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Carrion

Ich hab dich zum Fressen gern.

Wie eine Kanonenkugel schießt das Biest durch die Tür, lässt das Eisen bersten, streckt in Windeseile seine Tentakel aus und hinterlässt von den drei bewaffneten Sicherheitsleuten nur eine rote Hackmasse. So in etwa sieht eine typische Szene bei „Carrion“ aus, dem neusten Spiel von Entwickler Phobia Game Studio und Publisher Devolver Digital. In diesem Action-Adventure übernehmt ihr die Rolle des Bösen – und das kann richtig Laune machen.

Blob lässt grüßen

Alles beginnt in einem Labor: Als unförmige Masse in einem Gefäß startet euer Abenteuer. Ihr seid nicht mehr als ein Hackbällchen – aber ein Hackbällchen mit mächtigen Fähigkeiten und einem ungeheuren Hunger. Keine Sorge, bald werdet ihr wachsen, wenn ihr zum ersten Mal Menschenfleisch gekostet habt. Euer Ziel: Ausbrechen an die Oberfläche.

Das Auffälligste gleich zu Beginn: „Carrion“ ist ein blutiges Pixelabenteuer in schönstem 16-Bit. Viele der grausamen Szenen werden sich im Grunde in euren Köpfen abspielen, da der TV-Monitor nur Pixelbrei zeigt – das Wortspiel musste sein. Die meiste Zeit seid ihr nämlich damit beschäftigt eure Gegner in Einzelteile zu zerlegen und anschließend zu verspeisen. Aber trotz der 16-Optik, kommt ordentlich Atmosphäre auf und lässt euch die Angst der Gegner spüren – cool gemacht.

Offen für alles

Grundsätzlich wabert „Carrion“ im Genre der Metroidvania-Spiele. Soll heißen: Ihr werdet im Laufe der Zeit immer wieder neue Fähigkeiten erhalten, mit denen ihr neue, bisher unzugängliche Bereiche freilegt. Eine Spielmechanik, auf die ich abfahre. Nur hat „Carrion“ an dieser Stelle ein kleines Problem bzw. gibt es an mich weiter – aber dazu kommen wir gleich noch.

Machen wir mal mit der Spielmechanik weiter. Unser Stück Hack, wie es liebevoll nenne, bewegt sich großartig flüssig durch die einzelnen Levelabschnitte, die sich immer als separate Räume darstellen. Dank eurer Tentakel haftet ihr an fast allen Oberflächen. Auch die Steuerung geht schnell ins Blut über: Mit dem rechten Stick streckt ihr die Tentakel aus und schnappt per Knopfdruck zu.

Ob nun Hebel, Menschen oder andere Objekte in eurem Weg stehen, spielt dabei kaum eine Rolle. Nach ein wenig Eingewöhnung schaffe ich es sogar, dass ich einzelne Objekte – manchmal auch Menschen – gezielt auf Feinde schleudern kann. Fühlt sich großartig an.

Stärker und stärker

Wie bei anderen Metroidvania-Spielen auch, erlernt ihr mit der Zeit neue Fähigkeiten, die dem Spiel einen neuen Touch verleihen und euch neue Orte erkunden lassen. Im späteren Verlauf könnt ihr dadurch dickere Wände durchbrechen, euch schneller bewegen oder sogar Schleimbrocken abschießen, um weit entfernte Schalter zu betätigen. Alles sehr unterhaltsam gemacht.

Zudem lernt ihr in Flashback-Szenen auch etwas über eure Vergangenheit und woher ihr überhaupt kommt. Besonders diese Szenen empfand ich als erfrischendes Element, weil ihr dann nämlich nicht in die Haut des Monsters, sondern in die der Forscher schlüpft. Nur eine Sache hat mich tierisch genervt – was aber auch vielleicht meine eigene Schuld ist: Die Wegfindung!

Viele Abschnitte sehen sich einfach zu ähnlich und machen die Orientierung daher wirklich schwierig. „Schau doch auf die Karte, du Depp!“ werden jetzt einige sagen. Klar, würde ich gerne – wenn es denn eine gäbe!!! Es mag Gründe dafür geben, dass „Carrion“ keine Mini-Map aufweist – Stichwort Anspruch und Teil des Erlebnisses – doch für mich persönlich lasse ich diese nicht zählen. Wie oft bin ich einfach so blindlings durch die Räume gehuscht, um den entsprechenden Raum zu finden, an dem ich meine neue Fähigkeiten ausprobieren darf. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen.

Ein wenig Orientierung gibt zwar die Ortungsfähigkeit, die euch nahegelegene Speicherräume zeigt, doch allzu viel solltet ihr euch davon nicht versprechen. Es mag sich nach einer Kleinigkeit anhören, doch eine Mini-Map hätte bei „Carrion“ den Spielspaß noch deutlich weiter nach oben getrieben – zumal ich so auch auf die Jagd nach allen Secrets gegangen wäre. Jetzt bin ich einfach froh, dass ich weiterkomme.

Fazit

Aber meckern wir mal nicht zu viel: „Carrion“ ist bis auf die fehlende Karte ein ganz unterhaltsames Stück Software geworden. Die Rolle des Monsters habe ich sehr gerne eingenommen und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Der ungewöhnliche Ansatz gefällt mir, zumal es in das Kostüm eines Metroidvania gegossen wurde – großartig. Wer also seinen Hunger nach solchen Spielen nicht zähmen kann, muss hier einfach zubeißen … zugreifen, meinte ich natürlich.

Erhältlich für: Xbox One, PC, Switch
Website: devolverdigital.com/games/carrion