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Blood of Mehran

Indie-Action mit orientalischem Schicksalsmotiv.

Blood of Mehran will ein episches Abenteuer im Sinne von „Prince of Persia trifft Dark Souls“ sein – mit stimmiger Wüstenoptik, jeder Menge Rache und einer Geschichte, die sich an arabischen Erzähltraditionen orientiert. Das Setting, irgendwo zwischen Mesopotamien und Arabien, hebt sich angenehm vom JRPG- und westlichen Fantasy-Einerlei ab. Doch der Weg zur legendären Vergeltung hält einige Hürden bereit – spielerisch wie technisch.

Schön, aber Indie-typisch bescheiden

Beim ersten Rundgang durch die sandigen Märkte, Festungen und Paläste fällt auf: Die Optik ist durchaus nett und farbenfroh gestaltet, wenn auch immer erkennbar ein Projekt vom kleinen Studio. Charakteranimationen sind oft steif, Mimik und Bewegungen wirken teils unbeholfen – und werden dadurch manchmal sogar ungewollt komisch. Aber darüber kann ich gut hinwegsehen. Charme hat das alles dennoch.

Musik und Ambientsounds passen aber sehr gut und untermalen das orientalische Flair stimmungsvoll. Die Cutscenes schwanken zwischen melancholisch stark und unfreiwillig lustig, vor allem wenn Voice Acting und Lippenbewegungen auseinanderdriften. Aber sich hier sehe ich den Charme der Indie-Szene, was nicht so sehr stört.

Rache-Epoche statt Hollywood-Saga

Die Handlung setzt auf klassische Motive: Der Krieger Mehran soll Vergeltung nehmen an dem König, der seine Familie und sein Leben zerstörte. Das Spiel startet mit einem Duell, springt dann zurück zur Vorgeschichte und dem Ausbruch aus dem Kerker.

Die Storyführung schöpft aus arabischen Motiven und Märchen, bleibt dabei aber oft an der Oberfläche. Charismatische Nebenfiguren und ein paar coole Storybeats blitzen hervor – etwa, wenn Mehran im Palast oder auf dem Markt auf störrische Gegner trifft – vieles bleibt aber holprig und stimmungsmäßig inkonsistent.

Zwischen Trauer und Slapstick

Die Dialoge und Zwischenspiele sorgen manchmal für unfreiwilliges Gelächter: Plötzlich wird nach Rache getrauert, um dann in der nächsten Szene einen Flirt mit einer Dame zu landen. Irgendwie will das nicht immer ganz zusammenpassen.

Die Bösewichte wirken zudem sehr klischeehaft, die Inszenierung schwankt zwischen Pathos, Klamauk und Doku-Feeling. Gerade die tragischen Szenen verlieren durch mäßige Sprecher:innen und steife Animationen oft an Wirkung.

Von gelungenen Ansätzen zu groben Schwächen

Das Kampfsystem startet solide: Mit Schwert, Doppelklingen, Schild und Bogen geht es in einfache Hack’n’Slash-Duelle – leicht und schwerer Angriff, Parieren und Ausweichen sind intuitiv, die Moves angenehm Arcade-lastig. Eine Rage-Leiste für Spezialattacken bietet manchmal Spektakel. Die Blockfunktion ist teils fast schon „cheatig“ – man muss nicht mal in Richtung des Projektils blicken, die Abwehr läuft auf Knopfdruck automatisch.

Ab der ersten großen Mission zeigen sich Schwächen: Das Kampfsystem wird schnell schwammig, Trefferfeedback verliert an Klarheit und die Gegner-KI verwandelt jeden Alarm zum XXL-Massaker – hat Mehran einmal Alarm ausgelöst, sprintet eine Wellenflut von Wachen aus jedem Winkel des Levels heran und überrennt den Spieler. Hier hilft entweder wildes Button Mashing oder eine Neustart. Das kann schon nerven.

Verwirrung im Kampfgetümmel

Die Lock-on-Funktion gerät dabei oft zur Geduldsprobe; das Anvisieren verhakt sich gerne beim Gegnerwechsel und sorgt für ungewollte Kombos oder Blickrichtungen. Trefferanimationen und das Parieren sind nicht präzise abgestimmt – Timing versagt und gibt dem Kampf oft kein Rhythmusgefühl. Dadurch werden einige Animationen auch viel zu plötzlich abgehakt, wenn man mal einen Treffer aus dem Off kassiert.

Beim Schleichen zeigt das Spiel Licht und Schatten: Stealth-Kills sind möglich, funktionieren aber mal prima, mal gar nicht, weil das System oft nicht erkennt, ob die richtige Taste für die heimliche Attacke gedrückt wurde oder ein regulärer Schlag ausgeführt wird. Entdeckt eine Wache Mehran dann, ist mal wieder das ganze Level alarmiert – frustrierend und unfair. Andere Male laufen Feinde blind am eigenen Stealth-Kill vorbei, als wären sie Geister in der Wüste.

Upgrades, Level, Progression

Die Upgrades (Waffen, Skills, Rage-Boosts) sind grundsolide, aber wenig innovativ. Die linearen Level bieten Abzweigungen, kleine Sammelobjekte und nette Märkte – punktuell überzeugen sie durch Kulissen, dann wieder herrscht sandige Leere oder Levelwiederholung.

Bosskämpfe bringen sporadisch Spannung, werden aber oft von schwacher KI und repetitiven Angriffsmustern gebremst. Technisch hakt die Präsentation auf Konsolen und PC bisweilen und leidet unter Frame-Einbrüchen, wenig Kantenglättung, gelegentlichen Bugs und Clipping-Problemen.

Fazit: Gut gemeinter Indie-Rache-Trip mit spaßigen, aber holprigen Momenten

Blood of Mehran ist ein Hack’n’Slash-Abenteuer mit sympathischem Setting, netter Grafik und einer klassischen Geschichte, die aber oft durch schwache Mechanik und ungenaue Steuerung ausgebremst wird. Einzelne gute Momente (schnelle Kämpfe, coole Locations) und der erfrischende Orient-Flair können das schwankende, oft nervige Gameplay nur bedingt ausgleichen. Wer Geduld und Indie-Toleranz mitbringt, kann den ein oder anderen spaßigen Kampf erleben – alle anderen warten lieber auf einen Patch oder den Sale. Ein Spiel für Genre-Liebhaber mit Sinn für charmante Macken und Wüstenabenteuer, aber (noch) ohne das epische Schwert des Rachetriumphs.

Erhältlich für: Xbox, PC, PS 
Webseite: bloodofmehran.com