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ChromaGun 2: Dye Hard

Portal mit Farbdose, Magneten und leichtem Labor-Wahnsinn.

ChromaGun 2: Dye Hard ist ein sehr gelungener Puzzle-Nachfolger, der die Grundidee des ersten Teils merklich ausbaut und daraus ein deutlich größeres, klügeres und abwechslungsreicheres Denkspiel macht. Wenn ihr Spaß daran habt, Räume zu entwirren, Farben zu mischen und euch von einer Testkammer zur nächsten ein bisschen schlauer zu fühlen, dann ist das hier ziemlich nah an einem Geheimtipp für Puzzle-Fans. Macht euch auf einige Knoten im Hirn gefasst!

Farbe als Problemlöser

Das Herzstück bleibt natürlich die ChromaGun, also eine Farbpistole, mit der ihr Objekte, Flächen und Arbeiter-Droiden mit Primärfarben markiert, um sie über das System des „Magnetoid Chromatism“ anzuziehen oder abzustoßen. Rot, Gelb und Blau lassen sich kombinieren, Farben können wieder entfernt werden, und genau daraus zieht das Spiel seinen besonderen Reiz: Ihr denkt nie nur „Wie komme ich rüber?“, sondern immer auch „Welche Farbe braucht dieses Ding jetzt, damit der Rest des Raums endlich Sinn ergibt?“.

Schon das ist clever, aber ChromaGun 2 macht daraus deutlich mehr als nur „mal den Droiden an die Wand ziehen“. Objekte können an mehrere Dinge gekoppelt werden, ihr baut kleine Zug- und Druckverhältnisse auf, aktiviert Schalterketten und jongliert mit Farbzuständen, bis ein Raum plötzlich wie von selbst klickt. Gerade diese Momente, in denen aus einem anfangs völlig unverständlichen Labor plötzlich ein logisch lesbares System wird, ist die eigentliche Superkraft des Spiels.

Mehr als nur Testkammern

Die gute Nachricht für alle, die beim ersten Teil noch etwas „mehr davon, aber größer“ im Kopf hatten: ChromaGun 2 ist nicht bloß ein Aufguss, sondern erweitert seine Ideen konsequent. Schon früh wird das Spiel mechanisch breiter, und spätestens dann, wenn ihr ein voll ausgebautes Modell der ChromaGun mit allen drei Farben und der praktischen Löschfunktion in die Hände bekommt, fängt der Nachfolger erst richtig an, seine Muskeln spielen zu lassen.

Dazu kommen neue Umgebungsregeln, zusätzliche Puzzle-Elemente und ein deutlich stärkeres Gefühl, dass Pixel Maniacs hier mit der Fortsetzung kreativer und selbstbewusster geworden ist. Das Spiel bleibt zwar im Labor-Rahmen, schiebt aber immer wieder neue Ideen hinein, darunter parallele Welten beziehungsweise Universen mit eigenen visuellen und spielerischen Eigenheiten. Kurz gesagt: Ihr bekommt ordentlich Abwechslung geboten.

Humor zwischen Portal und Bürokratie

Wie schon der erste Teil lebt auch Dye Hard stark von seinem Tonfall. Die Welt von ChromaTec präsentiert sich als sterile Testhölle mit dieser wunderbar trockenen Firmen-Höflichkeit, die euch in der Theorie „freiwillig“ an Experimenten teilnehmen lässt und in der Praxis natürlich vollkommen irre ist. Allein die absichtlich kaputten Produktbeschreibungen im Shop zeigen ziemlich gut, woher der Wind weht: Das Spiel will euch nicht nur knobeln lassen, sondern euch auch immer wieder mit diesem leicht schrägen Labor-Humor angrinsen.

Ganz an Portal reicht ChromaGun 2 zwar nicht heran, aber der Vergleich kommt nicht von ungefähr, und das ist eigentlich ein ziemlich starkes Kompliment. ChromaGun 2 hat also verstanden, dass ein gutes Puzzlespiel nicht nur aus Mechaniken besteht, sondern auch aus Atmosphäre, Timing und einer Stimme, die euch durch diesen seltsamen Ort begleitet.

Wenn das Hirn raucht

Der wahrscheinlich wichtigste Punkt für euch als potenzielle Spieler ist die Schwierigkeit. ChromaGun 2 ist fordernd, aber selten unfair. Viele Räume sehen komplizierter aus als die letzten Endes sind - und das macht immer wieder Spaß, wenn ihr sie dann geschafft habt.

Das passt gut zu der Art Spiel, die Dye Hard sein will. Es verlangt euch keine irren Reflexe ab, sondern vor allem sauberes Denken. Wenn ihr feststeckt, liegt die Lösung meist nicht in besserem Zielen, sondern darin, den Raum noch einmal neu zu lesen und zu begreifen, welche Farbbeziehung ihr bisher übersehen habt. Genau dadurch kann ChromaGun 2 stellenweise frustig werden, wenn ihr in der falschen Denkrichtung festhängt, aber eben auch extrem befriedigend, wenn ihr den Knoten löst.

Kleine Schwächen

Ganz ohne Kritik kommt der Titel aber nicht davon. Ein Punkt ist, dass sich das Spiel in der Mitte etwas überladen anfühlen kann, weil es immer neue Ideen, Varianten und Regeln nachschiebt. Das ist einerseits natürlich ein Luxusproblem, weil niemand einem Puzzlespiel mangelnde Einfälle vorwerfen kann; andererseits kann genau diese Fülle dafür sorgen, dass sich manche Räume eher nach Arbeit als nach elegantem Aha-Moment anfühlen.

Wer gern streng fokussierte Puzzler spielt, könnte sich deshalb hier und da wünschen, dass das Spiel eine Idee weniger und dafür einen Tick mehr Luft zum Atmen hätte. Wie gesagt: Meckern auf hohem Niveau.

Fazit

ChromaGun 2: Dye Hard ist ein starker Puzzle-Nachfolger, der mit Farbmischerei, Magnetlogik und schräger Labor-Komik ein sehr eigenes Profil entwickelt. Wenn ihr gerne knobelt, euch von einem guten Aha-Moment tragen lasst und nichts dagegen habt, dass euch ein Spiel auch mal für zwanzig Minuten mit verschränkten Armen vor einen Raum stellt, dann dürfte euch dieses Farb-Chaos ziemlich glücklich machen.

Es ist nicht immer perfekt austariert und in der Mitte vielleicht einen Hauch zu vollgepackt, aber genau diese Lust am Weiterdenken macht den Nachfolger auch so sympathisch. Unter dem Strich wirkt ChromaGun 2 wie ein sehr farbenfroher Beweis dafür, dass ein gutes Puzzlespiel kein zweites Portal sein muss, solange es euch mit seiner eigenen Idee konsequent genug den Kopf verdreht. Ein echt starkes Spiel, das ihr euch anschauen solltet, wenn ihr Knobeleien mögt.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: store.steampowered.com/app/2982340/ChromaGun_2_Dye_Hard