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Chronos: Before the Ashes

Mit dem Tod kommt die Erfahrung – das nimmt das Spiel hier wörtlich.

Kennt ihr folgende Situation: Ihr seid im Ausland und geht ins Restaurant. Da ihr die einheimischen Gerichte noch nicht sonderlich kennt, probiert ihr mal was Neues. Auch die Sprache ist euch nicht sonderlich vertraut – also geht ihr etwas auf Sicherheit und bestellt das Menü mit dem Bild eines Hühnchens neben dem Text. Als das Essen ankommt, habt ihr tatsächlich Hühnchen, aber mit einer Sauce dazu, die euch förmlich im Mund zergeht – ein Genuss. Das kann ziemlich überraschend sein, nicht wahr? Warum nun dieser ganze Vorschrieb? Genauso erging es mir mit „Chronos: Before the Ashes“. Ich habe ein nettes Rollenspiel erwartet und wurde mit einem epischen Abenteuer überwältigt.

Vorgeschichte

Zunächst einmal: Ich hatte keine Ahnung, dass „Chronos: Before the Ashes“ in irgendeiner Weise was mit „Remnant: From the Ashes“ zu tun hatte. Jetzt, wo ich beide Titel nebeneinander sehe, hätte mir ein Licht aufgehen können. Jedenfalls erzählt „Chronos: Before the Ashes“ die Vorgeschichte zu „Remnant“ – so viel mal im Voraus. Ihr kommt also auch prima ohne dieses Vorwissen aus.

Die Geschichte von „Chronos: Before the Ashes“ beginnt in den späten 1960er-Jahren. Euer Held, der wahlweise eine Frau oder ein Mann sein kann, strandet an einem zerklüfteten Felsen. Nach einer kurzen Erkundungstour im Regen findet er ein Geheimlabor, in dem etwas mächtig schiefgegangen ist. Nach einem kleinen Rätsel entdeckt er einen Drachenstein, der ihn in eine Fantasy-Welt führt – das Abenteuer beginnt.

Nicht täuschen lassen

„Chronos: Before the Ashes“ gibt sich als Third-Person-Action-Adventure aus. Irgendwie als eine Art „Fable“, dachte ich innerlich. Zumal „Chronos: Before the Ashes“ eigentlich bereits 2016 für VR-Systeme erschien, dachte ich an einen lockeren Spaziergang mit Abenteuer-Flair. Dass ich aber mehr in eine Dark-Souls-Welt hineinstolpern sollte, war mir da noch nicht klar. Weil ich solche Spaziergänge nicht immer herausfordernd finde, dachte ich mir, dass ich gleich mal im höchsten Schwierigkeitsgrad starte. Also ging es auf „heroisch“ in die Fantasy-Welt.

Fast könnte man es eine glatte Bauchlandung nennen, als mich der erste Gegner an den Rand meiner Existenz brachte. Hier wird mit harten Bandagen gekämpft. Als Dark-Souls-Liebhaber konnte ich mich aber schnell an die Art zu kämpfen gewöhnen und war sehr überrascht. Die Vorfreude auf das anstehende Abenteuer wuchs erheblich. Schnell hatte ich das Blocken mit dem Schild und das Zustechen mit dem Schwert raus. Ich war wieder im Spiel.

Tod-schick

Die Ähnlichkeiten zu Dark Souls sind in „Chronos: Before the Ashes“ nicht von der Hand zu weisen. Denn fast jeder Gegner wird hier zur Gefahr und sollte niemals unterschätzt werden – was aber auch an meinem ausgewählten Schwierigkeitsgrad liegen mag. Im Gegensatz zu Dark Souls sammelt ihr hier jedoch direkt Erfahrung, wenn ihr einen Gegner killt. Somit ist ein Stufenanstieg unausweichlich. Allerdings bringt euch dieser auch wieder sämtliche Lebensenergie zurück – feine Sache, die mir oft das Leben gerettet hat. Ihr dürft aber auch pro Stufenanstieg zwei Punkte auf eure vier Werte verteilen: Stärke, Geschick, Arkankraft und Lebenskraft. Somit werdet ihr immer mächtiger.

Allerdings wird der Tod sicher irgendwann kommen – glaubt mir. Und dann setzt eine interessante Mechanik ein: Sobald ihr sterbt, werdet ihr ein Jahr älter. Richtig gelesen: Ihr altert mit dem Tod und werdet beim letzten Checkpoint wieder abgesetzt. Sämtliche Monster sind dann auch wieder in der Welt – mit Ausnahme der dicken Bosse, die ihr bereits besiegt habt. Ihr solltet euch also gut überlegen, mit wem ihr euch anlegt und wie ihr vorgeht.

Der Zahn der Zeit

Das Alter wirkt sich deutlich auf euren Charakter aus: Einmal seht ihr ihm oder ihr optisch an, dass die Jahre ins Land gegangen sind. Außerdem wird euer Held weiser, aber weniger agil. Anders ausgedrückt: In jungen Jahren lohnt es sich in Kraft und Geschick zu investieren. Später dann in Arkankraft. Die Lebensenergie ist auch nie schlecht. Aber damit ändert sich der Spielstil kontinuierlich mit jedem Tod. Seid ihr vorher immer ausgewichen, solltet ihr jetzt vielleicht besser blocken. Ein interessanter Ansatz. Alle zehn Jahre erhaltet ihr zudem noch eine extra starke Fähigkeit, die euch weiterhelfen wird. Beispielsweise permanent mehr Erfahrungspunkte, höhere Ausdauer oder mehr Verteidigung.

Grafisch spielt „Chronos: Before the Ashes“ zwar nicht in der obersten Liga, weiß aber durch seine fantasievollen Welten zu überzeugen. Die unterschiedlichen Gegenden sind allesamt abwechslungsreich gestaltet. Auch die Gegner wurden toll designt, wiederholen sich aber sehr oft in unterschiedlichen Varianten. Hier hat das texanische Team von Gunfire Games ganze Arbeit geleistet – Publisher THQ Nordic kann stolz darauf sein.

Fazit

Was soll ich sagen? Ich bin begeistert von „Chronos: Before the Ashes“. Das Spiel hat mich direkt in seinen Bann gezogen und umgehauen. THQ Nordic hat hier ein ganz heißes Eisen im Feuer, das wohl wenige auf dem Schirm haben. Neben den aktuellen Blockbustern da draußen hat sich „Chronos: Before the Ashes“ auf meiner persönlichen Top-10-Liste für das Jahr 2020 eingeschlichen – großartige Leistung für ein nicht zu unterschätzendes Rollenspiel.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch

Website: chronos.thqnordic.com