In einer Zeit, in der viele Indie-Entwickler auf Retro-Charme setzen, wagt sich Beyond Galaxyland an ein ambitioniertes Projekt heran: Ein modernes JRPG mit klassischen Wurzeln, das den Spieler in eine faszinierende Sci-Fi-Welt entführt. Entwickelt von Sam Enright und veröffentlicht für verschiedene Plattformen, versucht das Spiel, bewährte Elemente des Genres mit frischen Ideen zu verbinden. Dabei wurde man offensichtlich von Klassikern wie Final Fantasy und Chrono Trigger inspiriert. Doch gelingt dieser Spagat?
Eine fesselnde Geschichte in einer detaillierten Welt
Die Handlung von Beyond Galaxyland beginnt auf vertrautem Terrain: Der Teenager Doug führt ein gewöhnliches Leben auf der Erde, bis er durch ein mysteriöses Portal in eine fremde Welt gezogen wird. Dort erfährt er, dass die Erde längst zerstört wurde und er zu den wenigen Geretteten gehört. Die neue Heimat "Galaxyland" entpuppt sich als künstliches Sonnensystem, erschaffen von einer uralten Rasse, um verschiedene Spezies vor der Auslöschung zu bewahren.
Diese Prämisse bildet die Grundlage für eine spannende Reise durch verschiedene Planetenwelten, bei der Doug nicht nur das Schicksal der Erde ergründen, sondern auch die wahren Motive seiner vermeintlichen Retter hinterfragen muss. Die Geschichte überzeugt durch ihre Mischung aus persönlichem Drama und kosmischen Geheimnissen, wobei besonders die Charakterentwicklung und die Weltenbeschreibungen hervorstechen. Jeder neue Ort weckt die Neugier des Spielers und treibt die Handlung voran.
Gameplay: Zwischen Innovation und Überforderung
Das Kampfsystem von Beyond Galaxyland basiert auf dem klassischen Active Time Battle (ATB) System, wie man es aus Final Fantasy kennt, fügt jedoch einige interessante Twists hinzu. Jeder erfolgreiche Angriff füllt einen Ability Point (AP) Meter, während Fehlschläge ihn reduzieren. Dies führt zu einem taktischen Risiko-Belohnungs-System, bei dem Genauigkeit eine wichtige Rolle spielt.
Eine weitere Besonderheit ist das "Turn Point" (TP) System, das die Anzahl der Basisangriffe pro Runde bestimmt. Diese Mechanik eröffnet zusätzliche strategische Möglichkeiten, kann aber auch zu Frustration führen, wenn Angriffe daneben gehen.
Pokémon light als Zugabe
Zum normalen Kampfsystem gesellt sich ein Creature Collecting Element: Fast jedes Monster kann gefangen und als Beschwörung eingesetzt werden. Während dies auf dem Papier interessant klingt, fehlt es in der Praxis an Tiefe. Das Kampfsystem wirkt dadurch überladen und nicht immer ausbalanciert.
Die Erkundung der Spielwelt erfolgt in 2D mit leichten Plattforming-Elementen. Rätsel und Umgebungsinteraktionen lockern das Gameplay auf, können aber gelegentlich eintönig wirken. Besonders in Dungeons hätte man sich abwechslungsreichere Leveldesigns gewünscht.
Hübsch anzuschauen
Grafisch setzt Beyond Galaxyland auf einen detaillierten Pixel-Art-Stil, der die verschiedenen Alienwelten lebendig und atmosphärisch einfängt. Die Charakterdesigns sind charmant, und die Hintergründe stecken voller liebevoller Details. Der Soundtrack unterstützt die Sci-Fi-Atmosphäre gekonnt und sorgt für die richtige Stimmung in Kämpfen und ruhigeren Momenten.
Fazit
Beyond Galaxyland ist ein Spiel voller guter Ideen und offensichtlicher Leidenschaft für das JRPG-Genre. Die fesselnde Geschichte und die detailliert gestaltete Welt machen Lust auf Erkundung und treiben den Spieler voran. Das Kampfsystem bietet interessante Ansätze, leidet aber unter seiner eigenen Komplexität und mangelnder Balance. Für Fans klassischer JRPGs und Science-Fiction-Enthusiasten bietet Beyond Galaxyland trotz seiner Schwächen ein unterhaltsames Abenteuer. Die Mischung aus vertrauten Elementen und neuen Ideen funktioniert nicht immer perfekt, schafft aber ein einzigartiges Spielerlebnis. Mit etwas mehr Feinschliff hätte es ein moderner Klassiker werden können – so bleibt es ein ambitioniertes Projekt mit Licht und Schatten, das dennoch einen Blick wert ist.
Erhältlich für: Switch, Xbox, PC, PS
Webseite: https://unitedlabelgames.com/beyond-galaxyland