Blades of Fire hat mich vom ersten Moment an gepackt – und das nicht nur wegen der spannenden Kämpfe, sondern auch, weil mich das Spiel in vielerlei Hinsicht an Gothic erinnert hat: Die verwinkelte, geheimnisvolle Welt, das Gefühl, wirklich ein Teil dieser rauen Fantasy-Gesellschaft zu sein, und die Lust, in jeder Ecke nach Geheimnissen zu suchen. Doch Blades of Fire ist weit mehr als ein nostalgischer Rückblick, sondern ein eigenständiges Action-Adventure mit vielen cleveren Ideen und einer überraschenden Tiefe.
Märchenhaft, rau und voller Geheimnisse
Schon der Einstieg macht klar: Hier wird euch nichts geschenkt. Die Welt ist verschachtelt, voller Abzweigungen, versteckter Durchgänge und gefährlicher Gegner. Die Umgebung wirkt malerisch und düster zugleich, mit kreativen Monstern, liebevoll gestalteten Panoramen und einer Prise morbider Fantasy, die sich angenehm von typischen Genrevertretern abhebt. Kurz gesagt: Mir gefällt es hier.
Die Vegetation ist stellenweise so dicht, dass ihr euch leicht verlaufen könnt – ein Gefühl, das an die ersten Schritte in Gothic erinnert, wenn man stundenlang nach dem richtigen Weg sucht. Ganz so wild ist es hier allerdings nicht dank Komfort-Funktionen wie einer Karte.
Die Story rund um den Krieger Aran de Lira, seinen heiligen Hammer und die mysteriösen Runen bleibt zwar eher im Hintergrund und schafft es nicht, emotional zu packen, sorgt aber für ausreichend Motivation, immer weiter vorzudringen. Die Charaktere sind unterhaltsam, auch wenn der Protagonist selbst etwas blass bleibt. Aber das passt für mich.
Anspruchsvoll, taktisch und belohnend
Das Herzstück von Blades of Fire ist das Kampfsystem, das zwar an Dark Souls erinnert, aber eigene Schwerpunkte setzt. Ihr visiert gezielt Körperteile eurer Gegner an, achtet auf Schadensarten (Stich, Schlitz, Stumpf) und müsst eure Waffenwahl und Angriffsmuster ständig anpassen. Das klingt anfangs nach viel, geht aber schnell ins Blut über.
Besonders clever: Die farbige Umrandung zeigt euch sofort, ob eure aktuelle Waffe gegen den jeweiligen Gegner effektiv ist. Das hilft enorm, wenn ihr zum ersten Mal auf einen neuen Feind trefft. Das Ausdauer-System zwingt euch, mit Bedacht zu agieren, doch wer blockt, regeneriert schneller – ein Kniff, der anfangs zum passiven Spiel verleitet, aber mit Übung immer flüssiger wird.
Bosskämpfe sind fordernd und manchmal gnadenlos, da einige Bosse eure Angriffe komplett ignorieren und erbarmungslos zurückschlagen. Parieren und Ausweichen werden so oft zur Glückssache – aber mit dem richtigen Timing fühlt sich jeder Sieg verdient an. Das kennt man aus Souls-Like-Spielen zur Genüge. Wer will, kann den Schwierigkeitsgrad anpassen und so das Abenteuer auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden.
Schmieden & Waffen: Innovation mit Suchtfaktor
Ein echtes Highlight ist das Schmiede-Feature: Ihr könnt Waffen nicht nur finden, sondern aus Einzelteilen selbst zusammenbauen, einfärben und benennen. Die Wahl des Stahls und der Komponenten beeinflusst nicht nur die Optik, sondern auch die Werte und das Moveset eurer Klinge. Das motiviert enorm, immer neue Kombinationen auszuprobieren und sich zum Meisterschmied zu entwickeln. Geht eine Waffe verloren (etwa nach dem Tod), könnt ihr sie zurückholen – die Strafe ist also spürbar, aber nicht unfair.
Die Waffenabnutzung, oft ein verhasstes Feature, wird hier clever genutzt: Sie zwingt euch, das Arsenal zu wechseln und neue Spielstile auszuprobieren, statt immer nur auf eine Lieblingswaffe zu setzen. Das Crafting-Minispiel ist intuitiv und macht Spaß – selten hat ein Action-Adventure so viel Freude beim Experimentieren mit Ausrüstung bereitet. Und wer darauf keine Lust hat, kann das Mini-Spiel zumindest später überspringen.
Welt & Erkundung: Viel zu entdecken, manchmal zu verschachtelt
Die Spielwelt ist abwechslungsreich, voller Geheimnisse und lädt zum Erkunden ein. Ihr findet versteckte Räume, Minirätsel, optionale Bosse und immer wieder neue Herausforderungen. Allerdings ist das Leveldesign nicht immer optimal: Manche Wege sind schlecht ersichtlich und es kann frustrieren, wenn man minutenlang nach dem Ausgang sucht, während einem Gegner im Nacken sitzen. Die Karte hilft nur bedingt und die Kamera ist gelegentlich zu nah am Geschehen. Aber all das ist Meckern auf hohem Niveau.
Technisch ist das Spiel solide, aber kein Meilenstein: Die Optik ist stimmig, die Animationen gelungen, doch Ruckler und kleinere Bugs kommen vor, vor allem auf der Konsole. Auch die Ladezeiten waren oft einen Tick zu lang für meinen Geschmack. Und wie gesagt: Die Präsentation der Geschichte und die Synchronisation bleiben hinter dem Gameplay zurück. Doch das lässt sich dank des Rests einfach verkraften.
Fazit: Ein ungewöhnliches Abenteuer mit Charakter
Blades of Fire ist ein Action-Adventure, das mit seinem taktischen Kampfsystem, dem motivierenden Schmieden und der geheimnisvollen Welt viele Stärken ausspielt. Es ist fordernd, manchmal frustrierend, aber immer spannend – und erinnert mit seiner rauen, offenen Welt an Klassiker wie Gothic. Wer sich auf die Eigenheiten einlässt und über kleinere Schwächen bei Technik und Story hinwegsehen kann, bekommt hier ein Abenteuer, das lange fesselt und immer wieder überrascht. Für Fans von anspruchsvollen Action-Adventures und alle, die gerne experimentieren und entdecken, ist Blades of Fire ein echter Geheimtipp. Auf geht’s! Schmiedet euer eigenes Abenteuer!
Erhältlich für: Xbox, PS, PC