Unterhaltung Games

Chorus

So geht unkomplizierte Raumschiff-Action: Dieses kleine Juwel ist eine echte Sci-Fi-Überraschung.

Das traf mich mal unvorbereitet: Chorus kam für mich aus dem Nichts angeflogen und eroberte im Sturm mein Spielerherz. Was Entwickler Fishlabs und Publisher Deep Silver dort abliefern, ist ganz großes Sci-Fi-Kino. Denn Chorus ist von Anfang an auf Unterhaltung getrimmt – ohne Kompromisse oder Längen.

Schatten der Vergangenheit

Gleich zu Beginn lerne ich Nara kennen. Sie war einst die mächtigste Kriegerin des Großen Propheten, dem Anführer der Mächte des Zirkels. Was es damit auf sich hat, lerne ich im weiteren Spielverlauf. Wir befinden uns hier jedoch nicht in irgendeinem Mittelalter-Fantasy-Plot, sondern ein paar Hundert Jahre in der Zukunft. Naras Ross, wenn man so sagen will, war das intelligente Raumschiff Forsaken. Doch auf dem vermeintlichen Höhepunkt ihrer Macht, überdachte Nara ihre Taten und wandte sich dem Zirkel ab. Getrieben von Schuld und Selbstzweifeln fing sie ein neues Leben in einem anderen Teil der Galaxie an. Doch die Vergangenheit ruht nicht …

So viel zur Geschichte dieser überaus begabten Kriegerin. Schon gleich zu Beginn wird euch klar, dass Nara nicht wie andere Frauen ist. Ihr Geist ist unruhig und ihre Gedanken sprechen ständig mit ihr. Sie kommt einem leicht schizophren vor, wenn ich ehrlich bin. Doch man merkt gleich, dass in ihr so viel mehr steckt, was man auch bald selbst erleben darf.

Leichtigkeit im All

Die ersten paar Minuten von Chorus sind dadurch geprägt, dass ihr euer Raumschiff bzw. dessen Steuerung besser kennenlernt. Und was soll ich sagen: Die Steuerung im dreidimensionalen Raum hat sich selten so unkompliziert für mich angefühlt. Warum das andere Entwickler nicht so hinbekommen, ist mir ein Rätsel. Jedenfalls fühlt sich die Steuerung des kleinen Gleiters so intuitiv an, dass es eine Freude ist. Ich fühle mich für größere Raumschlachten gewappnet.

Bevor ich überhaupt weiß, was genau mich erwartet, rausche ich schon durchs All und genieße die Aussicht. Chorus macht schon einen verdammt guten Eindruck und zieht Fans des Genres direkt in seinen Bann. Grafisch kann das hier sehr gut in der oberen Liga mitspielen. Die unendlichen Weiten sehen jedenfalls ziemlich beeindruckend aus – wenn man Zeit hat, um sie zu bestaunen. Denn bereits die ersten Luftkämpfe haben es in sich, zeigen aber, dass mich hier ein äußerst spaßiges Actionspiel erwartet.

Ballern ohne Scheu

Anfangs kann ich lediglich mit meiner Gatling herumballern, was schon für Laune sorgt. Später darf ich mein Schiff Stück für Stück aufrüsten. Dann gesellen sich auch Laser und andere Waffen in unterschiedlichen Stärken hinzu. Auch zusätzliche Module, die euch mehr Schilde oder einen stärkeren Rumpf verleihen, könnt ihr erwerben. Dieser kleine Hauch an Rollenspiel steht Chorus gut zu Gesicht. Es kommt sogar noch besser: Je mehr ihr bestimmte Waffen oder Fähigkeiten einsetzt, desto besser werden diese. Ein Beispiel: Ihr ballert Gegner ab während ihr im Sprint-Modus seid? Dann werdet ihr zukünftig beim Sprinten weniger Schaden kassieren. Praktische Sache.

Am spannendsten sind jedoch Naras Sonderfähigkeiten. Sie ist übersinnlich begabt und hat daher vorteilhafte Tricks auf Lager. Mit ihrem Spürsinn deckt sie neue Schauplätze oder versteckte Lagerstätten auf. Dadurch entgeht euch kein Credit-Paket unterwegs. Doch das ist noch nicht alles. Sobald Nara ihr altes Schiff, die Forsaken, wieder hat, bekommt sie nach und nach weitere Fähigkeiten spendiert. Allerdings wachsen mit den erhaltenen Fähigkeiten auch die Anforderungen an euer Abenteuer. Mehr verrate ich an dieser Stelle aber nicht.

Frei wie ein Weltall-Vogel

Chorus ist im Grunde ein Open-World-Sci-Fi-Titel mit einer passablen Story. Zu Beginn ertappte ich mich aber, dass ich immer wieder auf Nebenmissionen ging, weil sie mir einfach so über den Weg flogen. Das Gute daran: Zum einen dauern sie nicht lange und bringen meist neue Ausrüstung oder Credits ein. Zum anderen werdet ihr nicht wie in anderen Spielen mit Nebenmissionen vollbombardiert. Alles hält sich hier die Waage, was ich sehr angenehm empfand.

Insgesamt 12 bis 16 Stunden werdet ihr mit der Kampagne verbringen – je nachdem, wie erkundungssüchtig ihr seid. Keine Minute war mir dabei langweilig, was echt eine Meisterleistung ist. Denn nie hatte ich das Gefühl, dass ich hier grinden müsste oder sich alles künstlich in die Länge zöge. Auch wenn es hier und da ein paar kleine Bugs gibt, fügt sich bei Chorus insgesamt alles sehr gut zusammen.

Fazit

Eigentlich bin ich gar kein Fan solcher Raumfahrten, doch Chorus hat mein Herz erobert – und das will was heißen. Die unkomplizierte Shooter-Weltraum-Action ist die perfekte Mischung aus Arcade und Erkunden im Weltall. Leichte Steuerung, spaßige Luftkämpfe und abwechslungsreiche Szenarien und Aufgaben.

Wenn man das Werk von Fishlabs betrachtet, verstehe ich gar nicht, warum andere Genre-Vertreter bei ihrer Aufgabe oftmals scheitern. Für mich ist Chorus damit ein Überraschungshit des Jahres 2021, der mich völlig unerwartet traf. Wäre schön, wenn auch andere Spieler*innen das so sehen und einen Blick drauf werfen. Es lohnt sich!

Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: deepsilver.com/de/games/chorus