Es gibt selten Spiele, die mich zur Verzweiflung bringen und dennoch unterhalten. Balancelot ist so ein Spiel. Bereits nach dem ersten Level schwebte mein Controller in ernster Gefahr durchs Zimmer zu fliegen. Warum ich dennoch nicht aufgegeben habe? Das verrate ich euch in den folgenden Zeilen.
Alte Erinnerungen
Lange bevor Entwickler AnvilBird mich auf einem Einrad und einer Lanze durch Balancelot geschickt hat, erinnere ich mich an ein Spielchen namens Elastomania. In den 90er-Jahren musstet ihr hier ein extrem elastisches Motorrad durch enge Levels führen und gegen die Physik kämpfen. Ein riesiger Spaß, wenn ihr ein gewisses Frustpotenzial hattet. Balancelot wirft mich schnurstracks wieder in diese Zeit zurück. Diesmal muss ich nur ein Rad und nicht zwei beherrschen – was nicht unbedingt einfacher ist.
Die Story schenken wir uns einfach mal getrost. Ihr seid als angehender Ritter auf dem Weg zu Ruhm und Ehre – wäre da nicht diese Kreaturen aus der Hölle, wie Riesenschnecken oder Rad-Ungeheuer. Aber euer größter Feind wird die Steuerung werden. Diese ist extra schwammig gehalten, was auch den Unterhaltungswert äußerst steigert.
Denn ein Druck auf die Schultertasten bewegt das Rad nach rechts oder links. Gleichzeitig müsst ihr aber mit dem linken und rechten Analogstick das Gleichgewicht halten und manchmal sogar die Lanze ausrichten. Berührt ihr den Boden mit einem Körperteil, war es das – Neustart am letzten Speicherpunkt.
Hart, aber fair
Sämtliche Speicherpunkte sind zwar recht fair gesetzt, doch die Strecken zwischen den einzelnen Punkten warten mit kleinen Herausforderungen, die ihr nur mit viel Geschick und Geduld meistern könnt. Allein für die Einführung habe ich gefühlt 50 Anläufe gebraucht. Dass die Level nicht einfacher werden, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Dieses Gefühl „Das muss doch zu schaffen sein“, habt mich gepackt und den inneren Schweinehund ordentlich provoziert. Daher wollte ich die einzelnen Levels schaffen, auch wenn ich dafür teilweise durch die Frustrationshölle gehen musste.
Grafisch ist Balancelot übrigens an mittelalterliche Bücher angelegt, was dem Spiel recht gut zu Gesicht steht. Auch wenn mir die Grafik nach einer Weile völlig Schnuppe war, musste ich dennoch immer mal wieder innehalten und habe sie bestaunt. Hinzu kommt ein sehr feiner, auch recht dummer Humor, den ich zu schätzen wusste. Besonders, wenn ich mal als Hase mit Karotte und Salatkopf unterwegs bin.
Fazit
Insgesamt kann ich Balancelot nur Leuten empfehlen, die ein starkes Nervenkostüm haben. Oder ihr spielt das Ganze mit einem Kaltgetränk in der Hand und einem Kumpel an euerer Seite – dann ist Balancelot schon sehr unterhaltsam. Nehmt hier nicht alles zu ernst – besonders nicht die Steuerung. Ein Spielchen, das mir wohl für eine längere Zeit im Gedächtnis bleiben wird.
Erhältlich für: Xbox, Playstation, Switch
Website: ratalaikagames.com/games/balancelot.php