Ich musste auch erst einmal nachschauen: Satte achte Jahre liegt das letzte Abenteuer der namensgebenden Hexe Bayonetta bereits zurück. Die Story blieb mir nur noch vage im Gedächtnis. Nun also gibt es den dritten Ausflug in die actionlastige Welt dieser modernen Hexe mit ihren Pistolen. Eins ist klar: Hier hat Nintendo ein heißes Feuer im Eisen.
Peinliches Vorspiel
Bereits im Vorfeld machte Bayonetta 3 von sich reden. Doch über den eher peinlichen oder zumindest fragwürdigen Auftritt der ehemaligen Synchronsprecherin der Hexe will ich keine weiteren Worte verlieren – das ist ein Kapitel für sich. Blicken wir doch auf das, was wir vor uns haben.
Solltet ihr Bayonetta 1 und 2 nicht gespielt haben, ist euch definitiv etwas entgangen. Aber rein von der Story her solltet ihr dennoch gut mitkommen können – sofern das ganz möglich ist. Die ganzen Anspielungen oder die Welt selbst, in der Bayonetta lebt, wird hier allerdings nicht mehr erklärt. Das könnte hier und da ein paar Fragezeichen aufwerfen. Aber wild ist das nicht. Ich gebe euch mal einen groben Abriss der Story, ohne großartig was zu spoilern, was nicht schon die ersten fünf Minuten verraten.
Das Ein und Alles
Anstelle von Dämonen oder Engelsscharen hätten wir bei Bayonetta 3 einen brandneuen Feind: Die sogenannte Singularität kommt in Bayonettas Welt und will diese zerstören. Dazu erschafft sie humanoide Wesen, die alles vernichten sollen. Und es kommt noch dicker: Diese Singularität will nicht nur Bayonettas Welt auslöschen, sondern alle Welten und Universen. Genau das sollt ihr nun verhindern.
Um allerdings in die Welt der Singularität einzudringen, braucht ihr fünf Chaos-Getriebe aus fünf unterschiedlichen Universen. Ein klein wenig musste ich da an Spider Mans letzten Ausflug ins Multiverse denken. Denn so eine ähnliche Reise hat auch die Hexe vor sich. Auf ihrem Abenteuer schreitet sie nicht nur von Universum zu Universum, sondern auch von Zeitalter zu Zeitalter. Dabei trifft sie – ganz wie Spidy – auf alternative Versionen ihrer selbst. Das sollte nun aber genügen, um einen Eindruck zu bekommen.
Lernbereit
Neben altbekannten – oder auch nicht bekannten – Charakteren hat sich auch ein neuer Sidekick zu Bayonetta gesellt: Viola ist eine Punk-Hexe in Ausbildung. Sie dürft ihr hin und wieder auch steuern und mit ihr Chaos anrichten bzw. es bekämpfen. Das bringt etwas frischen Wind ins Spiel – als ob es das wirklich bräuchte … Denn Bayonetta 3 sprüht vor irren Ideen und Abwechslung. Im Mittelpunkt stehen dabei klar die Kämpfe, die ihr immer wieder bestreiten müsst.
Die Fights gegen Horden von Gegnern könnten aber kaum besser designt sein. Mit der recht einfachen Steuerung wechselt Bayonetta wieselflink zwischen Nah- und Fernkampf hin und her. Ausweichen im rechten Moment verlangsamt die Zeit und per Knopfdruck habt ihr direkt eine andere Waffe in der Hand. Das nenne ich mal geschmeidig. Auch nach vielen Stunden macht die-ses Kampfsystem einfach Laune. Und seid auf die Neuerungen gespannt.
Da wird Godzilla neidisch
In Bayonetta 3 darf die Hexe gigantische Dämonen herbei beschwören und kontrollieren. So stampft eine gigantische, halbnackte Dämonendame übers Feld und pflügt alles nieder oder eine ekelhaft große Spinne lässt Gegner nicht aus ihren Fängen. Auch ein riesiger Drache ist mit von der Partie. Allerdings solltet ihr aufpassen, dass Bayonetta bei diesen Einsätzen nicht getroffen wird, da der Zauber sonst direkt endet. Lediglich Viola kann bei ihrer Beschwörung einer überdi-mensionierten Katze gleichzeitig mitkämpfen. Coole Sache.
In punkto Waffenauswahl gibt es wieder mal genug, um jeden Spielstil zu unterstützen. Da wären beispielsweise die Pistolen der Hexe oder mal Fächer oder dicke Hammer artige Knüpel bis hin zu zwei Jojos – ja, die gibt es da echt. Jede Waffe hat ihre eigenen Stärken und Schwächen. Spaß machen sie alle.
Offener für Abenteuer-Suchende
Besonders auffällig diesmal: Während ihre Reise durch die unterschiedlichen Gebiete darf die Hexe nun deutlich mehr erkunden als in den Vorgängern – und das macht so richtig Spaß. Denn je nach ausgewählter Waffe kann sich Bayonetta in eine Tierform verwandeln: Als Spinne kletter sie die steilsten Wände hoch, flattert als Schmetterling davon und macht als Drachenkreatur mächtige Sprünge oder verteilt Schläge. Das geht dermaßen ineinander über, dass es ein wahrer Genuss ist, die Welt zu erkunden. Allerdings ist das nur optional. Kommen wir aber zu den Schattenseiten des Hexendaseins.
Gerade beim Erkunden der Welt bedauere ich, dass Bayonetta 3 exklusiv auf der Switch erschienen ist. Denn aus rein grafischer Sicht gäbe es Unmengen an Argumenten, dass dieses Spiel auf Playstation oder Xbox erscheinen sollte. Auf der Switch sehen viele der Umgebungen einfach nicht mehr schön aus: Matschige Texturen und schlecht aufgelöste Umgebungen trüben das sonst so schöne Bild. Aber wer weiß – vielleicht kommt das ja alles noch. Oder Nintendo schickt endlich eine neue Konsole ins Rennen, wer weiß.
Fazit
Genug geschwärmt. Bayonetta 3 ist ein Genuss und ein Must-have für Nintendo Switch Besit-zer:innen. Eine abgedrehte Story trifft hier auf ein butterweiches Kampfsystem und eine erkundungsfreudige Welt. Nicht ohne Grund wurden die beiden Vorgänger so gefeiert. Mindestens 15 Stunden werdet ihr euren Spaß mit dieser abgedrehten Hexe haben und danach noch an etliche ikonische Szenen denken müssen. Einziger Wermutstropfen: Die Switch scheint technisch inzwi-schen deutlich an ihre Grenzen gekommen zu sein.
Erhältlich für: Switch
Website: nintendo.de/Spiele/Nintendo-Switch-Spiele/Bayonetta-3-2045649.html