Glitzer, Glamour, High Heels und Botox – die Bratz sind zurück. Mit Bratz: Rhythm & Style bekommen Fans (und die, die es noch werden wollen) ein Rhythmus- und Modespiel, das vor allem jüngeren Spieler:innen ein buntes Modekarussell serviert. Doch wie viel echter Spielspaß steckt hinter dem Bling-Bling?
Plastikglanz in 4K
Optisch liefert das Spiel genau das, was man von Bratz erwarten darf: Knallige Farben, jede Menge Glitzer, klare Linien und eine Präsentation, die sofort an die ikonische Bratz-Marke erinnert. Die Outfits sind liebevoll gestaltet und der gesamte Look ist hübsch und immer ein kleines bisschen drüber. Jedenfalls aus meiner Sicht. Zum Glück hatte ich aber zwei weibliche junge Testerinnen mit dabei, die einen ganz anderen Blick auf das Spiel haben.
Die Animationen wirken leider eher, als hätte jemand die Motion-Capture-Sitzung nach fünf Minuten abgebrochen (lange Haare und Schulter sind offensichtlich eine wirklich schwierige Kombination). Naja, aber bei all dem Pom-Pom rundherum fällt das kaum noch auf.
Around the World
Natürlich sind die Bratz viel unterwegs. Die Städte unterscheiden sich dabei in kleinen, charmanten Details: London bekommt eine Tower-Bridge-Silhouette, New York eine Skyline – auch wenn sie insgesamt eher wie hübsche Bühnenbilder wirken als wie lebendige Metropolen.
Realismus sollte man sowieso nicht erwarten, aber insgesamt wirkt das knallige, bunte Modespiel stimmig und stylisch, die Hauptcharaktere sind sofort wiederzuerkennen und insbesondere für Fans stellt sich auf Anhieb ein wohliges, nostalgisches Bratz-Gefühl ein.
Mehr „Casual Catwalk“ als „Hardcore Rhythmus“
Die Bratz schaffen es auf die großen Bühnen der Welt. Ihr qualifiziert euch im Tutorial-Casting für eine Art „Mode-Grand-Prix“ rund um die Welt und müsst euch dafür in wechselnder Umgebung (sprich die Städte, die ihr auf eurer World-Tour bereist) verschiedenen Wettbewerben stellen.
Die Spielmechanik dabei ist simpel: Zuerst verschafft ihr euch einen Überblick über die heißesten Trends, indem ihr mit anderen NPC sprecht, dann stellt ihr euer Outfit zusammen und tretet in Rhythmus-Wettbewerben an. Dabei heißen die Disziplinen Catwalk, Posing und Tanzen und sind letztendlich Quick-Time-Events zur Musik von Bratz. Hier war ich etwas erstaunt, wie schwierig solche QTE für meine Testerinnen sein können.
Fast wie früher
Besonders der Tanzwettbewerb erinnert stark an frühe Versionen von „Guitar Hero“. Je nach eurer Fähigkeit den Takt zu treffen, sammelt ihr Punkte und schlagt eure Gegnerinnen. Bei der Songauswahl kommen vor allem eingefleischte Bratz-Fans auf ihre Kosten, denn sie dürfen zu 20 Original Bartz-Songs Posen und Tanzen. Ich kannte mich hier nicht wirklich aus und musste nachschauen.
Klingt nett – und ist es auch. Allerdings nur für kurze Zeit. Die Wettbewerbe sind schnell repetitiv, und egal ob man nun in „London“ (mit einer sehr subtilen Tower Bridge auf dem Stadtplan) oder „Tokyo“ unterwegs ist: So richtig unterschiedlich fühlt es sich nicht an. Boutiquen heißen mal anders, die Umgebung hat kleine Details – aber im Kern bleibt es gleich. Nach ca. fünf Stunden Gameplay hat man dann den Fashion Olymp erklommen.
Styling – hier glänzt das Spiel
Der wahre Star sind die Outfits. Über 400 Teile warten darauf, kombiniert zu werden. Dabei achtet ihr darauf, dass die ausgewählten Lieblingsteile den Kern des Trends treffen, den ihr gerade stylen sollt. In London soll es nach Punk, in Mailand nach Glamour aussehen. Die Kombinationsmöglichkeiten sind riesig. Von glamourös bis extravagant kann jede Modeliebhaber:in ihren ganz eigenen Stil ins Spiel integrieren.
Ein schönes Detail: Man kann die Farben der verschiedenen Kleidungsstücke anpassen. Das sorgt für deutlich mehr Abwechslung, als es auf den ersten Blick scheint. Wer Mode mag, wird hier definitiv seine Freude haben.
Glitzerwelt mit Schattenseiten
So viel Spaß das Styling macht – die Bratz selbst sind, sagen wir mal, sehr künstlich. Riesige Augen, Wespentaille, endlos lange Beine. In den frühen 2000ern war das die ikonische Bratz-Marke, heute wirkt es allerdings fast parodistisch überzogen. Und genau da liegt der Knackpunkt: Die Hauptzielgruppe sind Kinder und Jugendliche – also genau die, die ohnehin durch Instagram, TikTok & Co. ständig mit unrealistischen Körperbildern bombardiert werden.
Ob man wirklich noch mehr Plastikperfektion als Vorbild braucht, ist fraglich. Zwar ist Bratz: Rhythm & Style ein eher harmloses Casual-Game, doch die Ästhetik sendet eine klare Botschaft: Schönheit heißt überzeichnete Oberflächlichkeit. Das will ich nur mal kritisch erwähnen.
Fazit
Bratz: Rhythm & Style ist kein schlechtes Spiel – im Gegenteil: Für jüngere Spieler:innen oder Fans, die einfach nur Spaß an Mode und buntem Glamour haben, passt es perfekt. Die Minispiele sind leicht zugänglich, das Styling macht Freude, und das Gesamtpaket versprüht Nostalgie. Wer jedoch mehr Tiefe und Abwechslung erwartet, wird enttäuscht. So bleibt das Spiel ein nettes Casual-Vergnügen mit einer wichtigen Fußnote: Die Bratz sehen immer noch aus wie lebendig gewordene Plastikpuppen – und das sollte man kritisch im Hinterkopf behalten, wenn man es den jüngeren Spieler:innen in die Hand drückt.
Erhältlich für: PS, Xbox, Switch, PC
Webseite: https://outrightgames.com/games/bratz-rhythm-and-style