Französische Rollenspielkost, die mich etwas unerwartet traf: Banishers: Ghosts of New Eden aus dem Hause Don't Nod und von Publisher Focus Entertainment ist etwas Besonderes – und das meine ich auf verschiedene Punkte bezogen. Kommt mit in eine spannende Welt voller Geister.
Film oder Spiel?
Als ich Banishers: Ghosts of New Eden zum ersten Mal spielte, wusste ich noch nicht, was mich erwartet. Keine Ahnung, welchem Genre das Spiel sich verschreibt. Ich dachte anfangs, dass es sich vielleicht um eine interaktive Geschichte im Stil eines Life is Strange oder Tell me Why handelt. Warum? Weil Don't Nod eben diese Spiele zuletzt gemacht haben. Aber damit lag ich falsch. Mit Banishers: Ghosts of New Eden zeigt das Studio, dass sie auch Action-Rollenspiele können – jedenfalls zum größten Teil.
Dennoch schwingt die Erfahrung des Studios in den Dialogen und der Geschichte mit. Es geht meist über das oberflächliche Geplänkel hinaus und stellt euch vor schwierige Entscheidungen. Aber um was geht es überhaupt? Nun, folgt mir ins 17. Jahrhundert nach Nordamerika. Eine Ausflug, der Leben ändern wird.
Dialoge zum Verlieben
In der Kajüte eines großen Schiffs liegen Antea und Red eng umschlungen im Bett. Das Liebespaar neckt sich und albert ein wenig herum. Sie sind jedoch auf einer wichtigen Mission. Ihr Freund Charles hat sie nach New Eden gerufen. Denn dort geht nicht alles mit rechten Dingen vor sich. Soll heißen: es spukt dort. Und als Banishers bzw Verbanner sind Antea und Red so etwas wie die früheren Ghostbusters dieser Zeit.
Der Einstieg ins Spiel ist recht gemächlich und geprägt von vielen guten Dialogen. Auf dem Weg zu dem abgelegenen Örtchen lernen wir Antea und Red besser kennen und auch, was uns erwartet. Denn es warten tatsächlich einige verlorene Seelen auf uns. Das ruft das erste Kampf-Tutorial auf den Plan. Mit ein paar Schwerthieben und später auch Schüssen aus seiner Kanone darf Red sich gegen die Biester wehren. Und sobald sich eine Leiste gefüllt hat, kann er einen Verbannungszauber aussprechen. Dieser bugsiert Geister direkt ins Jenseits. Funktioniert leider nicht bei Bossen, aber tut ihnen dennoch weh.
Düster und packend
Jedenfalls fühlt es sich ganz gut an, wie wir hier agieren. Die Kämpfe scheinen Potenzial zu haben, was sich später bestätigt. Aber auch das Setting ist spannend gewählt. Die Gegend sieht gespenstisch gut aus und verteilt perfekt die düstere Atmosphäre. Nach ein paar Stunden hätte ich mir dennoch etwas Abwechslung gewünscht. Aber im Großen und Ganzen lässt sich das hier sehen, was das relativ kleine Studio gezaubert hat.
Bevor ich mit der Geschichte weiterfahren, eine Kleinigkeit, die mich bis ans Ende der Story nerven würde: So schön die Umgebung auch ist, so wenig Interaktionen gewährt sie mir in der Rolle meines Charakters. Red kann nicht klettern und auch nicht springen – jedenfalls nicht, wenn es das Spiel nicht an bestimmten Stellen vorsieht. Angesichts des Budgets verstehe ich das zwar, aber schade ist es dennoch.
Ein Albtraum an Spannung
Kommen wir wieder zur eigentlichen Story. Als Antea und Red in New Eden ankommen, stellen sie mit Schrecken fest, dass hier kaum noch jemand lebt. Fast alle Bewohner sind geflüchtet oder getötet worden. Die paar wenigen Überlebenden erzählen dem Pärchen, was sie wissen. Etwas vorschnell stellen sich Antea und Red dem Obermotz der Geister, der hier sein Unwesen treibt. Doch dies ist kein normaler Geist, sondern ein Alptraum.
Das Ende der Begegnung mit ihm – Achtung, kleiner Spoiler: Antea stirbt und Red wird schwer verletzt. Allerdings erhält er eine weitere Chance und muss weiterleben. Nur ist Antea nun ein Geist, der ihm nicht mehr von der Seite weicht. Was soll er nun machen? Laut seinem Eid müsste er sie verbannen. Aber er könnte seine große Liebe wieder zu sich holen – zu einem großen Preis. Um das Lebensritual auszuführen, braucht er Energie von den Lebenden. Er muss also einige Leute opfern, um Antea zu retten.
Kein Schwarz oder Weiß
Genau mit diesem Hintergrund führt euch Banishers: Ghosts of New Eden durch die kommenden 35 bis 40 Stunden. Ja, das hier ist ein dicker Brocken an Spiel. Dabei müsst ihr einige hoch emotionale Entscheidungen treffen. Denn neben den Kämpfen habt ihr es oft mit kleinen Detektivarbeiten zu tun. In diesen Nebenaufgaben sammelt ihr über bestimmte Personen und Vorgänge Beweise, um am Ende eine Entscheidung zu treffen. Das Motto bei diesen Fällen: Nichts ist, wie es zu Beginn scheint. An dieser Stelle fühlte ich mich oft an die moralischen Entscheidungen von The Witcher erinnert.
Übrigens ändern sich später auch die Kämpfe, da ihr immer wieder auf Antea zugreifen dürft. Gemeinsam kombiniert ihr eure Attacken. Der ausufernde Talentbaum von Red unterstreicht zusätzlich euren Spielstil. Jeder Levelaufstieg lohnt sich. Antea bekommt allerdings nur Erfahrungspunkte für abgeschlossene Detektiv-Aufträge. Ebenfalls ein interessanter Ansatz. Aber kommen wir mal zu einem Abschluss.
Fazit
Am Ende des Tages macht Banishers: Ghosts of New Eden sehr viel richtig, um ein tolles Action-Rollenspiel zu sein. Für meinen Geschmack zieht sich das Spiel etwas zu lang. Zehn oder sogar zwanzig Stunden weniger wären auch in Ordnung gewesen. Dafür spielt der Titel aber voll die Stärke des Studios aus: eine tiefgründige, emotionale Story mit Höhen und Tiefen. Besonders die Entscheidungen, vor die euch Banishers: Ghosts of New Eden stellt, sind hervorragend gewählt und haben mich oft grübeln lassen. Wer also mal wieder Lust auf ein außergewöhnliches Setting mit packender Story steht, könnte hier seinen Spaß haben.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: focus-entmt.com/en/games/banishers-ghosts-of-new-eden