Wenn das eigene Zuhause plötzlich zum Albtraum wird. Mit CAPTURED von Perp Games landet ihr in einem scheinbar gewöhnlichen amerikanischen Vorort-Haus – und ahnt noch nicht, dass euch eines der kreativsten und nervenaufreibendsten Horror-Erlebnisse des Jahres erwartet.
Keine Monsterhatz mit Waffen, keine Open-World-Flucht, sondern eine surreale Loop aus Hausrunden, Rätsel, versteckten Dämonen und einer Kamera, die alles festhalten muss, was sich „falsch“ anfühlt.
Anomalien jagen statt Monster zerschießen
Das Spielprinzip ist einfach und genial: Ihr lauft immer wieder durch dasselbe Haus und müsst dabei Anomalien aufspüren und auf Kamera „capturen“. Mal ist's ein schiefes Gemälde, mal taucht plötzlich eine Toilette mitten im Wohnzimmer auf, mal flutet der Flur.
Der Clou: Es gibt unzählige subtile bis absurde Veränderungen – von schleichenden Licht-/Soundeffekten bis zu sich „verformenden“ Räumen, zwischen denen ihr immer wieder neu entscheidet: War dieser Stuhl eben noch hier? Lief der Fernseher vorher schon?
Gut aufgepasst
Im Laufe der Loops steigert sich die Zahl der zu findenden Fehler – und auf höheren Schwierigkeitsgraden wartet ein Sanity-Meter darauf, euch noch mehr Stress zu machen: Zu langes Grübeln wird gnadenlos bestraft.
Besonders im Nightmare-Modus kann das „Verlustgefühl“, wenn euch das Haus und sein Rhythmus überfordert, knisternd werden. Hier zählt allein euer Erinnerungsvermögen und die Fähigkeit, zu merken, was normal war und was die dämonische Manipulation des Ortes ist.
Retro-Grusel und echte Schockmomente
CAPTURED setzt auf Analogue-Horror: Eure Kamera liefert grisselige Bilder, V-Sync-Störungen, Retro-Effekte und ein finsteres Filmkorn, das jeden Gang durch die Gänge zur Hommage an P.T., Blair Witch und analoge Found-Footage macht. Das Haus selbst bleibt absichtlich unspektakulär und alltäglich – so poppen jede noch so kleine Veränderung umso intensiver heraus.
Ihr scannt mit begrenztem Akku, sucht Batterien und müsst die Art der Anomalie immer konkret benennen: Wasser, Licht, Möbel, vermisste Objekte oder surreale Transformationen.
Der Sound ist ein Erlebnis für sich: Stille, knarzende Böden, plötzliche Schreie oder verzerrtes Flüstern – dazu gelegentlich Stimmen des Dämons, die euch scheinbar direkt aus den Wänden ansprechen. Die Wesen, die euch manchmal jagen, sind so unberechenbar, dass jeder Run zur Nervenprobe wird.
Kreativität, Humor und Easter Eggs
Was CAPTURED besonders macht: Die Anomalien können spielerisch und witzig sein, etwa wenn ihr plötzlich in eine Waschsalon-Welt stolpert oder euch Indie-Referenzen an „Arcade Paradise“ und andere Spiele grinsend die Perspektive versauen. Der Mix aus Humor und Horror sorgt für schräge Momente und jede Menge Spontan-Schrecks – hier wird der Alltag zur Pokerparty mit dem Unheimlichen.
Kritikpunkte und Umfang
Das Spiel ist recht kurz, eine Runde dauert meist zwischen 20 und 40 Minuten – aber der Wiederspielwert ist hoch, da jedes Mal neue Anomalien auftauchen und diverse Schwierigkeitsgrade mit eigenen Herausforderungen locken.
Manche Anomalien bleiben sehr subtil, was Frust bei fehlenden Details bringen kann. Die Steuerung könnte manchmal etwas präziser reagieren, gerade beim „Scannen“ und Batteriewechsel. Musik fehlt fast komplett – was aber die Stille und das nervöse Lauschen nur verstärkt.
Fazit: Anspannung in der Endlosschleife
CAPTURED ist ein großartiges Beispiel für minimalistischen, aber intensiven Horror, bei dem ihr nicht erschreckt werdet, sondern euch selbst und eure Wahrnehmung auf die Probe stellt. Wer gern Anomalien jagt, Spaß an subtilem Grusel und Rätseln hat und sich in clever inszenierten Häusern verlieren will, bekommt hier einen einzigartigen Loop zwischen Gedächtnistraining, kleinen Jump-Scares, Humor und echter Angst. Kurzweilig, stark inszeniert und ideal für eine Nacht (oder Nachmittag) im Flur des Unheimlichen – CAPTURED ist ein Fest für alle, die Horror lieben, ohne dem Action-Klischee zu folgen.
Erhältlich für: Xbox, PS
Webseite: perpgames.com/game/captured