Wenn das Ende des Jahres anbricht, warten viele Spieler:innen sehnlichst auf einen neuen Shooter – und den liefert entweder EA oder Activision. Diesmal schickt uns Activision in ein geistiges Remake von Call of Duty: Modern Warfare 3. Die Neuauflage hat nur rudimentär etwas mit dem Original aus dem Jahr 2011 zu tun. Also schauen wir mal, was hier so abgeht.
Das Böse wartet
Makarov ist schon ein fieser Kerl. Als Superschurke will er die Welt aus dem Gleichgewicht bringen. Einfach so. Weil er Russe ist, lange im Knast gesessen hat und unglaublich böse ist. Willkommen in der Kampagne von Call of Duty: Modern Warfare 3. Als Gelegenheits-Multiplayer-Spiele freue ich mich immer am meisten über die Solo-Kampagne von CoD. So ein bisschen Popcorn-Unterhaltung à la Michael Bay ist doch was Feines. In den letzten Anlegern konnte mich Activision immer gut für 9 bis 12 Stunden unterhalten. Modern Warfare 3 geht da einen anderen Weg.
Hier bekomme ich knapp 5 Stunden geliefert – und das als Light-Menü. Denn der Kampagne bzw Story fehlt das Salz. Alles ist so belanglos und dutzende Male gesehen, dass mir davon im kommenden Monat wohl nichts mehr im Gedächtnis bleiben wird. Der Bösewicht macht da nur den Anfang. Die Entwickler:innen haben irgendwie versäumt, ihm eine spannende Bio zu verpassen. Was treibt ihn an? Wo kommt er her? Was will er erreichen? Ich kann euch sagen: Keine Ahnung. In den 1980er-Jahren ist man damit noch gut unterwegs gewesen. 2023 nicht mehr so ganz …
Besser nach Drehbuch als zu frei
Die Missionen selbst zeigen immer mal wieder gute Ansätze – sofern sie euch durch schlauchige Level führen. Hätte nie gedacht, dass ich das mal sage … Aber beim linearen Verlauf lassen sich prima Situationen skripten, die überraschen. Die neuen offenen Missionen fallen da etwas fade oder gar langweilig aus. Dort muss ich mal ein paar Helikopter zerstören, Gegenstände suchen oder Dinge markieren. Anfangs bin ich Hirsch noch schön umher geschlichen, um möglichst viele Stealth-Kills zu bekommen. Doch viel zu oft wurde ich aus unmöglichen Positionen entdeckt und es kam zum Feuergefecht. Und siehe da: Mit der Waffe im Anschlag und in Rambo-Manier komme ich deutlich schneller und leichter ans Ziel.
Das war wohl nicht im Sinne des Erfinders. Zwei der insgesamt 14 bzw. 15 Missionen (wenn man den Epilog mitzählt), fand ich am Ende sehr gelungen. Der Rest war okay, aber nicht überwältigend. Alles fühlt sich irgendwie so an als habe man hier viele Spielmechaniken aus Versatzstücken anderer CoD-Titel unter Zeitdruck zusammengeschustert. Glaubt man einigen Berichten der Fachpresse, war das anscheinend auch so. Jedenfalls merkt man es Modern Warfare 3 nur allzu häufig an.
Kein Popcorn mehr?
Was auch etwas schade ist: Die tollen Zwischensequenzen vermisse ich total. Es gibt zwar gute Cut-Scenes, aber keine kann mich wirklich mitreißen. Und wenn man dann genau auf die Story schaut, entstehen etliche Logik-Lücken, die nie geschlossen werden. Also schaltet das Gehirn einfach ab. So, genug über die Einzelspieler-Erfahrung gemeckert. Gehen wir zum Multiplayer-Modus über.
Sobald ihr mit anderen Online spielt, trumpft Call of Duty auf – da ist auch Modern Warfare 3 keine Ausnahme. Die schnellen Matches in unterschiedlichen Modi können euch gut und gerne die kommenden Monate beschäftigen. Super Waffengefühl, kurzweilige Action, sehr viel Abwechslung. Natürlich habe ich hier auch wieder ein Aber für euch parat.
Aus alt mach neu
Kreativität kann man den Macher:innen diesmal nicht attestieren. Denn anstatt neue Karten zu entwickeln, hat man die 16 Karten von Modern Warfare 2 (!) aus dem Jahr 2009 (!) recycled. Das ist an sich nichts Schlimmes, weil die Karten echt gut sind. Aber ich kannte sie zu wenig und meine Kontrahenten hingegen wohl alle auswendig. Spaß hat das dann wenig gemacht. Und Chancen, um besser zu werden, sind damit etwas geringer.
Ein weiterer Punkt, der mir öfters aufgefallen ist: Sobald ich mal wieder ins Gras gebissen habe - was bei Modern Warfare 3 nun etwas länger dauert als bisher – erschien mein Charakter direkt wieder an der gleichen Stelle. Das Blöde daran: ich landete zu oft vor der bereits erhobenen Flinte meines Feindes - und wurde direkt wieder weg gepustet. Das nervt auf Dauer. Daher hielt sich mein Ausflug in die Welt der Online-Matches entsprechend kurz. Und somit komme ich zum Schluss.
Fazit
Call of Duty: Modern Warfare 3 hat dieses Jahr bei mir persönlich etwas die Luft aus der Serie gelassen. Vielleicht liegt es auch an mir, aber das Gesamtpaket kommt mir wie der dritte Aufguss des ein und selben Spielchens daher: Immer noch okay, aber nicht sonderlich spannend und recht dünn an vielerlei Stellen. Die Kampagne, auf die ich mich gefreut hatte, war leider zu uninspiriert und kurz, um gute Unterhaltung zu bieten. Und im Multiplayer-Modus fehlen mir die wirklichen Neuerungen. Daher setze ich wohl mal eine Zeit lang aus, bis ich mich wieder in die Schlachten stürze. Zum Glück gibt es dieses Jahr noch andere Blockbuster, die auf mich warten.
Erhältlich für: PS, Xbox, PC
Website: callofduty.com/de/modernwarfare3