Clean Up Earth ist ein sympathischer, entspannter Aufräum-Simulator mit klarer Wohlfühlidee: Müll wegsaugen, Landschaften heilen und dabei zusehen, wie tote Gebiete wieder lebendig werden.
Wirklich großartig wird das Spiel aber nur dann, wenn ihr genau in dieser meditativen Schleife euren Frieden findet, denn spielerisch bleibt es eher simpel und technisch nicht immer ganz sauber. Also schauen wir mal genauer hin.
Müll weg, Natur an
Die Grundidee ist so schlicht wie effektiv: Ihr reist an verschmutzte Orte, saugt Müll mit eurem futuristischen Reinigungsgerät auf und stellt Stück für Stück die Natur wieder her. Dabei führt euch das Spiel an ikonische Schauplätze rund um den Globus, von Stränden über Wälder bis zu Flusslandschaften. Hier steht immer der Kontrast zwischen schöner Natur und sichtbarer Umweltzerstörung im Mittelpunkt.
Das funktioniert erstaunlich gut, weil Clean Up Earth den kleinen Fortschritt ständig sichtbar macht. Wo eben noch Schrott, Gift und kahle Erde lagen, wachsen plötzlich Pflanzen, Wasser fließt wieder und Tiere kehren zurück. Genau dieser direkte Vorher-Nachher-Effekt ist die eigentliche Belohnungsschleife des Spiels. Es ist kein Actionspiel, sondern eher digitales Ordnungsschaffen mit Öko-Anstrich, und das meint das Spiel komplett ernst.
Entspannung mit Staubsauger
In seinen besten Momenten ist Clean Up Earth fast schon meditativ. Es gibt keinen echten Zeitdruck, keine Kämpfe und kaum Stress, sondern vor allem ruhiges Arbeiten. Hinzu kommt das gemächliche Erkunden und das angenehme Gefühl, mit jeder eingesammelten Tüte oder jedem beseitigten Giftfleck eine kaputte Welt ein kleines Stück heiler zu machen.
Während das Aufräumen hier durchaus befriedigend ist, empfinde ich die eigentliche Saug- und Sammelmechanik als weniger präzise oder weniger unmittelbar belohnend als bei den stärksten Genrevertretern. Clean Up Earth macht Spaß, aber es erreicht nicht in jeder Sekunde diese beinahe hypnotische Perfektion, bei der man plötzlich drei Stunden lang nur Dreck entfernt und sich dabei großartig fühlt. Das nur fürs Protokoll.
Gute Idee, begrenzte Tiefe
Ein echter Pluspunkt ist die Grundhaltung des Spiels. Clean Up Earth will nicht zynisch, nicht ironisch und auch nicht bloß „cozy“ um jeden Preis sein. Es verbindet seine entspannte Struktur mit einer klaren Botschaft über Nachhaltigkeit und individuelle Wirkung. Dazu passt auch das „Play to Give“-Modell, bei dem Spielaktivität reale Umweltinitiativen unterstützen kann, ohne dass zusätzliche Ausgaben nötig sind.
Das ist sympathisch, ersetzt aber keine spielerische Tiefe. Wer auf Fortschrittssysteme, knackige Herausforderungen oder ein starkes narratives Gerüst hofft, bekommt hier eher ein ruhiges Tätigkeits-Spiel als ein komplexes Abenteuer. Upgrades und neue Werkzeuge gibt es zwar, doch der Kern bleibt Fleißarbeit: aufsaugen, sortieren, reparieren, weitermachen. Für manche ist das genau der Reiz, für andere spätestens nach den ersten Karten etwas zu monoton.
Koop, Technik und Alltagstauglichkeit
Praktisch ist, dass ihr Clean Up Earth nicht nur allein spielen könnt, sondern auch im Koop und sogar in größeren Online-Sessions mit bis zu 25 Spielern. Allein wirkt das Spiel eher wie ein ruhiger Feierabend-Ausflug, gemeinsam eher wie eine freundliche Community-Aufgabe, bei der ein riesiger Müllberg plötzlich in Teamarbeit zusammenschrumpft.
Technisch bin ich gemischter Meinung. Der Grafikstil, UI und allgemeine Zugänglichkeit sind toll. Stören tun eher kleinere Bugs, Pop-ins, Lags und teils sogar Abstürze, besonders auf Konsole oder in größeren Multiplayer-Runden. Genau deshalb hat Clean Up Earth diesen leicht widersprüchlichen Eindruck: ein Spiel mit angenehmer Seele, das aber noch nicht überall so rund läuft, wie es sein entspannter Ton eigentlich verdient hätte.
Fazit
Clean Up Earth ist ein ehrliches Wohlfühlspiel für Menschen, die in sichtbarem Fortschritt, aufgeräumten Landschaften und ruhiger Wiederherstellung echte Befriedigung finden. Das Spiel hat Charme, eine schöne Grundidee und genug sanfte Motivation, um aus virtuellem Müllsammeln überraschend schnell einen angenehmen Flow zu machen.
Wer mehr spielerische Tiefe, mehr Herausforderung oder eine technisch polierte Runde erwartet, dürfte früher merken, dass hier unter dem guten Vorsatz ein recht einfaches System arbeitet. Für entspannte Abende taugt Clean Up Earth trotzdem gut. Man sollte nur wissen, dass man hier eher einen netten Wiederaufforstungs-Ausflug bekommt als die nächste große Simulator-Offenbarung. Ich fand gerade das aber ganz sympathisch.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: cleanup-earth.com