur macht Babylon’s Fall einfach nicht richtig Spaß. Hier und da schimmert das Potenzial durch und frische Ideen machen Hoffnung. Doch nie werden diese bis zu Ende gedacht und verlaufen sich damit im Sand. Wenn hier nicht ordentlich nachgepatcht wird (wie bei Outriders), dann sehe ich schwarz für das Spiel. Aber zum Glück gibt es ja jede Menge andere Games zur Zeit, die eure volle Aufmerksamkeit verdient haben.
Erhältlich für: Playstation, PC
Website: babylonsfall.square-enix-games.com/de