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Blazing Chrome

Knüppelharte Action im Retro-Look – ein würdiger Nachfolger, der aber gar keiner ist.

Es kostet mich schon einiges an Konzentration, dass ich „Blazing Chrome“ schreibe und nicht etwa „Contra“ oder „Probotector“. Die beiden letztgenannten Spiele – eigentlich handelt es sich dabei um ein und dasselbe – stammen aus Konamis Softwareschmiede. Weltweit erlangte „Contra“ durch seine Action und die gute Spielbarkeit Berühmtheit.

In Deutschland wurden die Menschen durch Roboter ausgetauscht und „Contra“ kurzerhand in „Probotector“ umbenannt. Spielerisch hat sich jedoch nichts geändert. Da es Konami aber nicht hinbekommt einen würdigen Nachfolger zu liefern, springen eben die Entwickler von JoyMasher ein und zaubern „Blazing Chrome“ aus dem Hut.

Der Spirit alter Tage

„Blazing Chrome“ ist ein knallharter Traum aus Pixeln und Sprites: Das muss ich gleich vorwegsagen. Denn wer auf einfache Spielchen steht, bei denen ihr den Kopf abschalten und entspannen könnt, sollte sich woanders umschauen. Das hier ist kein Zuckerschlecken und jeder Erfolg will hart erkämpft sein. Eigentlich ganz im Stile der Spiele aus den 80er- und 90er-Jahren.

Grundsätzlich ist „Blazing Chrome“ ein Sidescroll-Shooter, in dem ihr von links nach rechts – manchmal auch von unten nach oben – lauft und alles aus dem Weg ballert. Mit den Sticks bewegt ihr euch und steuert auch die Richtung, in die ihr eure Schüsse abgebt. Das Heikle an der Sache: Ein Treffer und ihr verliert ein Leben – nix mit Lebensleiste oder sonstigem Unfug. Das hier ist kompromisslose Action wie früher.

Entscheidungsfreiheit light

Die Story könnt ihr getrost beiseite lassen: Es geht mal wieder um Apokalypse, Menschen, die von Maschinen ausgelöscht wurden und die Nachwehen eines atomaren Krieges – das Übliche eben. Ihr könnt zwischen zwei Charakteren auswählen, die spielerisch jedoch keinen Unterschied machen. Ob ihr nun eine Frau spielt oder einen Roboter wirkt sich auf die Level in keiner Weise aus.

Eigentlich dient der Unterschied zur Unterscheidung, wenn ihr mit einem Freund gemeinsam den Kampf von der Couch aus aufnehmt – übrigens ein Feature, das ich sehr empfehlen kann. Dadurch wird der stramme Schwierigkeitsgrad ordentlich entschärft. Wenn ihr die Kampagne spielt, könnt ihr gleich zu Beginn aus vier verschiedenen Missionen auswählen.

Ich rate euch aber dringend, dass ihr den Auftrag mit dem geringsten Schwierigkeitsgrad auswählt. Selbst da werden alte Hasen des Genres nicht locker durchrennen. Habe ich schon erwähnt, dass „Blazing Chrome“ ziemlich stramm ist? Die einzelnen Level sind in verschiedene Abschnitte unterteilt, die immer mit einem kleinen und später in einem finalen Bosskampf enden.

Gerade bei den Kämpfen gegen die dicken Obermotze solltet ihr schnelle Finger und Konzentration haben: Nur wenn ihr die Angriffsmuster kennt, werdet ihr erfolgreich sein. Um für etwas Abwechslung zu sorgen, wirft euch das Spiel von Zeit zu Zeit neue Waffen vor die Füße. Insgesamt könnt ihr bis zu vier Waffen gleichzeitig tragen.

Solltet ihr jedoch das Zeitliche segnen, dann verschwindet die Waffe, die ihr gerade genutzt habt – also vorsichtig. Die Auswahl an Knarren ist übrigens sehr unterhaltsam geworden: Vom Streuschuss bis hin zum Flammenwerfer ist alles dabei.

Schöne, motorisierte Welt

Noch mehr frischen Wind gibt es durch die Einbindung von Fahrzeugen oder Mechs: In einigen Missionen liegen Mech-Anzüge herum, in die ihr hineinschlüpfen könnt. Diese sind nicht nur besonders resistent gegen Schaden, sondern feuern auch noch aus allen Rohren – ein Heidenspaß.

An anderer Stelle borgt sich „Blazing Chrome“ Ideen von Klassikern wie „Battletoads“: So seid ihr beispielsweise manchmal auf einem motorisierten Untersatz unterwegs und müsst schnelle Reaktionen beweisen. Grundsätzlich kann ich an dieser Stelle sagen, dass ihr die Levels fast alle auswendig lernen müsst.

Bei einem ersten Anlauf habt ihr fast nie eine Chance zu bestehen – Übung macht den Meister. Grafisch strahlt „Blazing Chrome“ in den Farben, Formen, Pixeln und Sprites der 90er-Jahre: Fast könnte man glauben, dass der Titel direkt für das Super Nintendo entwickelt wurde. Ein Fest für Nostalgiker!

Mir haben besonders die Inszenierung der verschiedenen Bosse sehr gut gefallen. Alles läuft flüssig ohne Probleme. Selbst die Ladezeiten sind locker zu verkraften. Kurz gesagt: Sehr charmant!

Fazit

„Blazing Chrome“ lässt den Spirit von Klassikern wie „Contra“ oder „Probotector“ in neuem Glanz erstrahlen. Es ist fordernd, unterhaltsam und unglaublich liebevoll retro. Ihr müsst euch allerdings bewusst sein, dass ihr hier nichts geschenkt bekommt und für den Erfolg arbeiten müsst.

Habt ihr jedoch verstanden, wie eine Mission funktioniert, dann stellt sich ein ungemein befriedigender Flow ein, der euch das Adrenalin in die Adern pumpt. Action pur! Danke an Entwickler JoyMasher für diese kleine Perle.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: joymasher.com