Diesmal schickt euch Team17 und Absolutely Games direkt in den Zweiten Weltkrieg hinein. Mit Classified: France ‘44 tritt man in die Fußstapfen von Taktik-Größen wie XCOM und Konsorten. Was ihr von dem Spielchen erwarten könnt, verrate ich euch im Test.
Der D-Day kommt
Angriff hinter den feindlichen Linien. Wenn es euch der Titel nicht schon gesagt hat, dann erfahrt ihr spätestens im Intro zur Kampagne, was hier Sache ist. Die Nazis haben Frankreich überrannt und drohen zur Übermacht zu werden. Als Teil einer dreiköpfigen Fallschirm-Jäger-Truppe sollt ihr hinter den feindlichen Reihen für Unruhe sorgen. Als Spezial-Kommando dezimiert ihr auf dem französischen Festland die deutschen Truppen, um Platz für einen großangelegten Angriff zu machen – so zumindest der Plan in der Geschichte.
Natürlich marschiert ihr nicht einfach so durch Frankreich und bereitet euch ohne Widerstand auf den D-Day vor. Ihr müsst behutsam planen, andere Menschen für eure Sache gewinnen und taktisch vorgehen. Genau hier liegt die Stärke von Classified: France ‘44. Absolutely Games und Team17 legen großen Wert auf eine authentische Geschichte, die so genau hätte ablaufen können. Falls ihr euch für historische Fakten interessiert, bekommt ihr während der Kampagne eine Menge Hintergrundinfos geliefert. Das nur mal nebenher.
Gewohnte Taktik-Kost
Spielerisch taucht Classified: France ‘44 tief in rundenbasierte Taktik-Kämpfe ab. Bereits beim Tutorial wird klar, dass das hier kein einfacher Feldzug werden wird. Jeder Zug muss sorgfältig geplant werden. Nie könnt ihr euch sicher sein, dass ihr die Lage unter Kontrolle habt. Einsteiger ins Genre könnte beim Beginn schon etwas überfordert sein, obwohl euch Classified: France ‘44 die Mechanismen schön erklärt. Es gibt aber eine Menge zu beachten, was den Willen nach Authentizität unterstreicht. Wenn ihr also neu im Genre seid, wählt am besten den leichtesten Schwierigkeitsgrad.
Denn sobald ihr euch auf der großen Übersichtskarte von Frankreich für ein Gebiet entschieden habt, geht das taktische Vergnügen los. Ihr dürft übrigens recht frei entscheiden, wo ihr eure nächsten Schritte plant. Das erhöht den Wiederspielwert, wenn ihr denn darauf aus seid. Die Missionen selbst warten dann mit recht abwechslungsreichen Vorgaben auf euch. Mal müsst ihr bestimmte Dokumente stehlen, Leute ausschalten oder Lager sabotieren.
Bereit für die Herausforderung?
Wer schon einmal von euch ein Spiel wie XCOM gespielt hat, wird sich auch in Classified: France ‘44 schnell zurecht finden. Jede Aktion kostet Aktionspunkte und sollte gut durchdacht sein, bevor der Feind an der Reihe ist. In noch nicht entdeckten Gebieten könnten zudem jederzeit Feinde auf euch lauern und Classified: France ‘44 schickt euch öfters mal Verstärkung auf den Hals. Solche Momente können den sicher geglaubten Sieg schnell in Frage stellen. Ja, Classified: France ‘44 ist in dieser Hinsicht wirklich fordernd.
Meist seid ihr mit bis zu vier Soldaten und Soldatinnen unterwegs. Auskundschaften und die Umgebung einsetzen, sind Schlüssel zum Erfolg. Die KI machte während der gesamten Testzeit übrigens eine gute Figur und agierte teils sehr clever. Wer aber still und heimlich vorgeht, erspart sich meist viel Ärger. Denn in den offenen Feuergefechten habt ihr selten eine Chance, da die Nazis einfach zu viele Ressourcen haben.
Mach es zu deinem Feldzug
Classified: France ‘44 biete euch aber eine Vielzahl an Möglichkeiten, um eine Mission erfolgreich zu beenden. Allein die Waffenauswahl macht einen Unterschied über Sieg und Niederlage. Messer, Schrotflinten, Maschinenpistolen oder Scharfschützengewehre sorgen für eine bunte Mischung. Jeder Charakter lässt sich zudem über einen umfangreichen Skill-Tree noch ein Stückchen in die gewünschte Richtung verbessern. Schaut aber, dass eure Truppe immer gut ausbalanciert ist, was die Fähigkeiten angeht. Denn viele Ressourcen habt ihr leider nicht.
Was Classified: France ‘44 allerdings nicht so hart bestraft, wie andere Spiele, sind die Kills. Während ihr reihenweise die gegnerischen Lager ausdünnt, kann es euch in Gefechten auch immer wieder erwischen. Doch keine Sorge: Das Spiel kennt keinen permanenten Tod, was ich eine Wohltat finde. Wenn mal ein Kamerad oder Kameradin zu Boden geht, bekommt ihr ihn oder sie am Ende der Mission wieder am Lager zu Gesicht. Dennoch seid ihr dann in der Mission stark geschwächt. Also übertreibt es nicht.
Technisch auf wackligen Beinen Während die Geschichte und das spielerische Grundkonzept sehr spannend geworden sind, schauen wir noch auf die Grafik. Hier befindet sich Classified: France ‘44 genau wie sein Setting etwas in der Vergangenheit. Die Charaktere samt Animationen wirken nicht immer auf dem neuesten Stand. Zoomt ihr dann noch sehr nah ans Geschehen, wird es manchmal etwas hässlich. Hier ist deutlich mehr Luft nach oben. Allerdings: Meist navigiert ihr euch sowieso aus der Vogelperspektive durch die Levels und bekommt von der Grafik dadurch weniger mit. Insgesamt sieht Classified: France ‘44 schon gut aus – aber bleibt auf Abstand.
Fazit
Am Ende des Tages zeigt Classified: France ‘44, dass es sein Taktik-Handwerk versteht. Die Missionen sind herausfordernd, die Möglichkeiten vielzählig. Zudem legt das Setting viel Wert auf authentische Atmosphäre und Hintergrundinformationen. Grafisch befindet ihr euch im soliden Mittelfeld. Wem also das Genre zusagt und auch das Setting des Zweiten Weltkriegs, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Es gibt allerdings eine Schwäche, die Classified: France ‘44 nicht kaschieren kann: Genau wie andere Genre-Vertreter macht das Spiel im Grunde nichts neu. Die Systeme greifen zwar wunderbar ineinander, aber irgendwie hat man das schon dutzende Male gesehen. Gerade wird der Markt daher etwas überflutet von solchen Spielen. Ich hoffe nicht, dass das ein Trend ist und Spiele wie Classified: France ‘44 ihr wohlverdientes Publikum finden werden.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: team17.com/games/classified-france-44