Klassischer geht’s kaum: Nachdem der alte Cowboy genug vom Gangster-Dasein hat, setzt er sich von seiner alten Truppe ab und lebt mit seiner Frau auf einer gemütlichen Farm – doch seine Ganoven-Kumpanen gönnen ihm den Ruhestand nicht so ganz. Kurzerhand steht das Haus ihres abtrünnigen Mitglieds in Flammen und die geliebte Ehefrau ist ermordet. Zeit für Rache! Was braucht ein Spiel mehr, als solch ein starkes Motiv?! Los geht’s.
Große Vorbilder
„Bombslinger“ vom kleinen, sympathischen Entwickler-Studio „Mode 4“ aus Belgien wandelt auf den Spuren von „Bomberman“: Hauptheld ist ein wütender Cowboy, der mit seinen Bomben wieder für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen will. Dazu bringt er seine tödliche Fracht an strategisch günstigen Punkten auf den abgesteckten Arealen an. Nach ein paar Sekunden gehen die Bömbchen hoch und hinterlassen – je nach Feuerkraft – ihre Spur der Verwüstung. Befindet sich dann auch zufällig ein Gegner in der Nähe, bedeutet das für ihn meist das Ende. Ebenso sollten wir selbst aber auch auf der Hut sein – nicht nur vor den eigenen Bomben, sondern auch vor schießwütigen Widersachern.
Die Entwickler beweisen nämlich in Punkto Gegner-Design wirklich Kreativität: Mal ist es nur ein wilder Eber, der auf einen zustürmt, mal ein Indianer, der seinen Tomahawk durch die Luft wirbelt oder ein Ranger, der Fallen ausstreut und mit seinem Gewehr Schaden anrichtet. Langweilig wird es in diesem Punkt also nie. Wenn ich persönlich an „Bomberman“ denke, dann kommen mir als erstes natürlich die heißen Mehrspielergefechte in den Sinn – immer noch ein Heidenspaß, auch nach Jahrzehnten der Veröffentlichung. Bei „Bombslinger“ dürfen diese also nicht fehlen. Und siehe da: Mit bis zu vier Spielern kann man sich auf unterschiedlichen Karten herumtummeln und sich gegenseitig in die Luft jagen – einfach klasse. Doch „Bombslinger“ hat noch mehr Asse (oder Dynamit) im Ärmel: Der Abenteuer-Modus ist ein bombastisches Paradies für Einzelspieler.
Darf es ein bisschen Zufall sein?
Als nette Indie-Produktion setzt „Bombslinger“ wie bereits andere Titel davor auf Rogue-Like-Elemente. Soll heißen: Beim jedem Start des Abenteuer-Modus würfelt der Rechner eine zufällig generiete Karte zusammen, auf der die Reise beginnt. Jeder Rachefeldzug ist damit einzigartig. Das bezieht sich übrigens nicht nur auf Layout, sondern auch auf die Endbosse, die euch am Ende der insgesamt vier Welten erwartet: Man weiß nie, wem man am Ende entgegentritt – außer der finale Boss natürlich. Doch das ist längst nicht alles …
Was „Bombslinger“ von anderen „Bomberman“-Klonen abhebt, ist ein frisches Konzept in Sachen Gameplay: Für jeden erfolgreichen Kill bekommt der Spieler Erfahrungspunkte spendiert, die er anschließend in einen von drei zufällig aufploppenden Fähigkeiten investiert. So wird der wilde Cowboy entweder robuster gegen Schaden, erhält mehr Feuerkraft und Bomben oder darf auf mehr „Spirit“ zurückgreifen. Letztere Ressource ist besonders wichtig beim Wirken von Spezialfähigkeiten: Währen eurer Reise werdet ihr nämlich immer wieder auf Schatztruhen stoßen, in denen sich besondere Items befinden. Vom normalen Revolver über mächtige Atombomben bis hin zu Gewitterzaubern ist so einiges vertreten. Dadurch bleibt das Spiel selbst beim x-ten Durchlauf noch spannend.
Eckige Explosionen im Retro-Stil
Optisch glänzt der Spaghetti-Western durch einen charmanten Pixel-Look und nette Animationen. Würde ich es nicht besser wissen, könnte das Spiel glatt aus den 90er-Jahren stammen. Mir gefällt’s jedenfalls. Neben dem netten, einfachen Gameplay, dem tollen Abenteuer-Modus, den nervenaufreibenden Mehrspielerpartien und der charmanten Grafik gibt es aber auch noch ein klein wenig zu meckern. Allerdings ist diese Kritik nicht nur an „Bombslinger“, sondern an das Genre im Allgemeinen gerichtet: Nach dem virtuellen Ableben unseres Helden muss ich das Abenteuer wieder von ganz vorne beginnen. Das war bereits bei „Binding of Isaac“ so und das machen viele andere Spiele ähnlich. Dieser Neustart lässt mich jedoch mit Null Fortschritt wieder meinen Rachefeldzug antreten – das kann nach ein paar erfolglosen Runden schon leicht frustrierend sein. Aber wie gesagt: Liegt wohl am Genre. Dennoch: Spaß macht das Ganze ja.
Fazit
Kommen wir zum Gesamtbild, das uns „Bombslinger“ liefert: Der Retro-Trip geht meines Erachtens voll und ganz auf. Pixelige Explosionen treffen auf ein spaßiges Gameplay, das sich vom Klassiker „Bomberman“ eine große Scheibe abschneidet, das Konzept aber mit eigenen, starken Ideen anreichert. Dadurch wird „Bombslinger“ nicht nur zum Multiplayer-Vergnügen, sondern überzeugt auch Single-Player durch einen sich immer wieder neugestaltenden Abenteuer-Modus. Mit diesem Titel macht ihr jedenfalls einen bombensicheren Kauf.
Erhältlich für: Xbox One, PC, Switch
Website: bombslinger.com