Beneath ist eines dieser Spiele, bei denen man nach Zeit zwei Gedanken gleichzeitig hat: „Das ist ja herrlich 90er!“ und „Warum tut ihr mir das technisch an?“. Damit hat sich mein Bild von dem Shooter radikal geändert, den ich auf der gamescom 2024 bereits im Vorfeld anspielen durfte. Kommt mit auf einen eigenwilligen Trip.
Euch erwartet ein Unterwasser-Horror-Shooter, der ganz offen in der Tradition von Resident Evil, F.E.A.R. und Konsorten steht – atmosphärisch oft stark, spielerisch und technisch aber deutlich rauer, als es der erste Eindruck vermuten lässt.
Lovecraft unter Druck
Ihr spielt den Tiefseetaucher Noah Quinn, der mit einem Team ein sagenumwobenes U-Boot untersucht, das jahrzehntelang verschwunden war. Nach einem Unfall und seltsamen Ereignissen landet ihr in einer Industrieanlage weit unter der Meeresoberfläche, umgeben von monströsen Kreaturen, Anomalien und einer Firmenverschwörung, die die üblichen „Wir bohren zu tief“-Vibes versprüht.
Die Grundidee ist stark: klaustrophobische Gänge, enge Technikräume, und draußen nur das schwarze, drückende Meer – ein Setting, das Erinnerungen an The Thing, Alien und die besseren 90er-PC-Horrorproduktionen wachruft. Die Level sind meist schlau als Korridore angelegt, was die Sicht einschränkt und die begrenzten Ressourcen des Zwei-Mann-Studios Camel 101 an die richtigen Stellen lenkt. Atmosphärisch funktioniert das: Dampf, flackernde Lampen und metallisches Stöhnen kaschieren so manche grafische Einfachheit.
Solide Genre-Kost mit etwas Biss
Erzählerisch liefert Beneath ein ordentliches Paket: Quinn ist vom eigenen Trauma geplagt, halluziniert und rutscht langsam in Paranoia, während sich das Bild von dem, was die Firma hier wirklich treibt, immer mehr verdunkelt.
Die Lovecraft-Einflüsse bleiben eher im „kosmische Bedrohung jenseits unseres Verständnisses“-Bereich und münden in klassische „Mensch spielt mit Dingen, die er nicht versteht“-Motivik.
Persönlich finde ich, dass die Story besser ist als erwartet und mit ihrem psychologischen Einschlag genug Haken bietet, um durchzuhalten – selbst dann, wenn das Gameplay nicht immer überzeugt. Ganz große Twists oder philosophische Tiefen wie in SOMA erreicht das Spiel nicht, aber als B-Horror mit Herz funktioniert es erstaunlich gut.
Solider Shooter mit 90er-Schliff
Spielerisch ist Beneath ein First-Person-Survival-Shooter: enge Korridore, knappe Munition, mehrere Waffen, Gegner, die lieber ernst genommen als weggelächelt werden wollen. Die Gunplay-Basis ist akzeptabel. Man merkt, dass hier kein AAA-Polish am Werk ist, sondern eher das Ziel, klassische 2000er-Shooterhaptik mit moderner Präsentation zu kreuzen. Das geht in Ordnung.
Spannend ist der Fokus auf Ressourcen: Munition und Heilung sind knapp, Nachladen will überlegt sein, und die Entscheidung, einen Raum zu säubern oder an Gegnern vorbeizuschleichen, ist oft wirklich sinnvoll und nicht nur theoretisch. Dazu kommen simple, aber funktionierende Systemschnipsel wie Umweltgefahren, begrenzte Sauerstoff-Abschnitte und ein psychologischer Einschlag, der Quinns geistige Verfassung im Blick behält.
Schattenseiten
Nicht so gut gelingt das Missionsdesign: Oftmals fand ich, dass Ziele und Wege oft schlecht kommuniziert werden, man sich trotz vorhandener Maps verwirrt fühlt oder wegen unklarer Hinweise planlos herumirrt. Das kann Horror verstärken („Was geht hier überhaupt vor?“), kippt aber gelegentlich in Frust.
Hinzu kommt eine KI aus den Tiefen der Meere. Viele meiner Gegner sind mir bereitwillig vor die Flinte gelaufen, nachdem ich mich hinter einer Tür positioniert habe. Dann hieß es warten und den Leichen-Haufen vergrößern. Das war zwar teils lustig, aber nicht im Sinne der Erfinder.
Großes Herz, kleine Bugs
Atmosphäre ist ohne Frage die große Stärke von Beneath. Sounddesign und Lichtsetzung sind gelungen: jede Rohrleitung knarzt, jedes Echo im Gang klingt wie eine potenzielle Bedrohung, und das Spiel schafft es, Räume mit minimalen Tricks bedrohlich wirken zu lassen.
Technisch sieht es dagegen gemischt aus. Grafik und Animationen sind, sagen wir mal „bemüht“, um es nett auszudrücken. Bugs, Clipping, KI-Aussetzer und gelegentliche Performance-Haker sind keine Seltenheit, auch wenn Patches bereits einiges verbessert haben.
Man muss also mit einem gewissen Trash leben – die Art von Unsauberkeit, die einem je nach Toleranzgrenze entweder das ganze Erlebnis ruiniert oder als charmante Ecken-und-Kanten eines kleinen Studios durchgeht.
Fazit: Rau, atmosphärisch – und ehrlicher, als es aussieht
Ehrlich betrachtet ist Beneath ein rauer, technisch wackeliger Unterwasser-Horror-Shooter, der seine Vorbilder offen auf der Stirn trägt und bei weitem nicht alle eigenen Ideen sauber zu Ende bringt.
Aber: Wenn es funktioniert, dann funktioniert es erstaunlich gut. Die klaustrophobische Stimmung, das Gefühl, in einer echten, beengten Anlage zu sein, die Lovecraft-Anmutungen im Hintergrund und eine Story, die mehr liefert als bloße „Jumpscare-Parade“, machen aus Beneath ein Spiel, das seiner Nische gerecht wird – nur eben nicht darüber hinauswächst. Daher kann ich das Spiel wirklich nur Hardcore-Fans empfehlen, die sich im Vorfeld unbedingt „Lets Play“-Videos anschauen sollten.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Webseite: beneathgame.net