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Bionic Robotic Arm von Kosmos

Ein ergreifendes Erlebnis

Starten wir direkt mit den Basics für Experimentierkästen von Kosmos. Bevor ihr überhaupt die erste Plastiktüte aufreißt, ein dringend nötiger Hinweis: Besorgt euch gutes Werkzeug. Ein ordentlicher Seitenschneider, eine feine Feile (nein, eine Nagelfeile versagt hier völlig!) und ein passender Schraubendreher sind beim Bionic Robotic Arm quasi Pflicht.


Und wenn es in diesem Set dann an die Nylonfäden geht, ist ein zweiter Mensch an eurer Seite Gold wert – jemand, der die Schnüre festhält, während ihr versucht, sie durch gefühlt mikroskopisch kleine Öffnungen zu fädeln. Kosmos gibt zwar ab 10 Jahren als Alter an, aber seien wir ehrlich: Ein 10-Jähriger wird das ohne Hilfe kaum schaffen. Das steht zwar auch als dezenter Hinweis im Begleitheft, aber stellt euch darauf ein, dass hier echtes Teamwork zwischen Eltern und Kind gefragt ist.


Erster Eindruck: „Ach, das geht ja flott… oder?“


Als ich den Bionic Robotic Arm ausgepackt habe, war mein erster Gedanke: „Hey, das sind ja weniger Teile als bei anderen Sets. Dann bin ich ja schnell fertig damit.“ Dieser Gedanke hat sich ungefähr so gut gehalten wie ein Nylonfaden ohne Knoten – also nicht sonderlich lange. Am Ende habe ich grob geschätzt rund zehn oder elf Stunden in den Bau investiert, verteilt über mehrere Sessions.


Das Spannende daran: Es fühlt sich nie nach nervigem Abarbeiten an, eher wie ein kleines Ingenieursprojekt im Wohnzimmer. Die Anleitung führt Schritt für Schritt durch den Aufbau, aber man merkt schnell, dass der Kasten euch nicht einfach nur ein Plastikspielzeug in die Hand drücken will. Ein riesiges Plus ist hier das Begleitheft: Es ist vollgestopft mit spannenden Hintergrundinfos zu Bionik und Technik, sodass man auch versteht, warum man gerade was zusammenschraubt.


Der Aufbau: Vom Plastikgerüst zum bionischen Greifer


Der Anfang ist schon die erste Begegnung mit dem späteren Endgegner: Ihr müsst die Nylonfäden zurecht schneiden. Klingt harmlos, hat es aber in sich. Auch wenn an der Seite des Pappkartons netterweise ein 35-cm-Lineal aufgedruckt ist, empfehle ich euch einen Zollstock. Das macht es deutlich leichter, wenn ihr zum Beispiel achtmal 70 cm lange Stücke abschneiden sollt.


Danach wird es recht entspannt. Ihr trennt die Teile mit dem Seitenschneider sauber aus den Gussrahmen, entgratet Kanten mit der Feile und schraubt das Grundgerüst zusammen. Das ist der angenehm „meditative“ Teil des Projekts: klicken, schrauben, passen. Man sieht relativ schnell, wie sich die Joysticks und der Arm in die Höhe schrauben.


Der Endgegner: Die Nylon-Schnüre


Und dann kommt er: der Punkt, an dem die Nylonfäden ins Spiel kommen. Diese Schnüre sind der wahre Endgegner. Ihr müsst sie durch schmale Kanäle, Ösen und Umlenkpunkte fädeln, sie korrekt spannen und fixieren. Dabei winden sie sich wie kleine Aale, die keine Lust auf euch haben. Zu zweit ist es deutlich angenehmer: Einer hält die Schnur straff, der andere knotet und kontrolliert die Führung.


Dieser Abschnitt hat mich am längsten aufgehalten. Immer wieder prüft man: Zieht sich das Gelenk richtig? Greift der Mechanismus? Es ist der Moment, in dem der Bausatz zu einem ernstzunehmenden Technikprojekt mutiert.


Der Moment des Triumphs: Alles bewegt sich!


Als die letzte Schnur saß und alles justiert war, kam der magische Augenblick: Der erste Testlauf! Die einzelnen Segmente schwenkten, der Greifer öffnete und schloss sich – und das rein mechanisch ohne jede Elektronik!


Man ist in diesem Moment mächtig stolz (ich war es jedenfalls), weil man jede Schraube und jeden Hebel selbst gesetzt hat. Der Arm fühlt sich dadurch nicht wie ein fertiges Spielzeug an, sondern wie ein eigenes kleines Ingenieur-Werkstück.


Das Besondere: Wechselköpfe und Bionik-Feeling


Ein echtes Highlight sind die austauschbaren „Köpfe“. Je nach Lust und Laune könnt ihr den Aufsatz wechseln:
Der Röhrenwurm: Er wirkt optisch herrlich abgefahren und gibt dem Ganzen einen richtig bionischen, teils organischen Look. Nach einigem Experimentieren ist er sogar mein persönlicher Favorit geworden, weil er das bionische Prinzip so anschaulich verkörpert. Ein kleiner Wermutstropfen: Bei meinem Modell ließ sich der Kopf beim Druck auf den rechten Joystick nicht immer ganz flüssig drehen – aber das ist Meckern auf hohem Niveau.


Der klassische Greifer: Mit drei „Fingern“ wirkt er technischer und eignet sich hervorragend für das präzise Greifen kleiner Gegenstände. Aber hier ist etwas Pbung gefragt.


Der Wechsel zeigt schön, wie unterschiedlich sich ein mechanisches System verhält, je nachdem, was am Ende dran hängt. Man beginnt fast automatisch zu experimentieren: Was kann ich womit besser greifen? Wie stark muss die Spannung sein?


Fazit: Anspruchsvoll, lehrreich und befriedigend


Unterm Strich ist der Bionic Robotic Arm von Kosmos ein wirklich toller Experimentierkasten. Er unterschätzt euch nicht, sondern traut euch zu, Zeit und Geduld zu investieren – belohnt euch dafür aber mit einem beeindruckenden Ergebnis und einem großartigen Begleitheft voller Wissen.


Wenn ihr Spaß an Technik habt, ist dieses Set ein Volltreffer. Plant Zeit ein, nutzt das richtige Werkzeug und freut euch auf den Moment, in dem euer eigener bionischer Roboterarm zum ersten Mal die Finger krümmt. Wirklich zu empfehlen!

Webseite: https://www.kosmos.de/de/bionic-robotic-arm-21915