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Cinescape VR

Eine kleine Reise mit Hollywood-Vibes

Cinescape VR ist eine elegante Liebeserklärung an das Kino, die euch in fantastische Filmkulissen wirft – und gleichzeitig ein VR-Puzzler, der immer wieder an den eigenen Ambitionen stolpert. Wer Lust auf experimentelle Escape-Room-Rätsel und Handtracking hat, findet hier viel Atmosphäre, aber auch einige Designentscheidungen, die man nur mit zusammengebissenen Zähnen als „cineastisch“ bezeichnen kann. Kommt mit auf eine spannende Reise.

Bühne frei für Cinemorphosis

Die Grundidee ist großartig: Ihr streift als potenzielle Erbin oder Erbe des mysteriösen „Codex“ durch alte Filmsets eines legendären Studios und löst Prüfungen, indem ihr Dinge zwischen „real“ und „Film-Requisite“ hin- und hermorpht.

Aus der massiven Steinmauer wird plötzlich Styropor, das ihr umstoßen könnt, aus der Spielzeugpistole auf dem Set wird auf einmal eine echte Waffe mit Konsequenzen – genau diese Brüche sind der Kern von Cinescape VR.

Das funktioniert in den besten Momenten wie eine räumliche Denkaufgabe, die wirklich nur in VR so wirken kann: Ihr schaut euch um, überlegt „Was, wenn das hier gar nicht echt ist?“, und löst die Szene, indem ihr die Kulisse wortwörtlich entlarvt. Wenn das Spiel euch genau in diesen Flow lässt, fühlt sich das wie eine perfekte Mischung aus Escape-Room und Making-of-Doku an, nur eben mitten auf dem Set.

P4-TRIC und die Studiomythologie

Begleitet werdet ihr vom Roboter P4-TRIC, einem dieser charmant-sarkastischen Begleiter, bei denen die „Kann man dem trauen?“-Frage praktisch zur Design-DNA gehört. Im Hintergrund entspinnt sich eine kleine Meta-Story um den Gründer des Studios, den Codex und die Frage, warum ihr überhaupt durch all diese Prüfungen geschleust werdet.

Das Narrativ bleibt dabei bewusst kleiner und fokussierter, mehr Flüstern als Explosion. Wer in VR vor allem auf Spektakel, Kämpfe oder Dauerscripted-Action hofft, wird hier eher mit Andeutungen, Archivgefühl und „Was ist eigentlich real?“-Fragen konfrontiert – passend zum Thema, aber sicher nicht massentauglich.

Handtracking: mutig, aber mühsam

Der vielleicht gewagteste Schritt: Cinescape VR setzt konsequent auf Handtracking und verzichtet vollständig auf klassische Controller. Im Idealfall greift ihr nach Objekten, dreht sie in der Luft, schiebt Attrappen beiseite oder aktiviert Schalter, als würdet ihr das Set wirklich anfassen – einige Tester beschreiben dieses Gefühl als enorm immersiv, wenn das Tracking mitspielt.

In der Praxis ist genau das aber der Punkt, an dem ich manchmal die Geduld verliere: Die gleichen Gesten dienen zum Teleportieren und zum Greifen, sodass ihr euch nicht selten versehentlich quer durch die Kulisse katapultiert, wenn ihr eigentlich nur ein Objekt aufnehmen wolltet. Dazu kommen fehlende Komfortfunktionen wie eine vernünftige Höhenanpassung oder ein „Force Pull“ für heruntergefallene Gegenstände, was dazu führt, dass ihr euch im Wohnzimmer in echte Kniebeugen begebt, nur weil ein Item virtuell drei Zentimeter zu weit weg liegt.

Puzzlefluss zwischen genial und frustig

Als reiner Puzzle-Titel ist Cinescape VR bewusst nischig: kein Kampf, keine Zeitlimits, kaum Spektakel – dafür ruhiges Knobeln mit Fokus auf Logik und Raumwahrnehmung. Wenn alles ineinandergreift, entstehen sehr befriedigende „Aha“-Momente, in denen ihr die Kulisse quasi vor euren Augen entzaubert und euch wirklich clever fühlt.

Das Problem: Die Rätselabfolge ist nicht immer sauber kommuniziert, und manche Lösungen hängen an unsichtbaren Voraussetzungen, die ihr vorher erfüllen müsst, ohne dass das Spiel das klar macht. Das fühlt sich weniger nach Ideenknobelei und mehr nach Designer-Willkür an. Aber insgesamt sind die Rätsel sehr schön aufgebaut.

Filmsets zum Anschauen – weniger zum Erkunden

Optisch ist Cinescape VR ein kleines Fest: Detaillierte Sets, stimmungsvolle Beleuchtung, viel visuelle Persönlichkeit – von Western-Saloon bis geheimnisvollem Studioarchiv sieht hier vieles aus, als hätte jemand mit viel Liebe ans Produktionsdesign gedacht. Auch Klangbild und Räumlichkeit tragen viel dazu bei, dass ihr euch wirklich wie in aufwendig gestalteten Bühnenbildern fühlt.

Umso mehr schmerzt es, dass die Bewegung stark hotspot-basiert und geführt ist: Statt frei durch die Kulissen zu streifen, springt ihr von Knotenpunkt zu Knotenpunkt, was die Welt eher wie ein schönes Diorama als wie einen echten Raum wirken lässt. Zusammen mit der störrischen Interaktion entsteht so manchmal der Eindruck, ihr dürftet ein perfekt aufgebautes Filmset nur mit Samthandschuhen und Hofstaat betreten, statt es wirklich zu bewohnen.

Fazit: Für wen lohnt sich der Trip ins Studio?

Unterm Strich ist Cinescape VR ein mutiges, stilvolles VR-Projekt, das lieber ein paar Leute begeistert, als allen zu gefallen. Wer eine Schwäche für Puzzle-Escape-Rooms, Filmsets und experimentelle VR-Mechaniken hat – und bereit ist, sich mit Handtracking-Launen und teils holprigem Puzzlefluss zu arrangieren – bekommt hier einige der originellsten VR-Momente der letzten Zeit serviert.

Wenn ihr hingegen schon beim Lesen von „Handtracking only“ mit den Augen rollt oder euch bei Escape-Rooms schnell von unklarer Logik und fehlendem Hinweissystem triggern lasst, wird Cinescape VR eher wie ein stilvoll inszenierter, aber emotional distanzierter Arthouse-Film wirken: respektabel, interessant – und doch nicht das, was ihr an einem gemütlichen Abend in VR unbedingt nochmal starten wollt.

Erhätlich für: Meta Quest, SteamVR

Webseite: CinescapeVR