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Capes

Neue Helden braucht das Land! Ist das wirklich so?

Bei Superhelden geht es mir inzwischen fast so wie bei Zombies vor einigen Jahren. Ich kann die Geschichten dazu nur noch mit etwas Zwang ertragen. Bei Videospielen gibt es zwar genügend Einsatzmöglichkeiten für Superkräfte, doch langsam kommen sie mir zu den Ohren raus. Auch wenn Marvel und DC einige coole Charaktere zu bieten haben. Mit Capes aus dem Hause Spitfire Interactive und Publisher Daedalic kommt etwas frischer Wind auf – so scheint es anfangs zumindest.

Mal was Neues

Capes konzentriert sich nicht auf die bekannten Universen, sondern erschafft gleich mal ein Neues. Das kann auf der einen Seite ermüdend sein, aber auch eine Chance für neue Geschichten bieten. Und Capes bekommt beides davon hin. Mehr dazu später. Schauen wir zunächst mal auf die Story.

Gleich die erste kleine Bremse: die Story wird in einer Dia-Show mit Dialogen präsentiert. Bei kleineren Titeln kenn ich das zwar zu genüge, aber gefallen tut es mir trotzdem nicht. Selbst die beste Geschichte wird dadurch blasser. Aber das lässt sich insgesamt noch gut verschmerzen. Zudem ist dieses Problem nicht exklusiv für Capes reserviert. Aber kommen wir mal wieder zurück zur eigentlichen Story.

Super ist doch ganz normal

In King City sind Helden und Heldinnen an der Tagesordnung. Ja, eigentlich hat hier jeder irgendwelche Superkräfte. Nur darf man sie nicht einfach so einsetzen – so will es das Regime von King City. Wir sind in Capes also in einer dystopischen Welt gelandet, in der Freiheit ein seltenes Gut ist. Klingt doch schon mal spannend. Bei solchen Verhältnissen bildet sich auch meist immer ein Widerstand – und genau diesen dürfen wir anführen.

Capes setzt beim Gameplay eindeutig auf das große Vorbild von XCOM: In rundenbasierten, taktischen Gefechten geht es reihum durch die rund 50 Aufträge. Die Anläufe kennt man, wenn man solche Titel schon mal gespielt hat. Pro Charakter stehen euch Bewegungs- und Aktionspunkte zur Verfügung. Wer taktisch vorgeht und die Feinde gut studiert, wird Erfolg haben. Auch hier erfindet Capes das Rad nicht neu. Allerdings bringen die Entwickler:innen neue Schwerpunkte mit ins Spiel.

Formbare Heldentruppe

Da wir es mit Superhelden und Superheldinnen zu tun haben, die noch recht unerfahren sind, können wir sie im Verlauf der Kampagne sukzessive ausbauen. Dabei wird euer eigener Spielstil unterstrichen. Lasst mich das an einem Beispiel erklären. In eurer Truppe habt ihr mit Rebound eine mächtige Telepathie-Expertin. Ihr könnt Rebounds Fähigkeiten nutzen, um euch quer über das Schlachtfeld zu teleportieren und die Gegner von hinten zu erdolchen. Levelt ihre Schattenklinge hoch, um mächtig Schaden auszuteilen. Oder aber nutzt die Erfahrungspunkte, um die Teleportation auf eure Truppe anzuwenden. Wenn ihr eure anderen Charaktere plötzlich überallhin teleportieren dürft, ergeben sich daraus viele taktische Spielereien. Und so könnt ihr mit fast jedem Charakter vorgehen.

Das macht schon Laune. Denn nach und nach kommen weitere Helden und Heldinnen zu eurer Truppe. Jeder einzelne Charakter besitzt einen kleinen Talentbaum, mit dem ihr sie oder ihn spezialisieren könnt. Dadurch kommen spannende Kombinationen zum Vorschein, die den Gefechten mehr Tiefe geben.

Planbarer Erfolg

Allerdings solltet ihr wirklich gut überlegen, wie ihr vorgeht. Denn bei Capes schnellt der Schwierigkeitsgrad bald in die Höhe. Wer einfach losstürmt, ohne seine Rücksicht auf seine Truppe, wird wenig Erfolg haben. Denn natürlich haben auch eure Gegner gefährliche Fähigkeiten, die ihr niemals unterschätzen solltet. Das macht Teamplay und das Nutzen von Kombinationen umso wertvoller.

Grafisch bewegt sich Capes etwas zwischen Licht und Schatten. Generell sieht das Geschehen auf dem Schlachtfeld wirklich gut aus, wenn man es aus der Ferne betrachtet. Bei Nahem kommen kleinere Defizite wie hölzerne Animationen oder wenig detaillierte Gesichter zum Vorschein. Apropos hölzern: Im Gegensatz zu Marvels Midnight Suns werde ich hier nicht so recht warm mit den Charakteren. Irgendwie fehlt ihnen etwas Leben, was aber größtenteils an den Dialogen liegt, die manchmal sehr konstruiert wirken. Aber das nur am Rande.

Fazit

Insgesamt bringt Capes alles mit, um Spaß zu haben – sofern ihr auf rundenbasierte Kämpfe à la XCOM steht. Wirklich neue Elemente führt Capes dabei aber nicht ein. Nur verlegen die Entwickler:innen etwas den Fokus auf den Rollenspiel-Aspekt. Hier könnt ihr eure Heldentruppe nach euren Wünschen formen. Mut muss man Capes zugestehen, was die Story angeht. Neue Superhelden vorzustellen und dies in eine nette Geschichte zu packen, ist nicht leicht. Wenn ihr für all dies offensteht, dann gebt Capes eine Chance. Vielleicht schafft ihr es ja, das Regime zu stürzen.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: capes.daedalic.com