Was passiert, wenn man Conan, alte Sword-and-Sorcery-Filme und ein düsteres Metroidvania in einen Topf wirft? Barbarian Saga: The Beastmaster liefert die Antwort: ein raues, blutiges Abenteuer mit viel Stil, einigen cleveren Ideen und leider auch ein paar Kanten, an denen ihr hängenbleiben könnt.
Das Spiel von Dormidin Studio und Selecta Play führt euch nach Arborea. Dort herrscht erneut Krieg, Menschen gehen gegen nichtmenschliche Völker vor und ein alter Konflikt droht die ganze Welt zu verschlingen. Ihr schlüpft in die Rolle des letzten Beastmasters, der mit seinem Herz fressenden Schwert unterwegs ist, um die Zukunft dieser Welt zu bestimmen. Das mal grob zur Rahmenhandlung, die fesselnder ist als ich anfangs dachte.
Ein Metroidvania mit Bestienkräften
Im Kern ist Barbarian Saga ein handgezeichnetes 2D-Metroidvania. Ihr erkundet eine zusammenhängende Karte, öffnet neue Wege und kehrt später mit neuen Fähigkeiten an zuvor unerreichbare Orte zurück. Das Genre kennt man inzwischen gut. Der Kniff liegt hier in den Tierseelen.
Besiegte Kreaturen hinterlassen ihre Seelen. Diese könnt ihr absorbieren und euch später in verschiedene Bestien verwandeln. So zwängt ihr euch durch enge Spalten, erklimmt gefährliche Schächte oder durchbrecht Hindernisse, die euch zuvor den Weg versperrt haben. Das ist eine passende Alternative zu den üblichen Doppelsprüngen und Dash-Stiefeln. Die Verwandlungen geben dem Spiel eine eigene Note und passen hervorragend in die barbarische Fantasy-Welt.
Dazu kommt das Ritualketten-System. Gefundene Zähne, Amulette und Pflanzenwurzeln steckt ihr in eine Halskette, um Werte und Angriffe anzupassen. Damit könnt ihr unter anderem Mana-Regeneration, Schwertbewegungen oder elementare Effekte beeinflussen. Ihr baut euch also nicht einfach nur stärker, sondern könnt euren Kämpfer an euren Spielstil anpassen.
Das Schwert will immer mehr
Das Herzfresser-Schwert ist eines dieser Details, die man nicht so schnell vergisst. Es ist eure wichtigste Waffe, besitzt aber einen unheimlichen eigenen Charakter und nährt sich an den Herzen besiegter Feinde. Klassische Schwerttechniken, Zaubertränke und beschwörbare Flüche erweitern euer Arsenal.
Die Kämpfe fühlen sich grundsätzlich wuchtig an. Besonders die Arena-Duelle stechen heraus. In diesen Begegnungen zoomt die Kamera nah heran, Energieleisten erscheinen und das Spiel wird kurzfristig zum kleinen 2D-Duellprügler. Positionierung, Blocken, Parieren und Gegenangriffe gewinnen dann an Bedeutung. Das sieht stark aus und verleiht Bosskämpfen einen besonderen Moment.
Das ist generell echt klasse. Nur die Hitboxen sind teils merkwürdig und auch die etwas steifen Sprünge. Gerade in engen Plattform-Passagen kann die Bewegung dadurch unnötig sperrig wirken.
Arborea sieht klasse aus
Bei Atmosphäre und Optik hat Barbarian Saga seine stärksten Karten. Der handgezeichnete Stil erinnert an überzeichnete Dark Fantasy der 80er und 90er, an Conan, The Beastmaster, Golden Axe und alte VHS-Cover mit viel Leder, Stahl und finsterer Magie. Das Spiel trägt diese Einflüsse mit breiten Schultern und einem riesigen Schwert durch die Gegend.
Die Welt wirkt düster, eigenständig und angenehm unfreundlich. Ruinen, Monster und verdorbene Gebiete passen sehr gut zur Geschichte über Krieg, Vorurteile und alte Prophezeiungen. Dazu kommen NPCs, Nebenaufgaben und Entscheidungen, die verschiedene Handlungsstränge sowie mehrere Enden eröffnen.
Viel Licht, ein paar dunkle Ecken
Ein Kritikpunkt betrifft die Verteilung von Speicher- und Schnellreisepunkten. Diese Punkte sind kombiniert, liegen aber nicht immer gut auf der Karte. Sterbt ihr, landet ihr am letzten aktivierten Punkt. Das kann bei längeren Wegen und schwereren Gegnern frustrieren.
Auch das Backtracking zieht sich stellenweise. Bevor Schnellreiseoptionen wirklich helfen, müsst ihr bereits geräumte Bereiche wiederholt durchqueren. Das gehört zwar zum Metroidvania-Genre, braucht aber gutes Tempo. Hier gelingt das nicht immer.
Fazit
Barbarian Saga: The Beastmaster ist ein düsteres und unterhaltsames Metroidvania, das seinen eigenen Kopf hat. Die Tierverwandlungen, das Ritualketten-System und die ungewöhnlichen Arena-Duelle sorgen dafür, dass ihr hier nicht einfach nur einen weiteren Genre-Abklatsch spielt.
Die Atmosphäre ist großartig. Das Schwert-und-Magie-Setting hat Charakter, der Stil bleibt hängen und Arborea macht Lust darauf, die nächste verfluchte Ecke zu erkunden. Bei Steuerung, Gegnerdesign, Speichersystem und Erzähltempo müsst ihr dagegen etwas Geduld mitbringen.
Wenn ihr Dark Fantasy, handgezeichnete 2D-Welten und Metroidvanias mit Ecken und Kanten mögt, solltet ihr dem Beastmaster eine Chance geben. Er ist nicht makellos. Aber er schwingt sein Schwert mit genug Wucht und Persönlichkeit, um in Erinnerung zu bleiben.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: store.steampowered.com/app/2459840/Barbarian_Saga_The_Beastmaster